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Kammer regional

Kammer regional

Nah dran, gut vernetzt und immer im Austausch: Die regionale Arbeit der Architektenkammer Niedersachsen bringt die Kammer direkt zu ihren Mitgliedern vor Ort. 

In acht niedersächsischen Regionen engagieren sich die Regionalbeauftragten als Ansprechpartner, Impulsgeber und Bindeglied zwischen Kammer und Berufsstand.

Mit vielfältigen Formaten wird dies lebendig gestaltet: Beim „Büro Lunch“ treffen sich Kolleginnen und Kollegen unkompliziert im Arbeitsalltag, während „Kammer vor Ort“ aktuelle Themen direkt in die Regionen bringt und den fachlichen Dialog stärkt. 

Ob in Braunschweig, Göttingen, Lüneburg oder der Region Hannover: regelmäßige Netzwerktreffen, Exkursionen und Baustellenbesuche fördern den fachlichen Austausch und stärken die Gemeinschaft. Die regionalen Netzwerke “Klimaschutz und Baukultur” sind offen und interdisziplinär angelegt: Sie bieten Raum für Diskussionen der Kammermitglieder zu aktuellen Themen, für neue Kontakte und für den direkten Dialog mit Kolleginnen und Kollegen.

Kommunalwahl regional 2026: Was Kandidierende zu Planung und Baukultur sagen

Stadtentwicklung, Wohnen, Baukultur, Klimaanpassung und gute Planungsprozesse gehören zu den zentralen kommunalpolitischen Aufgaben der kommenden Jahre. Die Architektenkammer Niedersachsen hat Kandidatinnen und Kandidaten in Städten und Landkreisen gefragt, welche Ziele sie dabei verfolgen und welche Schwerpunkte sie setzen wollen.

Die Antworten finden Sie hier nach Regionen geordnet. Nachfolgend gelangen Sie direkt zu den Stellungnahmen der Kandidierenden.

Buchholz

1. Baukultur als Standortfaktor

Welche Bedeutung messen Sie einer qualitätsvollen Architektur, Stadtgestaltung und Freiraumplanung für die Attraktivität und Zukunftsfähigkeit Buchholz' bei?

Eine hohe Bedeutung! Buchholz ist aus einem kleinen Dorf gewachsen, hat also so gut wie keine älteren Gebäude. Da die von Ihnen angesprochenen Punkte in der Vergangenheit offenbar unzureichend beachtet wurden, wirkt die Stadt eher etwas pragmatisch zusammengewürfelt. Mein Eindruck ist, dass hierauf in den letzten Jahren etwas mehr Augenmerk gerichtet wurde. Auf jeden Fall stehe ich dafür, genau dies zu tun.

2. Buchholz 2035

Wie soll Buchholz im Jahr 2035 aussehen? Welche drei Ziele möchten Sie bis dahin unbedingt erreichen?

  1. Bebauung der noch kontaminierten Rütgersfläche als Filetstück am Bahnhof mit fußläufiger Erreichbarkeit der Innenstadt zur Schaffung von Wohnraum (ein Drittel gefördert)
  2. Erhöhung der Attraktivität der Innenstadt - als starke soziale Mitte, Gesicht von Buchholz, Wirtschaftsfaktor
  3. Neubau des Mühlentunnels und des Projekts Stadtumbau West - beides wichtige Verbesserungen für Mobilität der Stadt

3. Wohnen und Innenentwicklung

Wie möchten Sie Innenentwicklung, Nachverdichtung und den Erhalt der Lebensqualität miteinander verbinden?

Indem wir Ihre Punkte aus Frage 1 beachten.

4. Innenstadt und Bauen im Bestand

Welche Rolle sollen die Weiterentwicklung der Innenstadt und die Umnutzung bestehender Gebäude künftig spielen?

In der Innenstadt ist Leerstand bei Ladengeschäften deutlich erkennbar. Wir installieren zunächst ein Stadtmanagement. Von hieraus müssen die Beteiligten an einen "runden Tisch“ geholt werden. Zwischennutzungen (Kultur, Ausstellungen) wären wünschenswert, auch interessante Konzepte (Regalladen, Testladen). Falls Sie daran denken, Leerstand in Wohnraum umzuwandeln. Das sehe ich derzeit noch nicht. Ansonsten hat für mich Bauen im Bestand klare Priorität vor Neubau. Mein Lieblingsprojekt (ehrlicherweise ist dafür derzeit kein Geld in Sicht) wäre ein Gebäude analog zum "Forum Groningen“ - ein Mehrzweckhaus als Stadtmagnet.

5. Klimaanpassung und Mobilität

Welche Prioritäten möchten Sie bei Stadtgrün, Klimaanpassung und nachhaltiger Mobilität setzen?

