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Nominierung: Neubau Vollversorgermarkt, Oldenburg

Adresse

Klingenbergstraße 1, 26133 Oldenburg

Bauherrin

M&L Grundstücksgesellschaft mbH, Oldenburg

Entwurfsverfasser

Lars Frerichs, neun grad architektur, Oldenburg

Weitere Beteiligte

Linda Erstling (Ausschreibung) / Jochen Rehling (Projektentwickler) / Heiko Matthias (Projektarchitekt)

Fertigstellung

Juni 2016

Fotos

© Meike Hansen, Archimage

URTEIL DER JURY

Vor dem Hintergrund des disruptiven Wandels der gesamten Handelsbranche setzt der Neubau des Vollversorgermarktes ein architektonisches Zeichen für den Handel vor Ort.

Es gelingt, im ungeordneten Kontext des Stadtteilzentrums von Oldenburg-Kreyenbrück einen neuen Identifikationspunkt für Anwohner und Kunden zu schaffen, der die Funktion eines klassischen Marktplatzes übernimmt. Die organisch beschwingte Gebäudekubatur ist dabei nicht willkürlich entstanden, sondern reagiert unmittelbar auf die natürlichen Gegebenheiten des Standortes. So umspielt das Bauvolumen mit Respekt den wertvollen Baumbestand und lässt in den Einbuchtungen angenehm durchgrünte und gut nutzbare Freiräume entstehen. Die großzügigen, mit markanten Korbbögen überspannten Öffnungen sind elegant in die homogen umlaufende Fassade aus ortstypischem Ziegelmauerwerk eingebunden. Bemerkenswert ist die reduzierte Verwendung von Werbeelementen, die sich deutlich vom sonst üblichen Maß abhebt.

Der aus drei Kreissegmenten entwickelte Grundriss entspricht dem organischen Prinzip der Gebäudehülle. Mit der Abkehr von orthogonalen Rastern ermöglichen die Planer eine Wegeführung, die den Kunden „en passant“ an allen Warengruppen vorbeiführt. Die luftige Höhe des gesamten Verkaufsbereiches überrascht und ermöglicht Blickbeziehungen durch das gesamte Raumvolumen.

Im jeweiligen Kreismittelpunkt laufen die Holzträger der Dachkonstruktion zu einem kräftigen Stützenbündel zusammen und bilden zentrale Orientierungspunkte. Auch das Lichtkonzept überzeugt: Statt einer gleichmäßigen Ausleuchtung werden einzelne Bereiche mit individuellen Leuchten hervorgehoben. Im Zusammenspiel mit den hellen und robusten Materialien sowie der soliden Detailausbildung ergibt sich ein homogenes Gesamterscheinungsbild mit hoher Nutzungsqualität.

Bauherr und Architekten belegen eindrucksvoll, wie einprägsame Architektur städtebauliche Prozesse in Gang setzt und Orte für das gesellschaftliche Zusammenleben schafft. Es ist eine Neuinterpretation des lange vernachlässigten Bautypus „Supermarkt“ gelungen.

STÄDTEBAULICHE MERKMALE

Das Umfeld ist zum großen Teil geprägt durch „gesichtslose“ Bauten der 1930er und 50er Jahre. Der Vollversorgermarkt ist der zentrale Baustein des Stadtteilzentrums in Oldenburg-Kreyenbrück. Die Grundrissform ist dem baulichen und landschaftlichen Umfeld geschuldet (Gebäude, Bäume). Prägende Baumgruppen konnten erhalten werden.

FLEXIBILITÄT / INNOVATION / NACHHALTIGKEIT

Neue Form der Warenpräsentation, des Weges beim Einkaufen und der Außendarstellung. Viele Freiräume zur Begegnung, als Mittelpunkt des Stadtteils.

GESTALTUNGSMERKMALE

Wunsch des Betreibers war es, neue Wege bei der Warenpräsentation zu gehen. Im Grundriss wurde auf ein orthogonales System verzichtet, die Wegeführung „organisch“ angelegt. Der Kunde behält so die Ware ständig im Blick und der Weg durch die Abteilungen ähnelt einem Spaziergang. Die Werbung wurde auf ein Mindestmaß reduziert.

IDENTITÄT

Der Weg ist das Ziel - neus Einkaufen in Oldenburg.

NUTZUNGSMERKMALE

Neubau eines Vollversorgermarktes.