Bei uns wird seit Jahrzehnten über eine (zu) teure Umgehungsstraße gestritten. In jedem Wahlkampf wird das Thema diskutiert. Dabei übersehen wir gute Entwicklungen im Bereich Mobilität. Gute Entwicklungen (Rückgang Autoanteil von 59% (2012) auf 44% (2024) und eine Verdopplung des Radverkehrsanteils (von 12% auf 24%) werden kaum wahrgenommen. Noch dazu ist die durchschnittlich gefahrene Strecke nur 3 km lang. Hier sehe ich ein großes Potenzial mehr Verkehr auf das Fahrrad zu verlagern. Mir geht es darum, alle Verkehrsarten gerecht zu fördern: Fußverkehr (sichere, ansprechende Wege), Radverkehr (sicher, bequem, gute Abstellanlagen), Busverkehr (Rücknahme der Reduzierung der Fahrzeiten um 15 Wochenstunden), gut instand gehaltene Straßen statt Neubau. Stadtgrün und Klimaanpassung gehören dann unmittelbar zusammen. Es gilt die zurzeit noch in Arbeit befindlichen Maßnahmen aus dem Klimawandelanpassungskonzept sukzessive umzusetzen. Damit erhöhen wir auch die Attraktivität der Innenstadt.

6. Zusammenarbeit

Wie kann die Architektenkammer Niedersachsen Sie dabei unterstützen, Baukultur und qualitätsvolles Planen und Bauen in Buchholz weiter voranzubringen?

Über diese Frage freue ich mich besonders. Sie könnten z.B. als Expert:innen in unserem Klimaforum einen Vortrag unter der Überschrift Klimaschutz halten. Genau genommen herrscht herrscht hinsichtlich Baukultur etc. viel Unwissenheit unter den ehrenamtlichen Ratsmitgliedern, die dennoch Entscheidungen treffen müssen. Information - unabhängig von einem Investor - wäre hilfreich.

7. Zweite Kandidatur – neue Perspektiven

Sie kandidieren bereits zum zweiten Mal für das Amt der Bürgermeisterin. Welche Erfahrungen aus dem vergangenen Wahlkampf und Ihrer Arbeit im Stadtrat haben Ihre Vorstellungen davon verändert, wie Buchholz künftig gestaltet werden sollte?

In Buchholz hat sich leider in der vergangenen Ratsperiode nicht allzu viel bewegt. Ich vergleiche das gern mit der Angela-Merkel-Zeit, alles eher harmonisch, aber viel blieb liegen. Die Herausforderungen sind also viel drängender geworden. Es gilt eine gute Verzahnung zwischen wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Belangen zu erreichen und endlich einen langfristigen Stadtentwicklungsplan zu verfolgen. Etwas schlicht gesagt: Buchholz lebt überwiegend von der Hand in den Mund. So darf es nicht bleiben.

8. Vom Rat ins Rathaus

Als Ratsmitglied begleiten Sie politische Entscheidungen seit vielen Jahren. Welche Themen würden Sie als Bürgermeisterin anders angehen können als bisher aus der Opposition beziehungsweise aus der Rolle einer Fraktionsvorsitzenden?

Man kann sich aktiv an die Spitze verschiedener Themen stellen. Manche Themen lassen sich in die eine oder andere Richtung lenken, z.B. wenn es um die Erstellung von B-Plänen geht und um städtebauliche Verträge. Ein sehr wichtiges Thema ist Transparenz. Leider lagen den Ratsmitgliedern teilweise nicht immer alle relevanten Informationen vor. Folglich konnten sie teilweise nicht voll informiert Entscheidungen treffen. Das darf keinesfalls so bleiben!

9. Bürgerbeteiligung als Chance

Viele Stadtentwicklungsprojekte stoßen auf großes öffentliches Interesse. Wie möchten Sie die Bürgerinnen und Bürger künftig so beteiligen, dass gute Ideen aufgenommen werden, Entscheidungen aber dennoch verlässlich getroffen werden können?

Es geht darum Bürger:innen aktiv zu beteiligen (z.B. Werkstattformat). Dabei muss klar kommuniziert werden, was mit einer ergebnisoffenen Beteiligung beeinflusst werden kann und was eventuell bereits gesetzt ist. Mein Anliegen wäre bei allem: so viel Beteiligung wie möglich, um die Stimmen und Vorschläge möglichst breit aufzunehmen. Das ist meiner Auffassung nach auch Ausdruck gelebter Demokratie, weil Menschen wirksam sein können.

10. Zukunft des Mittelzentrums

Buchholz wächst kontinuierlich und übernimmt zunehmend Aufgaben für das Umland. Welche Schwerpunkte möchten Sie setzen, damit Wachstum, Lebensqualität und Baukultur gleichermaßen gestärkt werden?

Richtig ist, dass Buchholz aufgrund seiner Lage im „Speckgürtel“ von Hamburg stetig gewachsen ist. Lege ich aber Zahlen des Statistischen Landesamtes (2026) zugrunde, werden in Buchholz 2045 etwa so viele Menschen wie heute leben oder sogar weniger (-5%). Für den Landkreis kann ein Szenario bis -10% eintreten. Brauchen wir deshalb keinen Neubau? Doch wir benötigen kleine Wohnungen im Mehrgeschosswohnungsbau, barrierefrei, bezahlbar und möglichst in zentraler Lage. Buchholz ist in der glücklichen Lage, dass genau das auf der noch kontaminierten Rütgersfläche möglich sein kann. Zu Ihrer Frage: Ich bin natürlich keine Architektin. Ich würde für die angesprochenen Punkte Expertise hinzuziehen müssen und wollen. Fakt ist, dass wir eine Stadt brauchen, die Menschen buchstäblich positiv anspricht. Bedenkt man, dass jeder Neubau sicherlich mindestens 50 Jahre bestehen wird, benötigen wir dabei viel Sorgfalt.

Hameln

1. Baukultur als Zukunftsaufgabe

Welche Bedeutung messen Sie qualitätsvoller Architektur, Stadtentwicklung, Freiraumplanung und Baukultur für die Zukunft Hamelns bei?

Qualitätsvolle Architektur, Stadtentwicklung, Freiraumplanung und Baukultur hat auch in Zukunft einen hohen Stellenwert für die Stadt Hameln. Unsere historische Innenstadt ist ein architektonisches Kleinod, das es zu bewahren gilt. Hamelns Anziehungskraft als touristische Destination resultiert auch aus den gewachsenen mittelalterlichen Stadtbild. Veränderungen müssen daher besonders behutsam erfolgen.

2. Hameln 2035

Wie soll sich Hameln bis zum Jahr 2035 entwickeln? Welche drei Ziele möchten Sie bis dahin unbedingt erreichen?

  1. Erhalt der historischen Bausubstanz
  2. Kampf gegen den Leerstand
  3. Aufwertung des Weserufers

3. Wohnen und Flächenentwicklung

Wie möchten Sie bezahlbaren Wohnraum schaffen und gleichzeitig einen sparsamen Umgang mit Flächen sowie eine hohe städtebauliche Qualität gewährleisten?

Ein gutes Beispiel liefert das Quartier Bailey-Park mit 151 neuen, preisgebundenen Wohnungen in der Hamelner Nordstadt: hier haben wir über unsere städtischen Wohnungsbaugesellschaften ein Projekt realisiert, das durch verdichtete Bauweise, Begrünung und Freiraumplanung eine hohe städtebauliche Qualität aufweist. Das Quartier ist auf einer vormals innerstädtischen militärischen Fläche geschaffen worden, sodass keine zusätzlichen Flächen versiegelt werden mussten.

4. Bauen im Bestand

Welche Bedeutung messen Sie der Sanierung, Umnutzung und Weiterentwicklung bestehender Gebäude und Quartiere für die Zukunft Hamelns bei?

Hameln geht konzeptionell einen neuen Weg, in dem nicht mehr schwerpunktmäßig auf die Ausweisung neuer Baugebiete gesetzt wird. Ziel ist es, Baulücken zu schließen, vorhandene Gebäude umzunutzen und bestehende Quartiere weiterzuentwickeln.

5. Klimaanpassung und Mobilität

Welche Prioritäten möchten Sie bei Klimaanpassung, nachhaltiger Mobilität, Stadtgrün und einer resilienten Infrastruktur setzen?

Für mich hat die Umsetzung des Klimaschutzkonzeptes und des Klimaanpassungskonzeptes hohe Priorität.

6. Zusammenarbeit

Wie kann die Architektenkammer Niedersachsen Sie dabei unterstützen, Baukultur und qualitätsvolles Planen und Bauen in Hameln weiter zu stärken?

Ich freue mich auf eine weitere Zusammenarbeit und bin dankbar für Hinweise, Baukultur und qualitätsvolles Planen und Bauen in Hameln zu unterstützen.

7. Bilanz einer ersten Amtszeit

Sie führen die Stadt Hameln seit 2019 als Oberbürgermeister. Auf welche städtebaulichen oder infrastrukturellen Entwicklungen Ihrer ersten Amtszeit blicken Sie mit besonderer Zufriedenheit zurück – und welche Projekte möchten Sie in einer zweiten Amtszeit unbedingt abschließen oder neu beginnen?

Es ist nicht meine erste Amtszeit. Ich arbeite bereits seit November 2014 als Oberbürgermeister und kandidiere nun für eine dritte Amtszeit. Einer der bisherigen Schwerpunkte lag im Neubau von Kindertagesstätten und dem Umbau von Schulen. Hier wird auch künftig ein wichtiger Schwerpunkt liegen. Priorität hat für mich auch die Neugestaltung des Weserufers und die Entwicklung eines Hafenquartiers.

8. Die Zukunft der Innenstadt

Hameln verfügt über eine der attraktivsten historischen Innenstädte Niedersachsens. Welche Strategie verfolgen Sie, damit die Innenstadt auch künftig ein lebendiger Ort zum Wohnen, Arbeiten, Einkaufen, Erleben und Begegnen bleibt?

Die Stadt Hameln hat - als eine von wenigen Kommunen in Niedersachsen - ein eigenes Leerstandsprogramm aufgelegt, mit dem wir neue Geschäftskonzepte in unserer Innenstadt fördern. Damit ist es gelungen, eine attraktive Innenstadt zu bewahren. Mein Ziel ist es, dieses Programm fortzusetzen. Parallel dazu kaufen wir über eine von mir ins Leben gerufene städtische Gesellschaft Immobilien an, die mit großem Aufwand saniert werden. Über ein Städtebauförderprogramm unterstützen wir auch private Eigentümer bei der Sanierung ihrer Gebäude.  

9. Weser als Chance für die Stadtentwicklung

Die Weser prägt Hameln wie kaum ein anderes Element. Welche Rolle soll der Fluss künftig für Stadtentwicklung, Freiraumgestaltung, Klimaanpassung und Freizeitqualität spielen, und welche konkreten Projekte halten Sie für besonders wichtig?

Wir sind uns der besonderen Rolle der Weser bewusst. In einem ersten Schritt haben wir die Weserinsel „Werder“ zu einem Naherholungsraum mit Skatepark und großem Kinderspielplatz ausgebaut. Weitere Schritte folgen: ein Schwerpunkt für die kommenden Jahre ist die Neugestaltung des Stockhofes mit einer Weserterrasse.

10. Verwaltung als Partner des Bauens

Architekturbüros, Investoren und Bauherren wünschen sich verlässliche und zügige Planungs- und Genehmigungsprozesse. Welche Veränderungen möchten Sie in der Stadtverwaltung anstoßen, um Verfahren weiter zu beschleunigen und gleichzeitig die hohe Qualität der Stadtentwicklung zu sichern?

Die Stadt Hameln ist sehr schnell, wenn es um Planungs- und Genehmigungsprozesse geht. Dieses Tempo möchten wir auch künftig beibehalten, und dabei gleichzeitig eine hohe Qualität in der Stadtentwicklung sicherstellen.

1. Baukultur als Zukunftsaufgabe

Qualitätsvolle Architektur und Stadtentwicklung sind für mich keine Nebensache, sondern eine Investition in die Zukunft unserer Stadt. Was wir heute bauen und gestalten, prägt Hameln über Jahrzehnte. Deshalb müssen wir Funktionalität, Wirtschaftlichkeit, Nachhaltigkeit und gestalterische Qualität zusammendenken. Gerade Hameln mit seiner historischen Altstadt muss dabei den Spagat schaffen, sein besonderes Stadtbild zu bewahren und gleichzeitig Raum für moderne Architektur und neue Nutzungen zu ermöglichen. Gute Baukultur betrifft für mich aber nicht nur einzelne Gebäude. Sie entscheidet auch darüber, wie wir Plätze, Straßen, Grünflächen und ganze Quartiere gestalten. Entscheidend ist am Ende, ob Räume entstehen, in denen Menschen gerne leben, sich aufhalten und begegnen.

2. Hameln 2035

Ich möchte, dass Hameln 2035 eine Stadt ist, in der Menschen gerne leben, arbeiten und ihre Kinder großziehen. Eine wirtschaftlich starke, soziale und lebenswerte Stadt, die Veränderungen nicht nur verwaltet, sondern aktiv gestaltet.

Drei Ziele sind mir dabei besonders wichtig: bezahlbares und barrierefreies Wohnen in lebenswerten Quartieren, in der Kernstadt genauso wie in unseren Ortsteilen. Eine lebendige Innenstadt, in der Handel, Gastronomie, Wohnen, Arbeiten, Kultur und Begegnung zusammenkommen. Und eine klimaangepasste und gut erreichbare Stadt, in der Auto, Rad, Fußverkehr und ÖPNV sinnvoll miteinander verknüpft werden. Unser Wahlprogramm verbindet deshalb nachhaltige Mobilität ausdrücklich mit klimaangepasster Stadtentwicklung, Entsiegelung, Schatten und Hochwasservorsorge. Mein Ziel ist, dass wir 2035 zurückblicken und sagen können: Das waren die Jahre, in denen Hameln wieder mutiger geworden ist.

3. Wohnen und Flächenentwicklung

Die Antwort auf steigende Wohnkosten ist für mich vor allem mehr bezahlbarer Wohnraum. Dafür möchte ich geförderten Wohnungsbau stärken und Genossenschaften, gemeinwohlorientierte Wohnungsunternehmen und weitere Akteure stärker einbeziehen. Diese Instrumente sind ausdrücklich Bestandteil unseres Programms. Gleichzeitig dürfen wir nicht reflexartig immer neue Flächen versiegeln. Wir müssen Baulücken, Nachverdichtung und die Umnutzung vorhandener Gebäude stärker in den Mittelpunkt rücken. Dabei dürfen wir Quantität und Qualität nicht gegeneinander ausspielen. Neue Wohnquartiere brauchen Grünflächen, Spielmöglichkeiten, Begegnungsorte, Barrierefreiheit und eine gute Verkehrsanbindung.

Es geht also nicht nur darum, möglichst viele Wohnungen zu bauen. Wir müssen Wohnraum schaffen und gleichzeitig lebenswerte Quartiere entwickeln.

4. Bauen im Bestand

Für mich gilt grundsätzlich: Wir sollten zuerst prüfen, was wir mit dem vorhandenen Bestand machen können, bevor wir neue Flächen in Anspruch nehmen.

Das betrifft leerstehende Gewerbeimmobilien genauso wie Gebäude in der Innenstadt oder bestehende Wohnquartiere. Sanierung, Umbau und Umnutzung können neuen Wohnraum und neue Nutzungen ermöglichen, Ressourcen sparen und gleichzeitig gewachsene Stadtstrukturen erhalten.

Gerade beim Wandel unserer Innenstadt sehe ich darin große Chancen. Leerstand ist nicht nur ein Problem, sondern kann auch Raum für Neues bieten. Unser Ansatz ist deshalb, Leerstände aktiv zu nutzen und den Wandel der Innenstadt zu gestalten.

Bestandserhalt darf für mich allerdings kein Selbstzweck sein. Wenn eine Sanierung wirtschaftlich, energetisch oder funktional nicht sinnvoll ist, muss auch ein qualitativ guter Neubau möglich sein. Entscheidend ist, dass wir langfristig denken.

5. Klimaanpassung und Mobilität

Klimaanpassung muss heute bei jeder langfristigen Stadtentwicklungsentscheidung mitgedacht werden.

Dazu gehören mehr Stadtgrün und Schatten, weniger unnötig versiegelte Flächen, ein verantwortungsvoller Umgang mit Starkregen und Hochwasser sowie erneuerbare Energien auf öffentlichen Gebäuden. Unser Wahlprogramm verbindet deshalb Stadtentwicklung ausdrücklich mit Entsiegelung, Verschattung und Hochwasservorsorge.

Auch bei der Mobilität möchte ich die verschiedenen Verkehrsarten nicht gegeneinander ausspielen. Wir brauchen sichere und möglichst barrierefreie Wege für Fußgänger und Radfahrer, einen attraktiven ÖPNV und gleichzeitig eine gute Erreichbarkeit für den Autoverkehr.

Gerade für unsere Ortsteile ist Mobilität auch eine Frage gesellschaftlicher Teilhabe. Wer kein Auto hat oder nicht mehr fahren kann, muss trotzdem am Leben unserer Stadt teilnehmen können.

6. Zusammenarbeit mit der Architektenkammer

Ich wünsche mir die Architektenkammer Niedersachsen als fachlich starken und auch kritischen Partner der Stadt.

Sie kann uns durch fachlichen Austausch, Beratung, Wettbewerbe und gute Beispiele aus anderen Kommunen unterstützen. Wir müssen schließlich nicht jede Lösung neu erfinden, sondern können auch davon lernen, was andernorts bereits erfolgreich umgesetzt wurde.

Besonders wichtig ist mir, Fachwissen frühzeitig einzubeziehen und nicht erst dann, wenn wesentliche Entscheidungen bereits getroffen sind.

Gerade bei großen Stadtentwicklungsprojekten können Architektinnen und Architekten, Stadtplanerinnen und Stadtplaner sowie Landschaftsarchitektinnen und Landschaftsarchitekten dazu beitragen, unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen und eine hohe Qualität zu sichern.

7. Wohnen als soziale Zukunftsaufgabe

Wohnen ist für mich eine der zentralen sozialen Zukunftsfragen. Wer arbeitet, eine Familie gründet oder im Alter in Hameln bleiben möchte, muss sich hier angemessenen Wohnraum leisten können.

Deshalb brauchen wir mehr geförderten Wohnungsbau, starke Genossenschaften und gemeinwohlorientierte Wohnungsunternehmen. Gleichzeitig möchte ich Baulücken schneller aktivieren und geeignete Leerstände für neue Wohnformen nutzen. Diese Punkte sind ausdrücklich Teil unseres Wahlprogramms.

Dabei dürfen wir aber nicht nur über die einzelne Wohnung sprechen. Wir müssen Quartiere entwickeln. Dazu gehören Grünflächen, Spielplätze, Begegnungsorte, Nahversorgung, Barrierefreiheit und gute Mobilitätsangebote. Ein Quartier muss für ein Kind genauso funktionieren wie für eine Familie oder einen älteren Menschen. Bezahlbares Wohnen und hohe städtebauliche Qualität sind deshalb für mich kein Widerspruch. Beides gehört zusammen.

8. Hameln als lebenswerte Stadt für alle Generationen

Ich möchte Hameln so weiterentwickeln, dass Menschen unabhängig von Alter oder Einkommen gute Chancen haben, hier gut zu leben. Ein besonderer Schwerpunkt ist für mich dabei die Bekämpfung von Kinderarmut. Mein Ziel ist klar: Wir müssen die Kinderarmut in Hameln spürbar senken. Kinderarmut bedeutet für mich nicht nur, dass in einer Familie weniger Geld vorhanden ist. Sie kann auch bedeuten, dass Kinder schlechtere Chancen auf Bildung, gesellschaftliche Teilhabe, Sport, Kultur oder eine gesunde Entwicklung haben. Genau dort müssen wir ansetzen, wo wir als Kommune konkret etwas verändern können. Dazu gehören starke Kitas und Schulen, verlässliche und gute Ganztagsbildungsangebote. Bildung ist für mich eine der wichtigsten Investitionen, die eine Kommune tätigen kann. Unser Programm setzt deshalb ausdrücklich auf verlässliche Ganztagsbildungsangebote sowie ausreichende Kitaplätze. Zu einer Stadt für alle Generationen gehört für mich aber auch barrierefreier und altersgerechter Wohnraum gerade in unseren Ortsteilen. Viele ältere Menschen leben dort in Häusern, die irgendwann zu groß werden oder nicht mehr zu ihren Bedürfnissen passen. Ich möchte Alternativen im eigenen Ort schaffen. Menschen sollen ihr Haus verlassen können, ohne deshalb ihren Ort, ihre Nachbarschaft, ihre Freunde und ihr vertrautes Lebensumfeld aufgeben zu müssen. Gleichzeitig können dadurch größere Häuser wieder für junge Familien verfügbar werden.

Wir brauchen öffentliche Orte, die wirklich allen offenstehen. Genau dafür steht meine Idee der Weseroase. Ein öffentlicher und barrierefreier Bereich an der Weser mit Grün, Spiel, Sport, Freizeit und Begegnung. Ein Ort, an dem Teilhabe nicht davon abhängt, ob jemand Geld ausgeben kann oder möchte. Für mich gehört all das zusammen: Kinderarmut senken, Bildungschancen verbessern, Familien durch verlässliche Betreuung unterstützen, gutes Wohnen im Alter ermöglichen und öffentliche Räume schaffen, an denen jeder teilhaben kann.

So entsteht eine Stadt, in der Menschen gerne aufwachsen, Familien gründen, arbeiten und älter werden.

9. Innenstadt neu denken

Unsere historische Altstadt ist das Herz Hamelns. Aber wir müssen akzeptieren, dass die Innenstadt der Zukunft nicht mehr ausschließlich Einkaufsort sein wird. Genau darin liegt auch eine Chance. Ich möchte Leerstände aktivieren und neue Nutzungen ermöglichen. Wohnen, Arbeiten, Gastronomie, Einzelhandel, Kultur und Veranstaltungen müssen stärker miteinander verbunden werden. Dazu brauchen wir mehr Aufenthaltsqualität und mehr Grün. Öffentliche Räume müssen so attraktiv sein, dass Menschen nicht nur in die Innenstadt kommen, um etwas zu kaufen, sondern weil sie sich dort gerne aufhalten. Verwaltung muss dabei Partner von Handel, Gastronomie, Immobilieneigentümern und Unternehmen sein und Genehmigungen dort beschleunigen, wo es möglich ist. Genau diese Verbindung aus schnelleren Verfahren, Aufenthaltsqualität, Veranstaltungen und Kultur findet sich auch in unserem Programm. Wir werden den Wandel des Einzelhandels nicht aufhalten. Aber wir können entscheiden, ob wir ihn nur beobachten oder unsere Innenstadt aktiv neu gestalten.

10. Zusammenarbeit statt Einzelinteressen

Große Stadtentwicklungsprojekte gelingen aus meiner Sicht nicht, wenn Politik oder Verwaltung fertige Lösungen präsentieren und anschließend nur noch Zustimmung organisieren wollen. Ich möchte Politik, Verwaltung, Bürgerschaft, Wirtschaft und Fachleute frühzeitig zusammenbringen. Beteiligung bedeutet für mich aber auch nicht, dass am Ende niemand mehr entscheidet. Wir müssen zuhören, unterschiedliche Interessen ernst nehmen und abwägen. Am Ende müssen Politik und Verwaltung aber auch Verantwortung übernehmen und Entscheidungen treffen.

Architektinnen und Architekten, Stadtplanerinnen und Stadtplaner sowie Landschaftsarchitektinnen und Landschaftsarchitekten sollten dabei eine wichtige Rolle spielen. Sie können Alternativen entwickeln, Zielkonflikte sichtbar machen und dazu beitragen, dass wir nicht nur kurzfristig denken. Denn Stadtentwicklung ist immer auch eine Entscheidung darüber, wie Hameln in 20, 30 oder 50 Jahren aussehen soll.

Über allen zehn Antworten steht für mich deshalb ein Grundsatz unseres Wahlprogramms: Wir dürfen ökologische, soziale und wirtschaftliche Verantwortung nicht getrennt betrachten. Zukunft gelingt dann, wenn wir diese Bereiche gemeinsam denken und daraus konkrete Entscheidungen und konkretes Handeln ableiten.

Lingen

1. Baukultur als Zukunftsaufgabe: Welche Bedeutung messen Sie qualitätsvoller Architektur, Stadtentwicklung, Freiraumplanung und Baukultur für die weitere Entwicklung Lingens bei? 

Baukultur ist für mich mehr als die Gestaltung einzelner Gebäude. Sie prägt, wie wir unsere Stadt erleben, welche Identität sie hat und wie attraktiv sie für Menschen und Unternehmen ist. Gute Architektur, qualitätsvolle Freiräume und eine vorausschauende Stadtentwicklung sind für mich deshalb Standortfaktoren. Ich möchte Qualität, Machbarkeit, Tragfähigkeit und Funktion zusammenbringen: Lingen soll sich weiterentwickeln, ohne sein Gesicht zu verlieren. 

2. Lingen 2035: Wie soll Lingen im Jahr 2035 aussehen? Welche drei Ziele möchten Sie bis dahin unbedingt erreicht haben? 

Lingen soll 2035 eine wachsende, wirtschaftlich starke und zugleich lebenswerte Stadt sein. Drei Ziele sind für mich besonders wichtig:

Erstens: Wir sichern und entwickeln unseren Energie- und Wirtschaftsstandort weiter – mit Energie, Wasserstoff, Innovation und zukunftsorientierten Unternehmen.

Zweitens: Wir schaffen mehr Wohnraum für unterschiedliche Lebenssituationen – bezahlbar, qualitätsvoll und möglichst durch Innenentwicklung.

Drittens: Wir entwickeln eine klimafeste und lebenswerte Stadt mit starken Stadtteilen, einer attraktiven Innenstadt und hochwertigen öffentlichen Räumen.

Für mich gehören diese drei Dinge zusammen: wirtschaftliche Stärke, gutes Wohnen und hohe Lebensqualität. 

3. Wohnen und Flächenentwicklung: Lingen wächst und benötigt Wohnraum. Wie möchten Sie diesen Bedarf decken und zugleich Innenentwicklung, sparsamen Flächenverbrauch und hohe städtebauliche Qualität sicherstellen? 

Lingen wächst – und das ist eine gute Nachricht. Dieses Wachstum müssen wir aber qualitätsvoll und verantwortungsvoll gestalten.

Für mich hat die Innenentwicklung Vorrang: Baulücken schließen, Nachverdichtung ermöglichen, vorhandene Grundstücke und Gebäude besser nutzen und geeignete Entwicklungsflächen aktivieren. Gleichzeitig werden wir dort neue Wohnbauflächen brauchen, wo der Bedarf anders nicht gedeckt werden kann.

Ein besonderer Schwerpunkt ist für mich mehr bezahlbarer und öffentlich geförderter Mietwohnraum. Dafür brauchen wir einen verbindlichen Handlungsrahmen, der soziale Wohnraumversorgung und städtebauliche Qualität zusammenbringt. 

4. Bauen im Bestand: Welche Bedeutung messen Sie der Sanierung, Umnutzung und Weiterentwicklung bestehender Gebäude und Quartiere gegenüber dem Neubau auf bislang unbebauten Flächen bei? 

Der Bestand bietet große Chancen. Sanierung, Umnutzung und Weiterentwicklung bestehender Gebäude und Quartiere können zusätzlichen Wohnraum schaffen, Ressourcen schonen und gewachsene Strukturen erhalten.

Deshalb möchte ich die Möglichkeiten der Bestandsentwicklung stärker nutzen und Hemmnisse abbauen.

Dabei gilt für mich nicht „Bestand um jeden Preis“, sondern: Erhalten, wenn es sinnvoll ist – weiterentwickeln oder neu bauen, wenn dadurch die bessere städtebauliche Lösung entsteht. 

5. Klimaanpassung und Mobilität: Welche Prioritäten möchten Sie bei Klimaanpassung, Stadtgrün, nachhaltiger Mobilität und einer resilienten Infrastruktur setzen?

Klimaanpassung wird für Lingen eine immer wichtigere Aufgabe. Mehr Stadtgrün, Schatten, entsiegelte Flächen, ein guter Umgang mit Regenwasser und eine robuste Infrastruktur gehören für mich deshalb zu einer zukunftsfähigen Stadtentwicklung.

Bei der Mobilität möchte ich Sicherheit und Erreichbarkeit zusammendenken – für Fußgänger, Radfahrer, den ÖPNV und den Autoverkehr. Besonders wichtig sind mir sichere Alltagswege zu Schulen, Arbeitsplätzen und in die Innenstadt.

Klimaschutz und wirtschaftliche Entwicklung sind für mich kein Gegensatz. Lingen hat mit seiner Energie- und Wasserstoffkompetenz die Chance, beides miteinander zu verbinden. 

6. Zusammenarbeit mit der Architektenkammer Niedersachsen: Wie kann die Architektenkammer Niedersachsen Sie dabei unterstützen, Baukultur und qualitätsvolles Planen und Bauen in Lingen weiter zu stärken? 

Ich wünsche mir einen frühen und kontinuierlichen Austausch mit der Architektenkammer – nicht erst, wenn ein konkretes Bauvorhaben auf dem Tisch liegt.

Ihre fachliche Kompetenz kann dazu beitragen, Wettbewerbe, Planungsverfahren und städtebauliche Prozesse weiterzuentwickeln. Gerade bei wichtigen Entwicklungsflächen sollten wir unterschiedliche Perspektiven frühzeitig zusammenbringen.

Gute Planung braucht Dialog – und am Ende klare Entscheidungen. 

7. Wechsel an der Stadtspitze: Nach vielen Jahren unter demselben Oberbürgermeister treten Sie mit dem Anspruch an, neue Impulse zu setzen. Was würden Sie in der Stadtentwicklung anders machen – und welches konkrete Thema würden Sie in den ersten beiden Jahren Ihrer Amtszeit prioritär angehen? 

Ich möchte nicht alles anders machen. Lingen ist eine starke Stadt. Aber eine starke Stadt sollte sich auch nicht auf dem Erreichten ausruhen.

Ich möchte Wirtschaftsentwicklung, Stadtentwicklung, Wohnungsbau und Digitalisierung stärker zusammendenken. Dafür bringe ich langjährige Führungs- und Verwaltungserfahrung aus anderen Städten mit.

In den ersten beiden Jahren würde ich einen Schwerpunkt auf Wohnraum und Flächenentwicklung legen: Wo können wir schneller und qualitätsvoll Wohnraum schaffen? Welche Flächen können wir besser nutzen? Und wie bekommen wir mehr bezahlbaren Wohnraum in die Stadt?

Mein Anspruch wäre, aus guten Konzepten schneller sichtbare Umsetzung zu machen. 

8. Wachstum ohne Flächenfraß: Lingen ist ein attraktiver Wohn- und Wirtschaftsstandort. Wachstum erzeugt jedoch zusätzlichen Flächenbedarf. Wie möchten Sie Innenentwicklung, Nachverdichtung und die Aktivierung vorhandener Gebäude und Grundstücke stärken, bevor weitere Flächen am Stadtrand in Anspruch genommen werden? 

Neue Flächen dürfen nicht die erste, sondern müssen die gut begründete Option sein.

Bevor wir am Stadtrand neue Flächen entwickeln, sollten wir systematisch prüfen, was innerhalb der bestehenden Stadt möglich ist: Baulücken, Nachverdichtung, ungenutzte Grundstücke, Umnutzung von Gebäuden und bereits erschlossene Entwicklungsflächen.

Aber Innenentwicklung darf nicht bedeuten, jeden freien Quadratmeter zu bebauen. Wir brauchen eine gute Balance aus Wohnen, Arbeiten, Grün, Freiräumen und Aufenthaltsqualität. 

9. Wirtschaftsstandort braucht Stadtqualität: Unternehmen konkurrieren um Fachkräfte – und damit gewinnen Wohnqualität, attraktive öffentliche Räume, Mobilität und kulturelle Angebote an Bedeutung. Welche Rolle spielt für Sie Baukultur als Standortfaktor, und wie möchten Sie wirtschaftliche Entwicklung und qualitätsvolle Stadtentwicklung miteinander verbinden? 

Baukultur ist auch Standortpolitik. Unternehmen konkurrieren um Fachkräfte – und für diese zählt nicht nur der Arbeitsplatz, sondern auch das Umfeld, in dem sie leben.

Deshalb gehören für mich attraktive öffentliche Räume, gute Wohnangebote, Mobilität, Kultur, Freizeit und eine lebendige Innenstadt ebenso zur Standortpolitik wie Gewerbeflächen und Infrastruktur.

Lingen ist wirtschaftlich stark. Die Aufgabe ist deshalb nicht, diese Stärke zu „retten“, sondern die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass sie auch künftig trägt und weiter wachsen kann. 

10. Verwaltung als Möglichmacher: Planende, Bauherrschaften und Unternehmen erwarten transparente, verlässliche und möglichst zügige Verfahren. Wo sehen Sie konkreten Veränderungsbedarf in der Lingener Verwaltung und wie möchten Sie Planungs- und Genehmigungsprozesse beschleunigen, ohne die Qualität der Ergebnisse zu schwächen? 

Eine leistungsfähige Verwaltung ist selbst ein Standortfaktor. Unternehmen, Investoren und Bürger erwarten klare Ansprechpartner, transparente Verfahren und verlässliche Entscheidungen.

Aus meiner heutigen Verantwortung weiß ich, wie wichtig es ist, Verwaltung konsequent aus Sicht derjenigen zu denken, die mit ihr arbeiten: klare Zuständigkeiten, weniger Schnittstellen, digitale und effiziente Prozesse und eine stärkere Serviceorientierung.

Diesen Ansatz haben wir in Wolfsburg unter anderem mit dem10-Punkte-Plan für eine starke Wirtschaft verfolgt. Diese Erfahrung möchte ich für Lingen nutzen.

Eine moderne Verwaltung muss rechtssicher und verlässlich arbeiten – aber sie muss zugleich Möglichmacher sein. Mein Anspruch ist, aus guten Konzepten schneller sichtbare Umsetzung zu machen. 

Last but not least: Wenn wir uns fünf Jahre nach Ihrer Wahl wieder treffen: An welchem konkreten Ort in Lingen sollen die Bürgerinnen und Bürger am deutlichsten erkennen können, dass der Wechsel an der Stadtspitze auch einen neuen Impuls für die Stadtentwicklung gebracht hat – und was soll dort anders sein als heute? 

Ich würde gerne fünf Jahre später gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern durch die Innenstadt und den Bereich Alter Hafen inkl. Mittelinsel gehen.

Dort sollte sichtbar sein, dass wir Stadtentwicklung stärker aus einem Guss gedacht haben: mehr Aufenthaltsqualität, eine gute Mischung aus Wohnen, Arbeiten, Handel und Freizeit, attraktive öffentliche Räume und eine stärkere Verbindung zum Wasser.

Für mich wäre das ein sichtbares Zeichen dafür, dass sich Lingen weiterentwickelt hat, ohne seine Identität zu verlieren. Genau das verstehe ich unter „Gemeinsam Zukunft machen“: nicht nur einzelne Projekte umzusetzen, sondern unsere Stadt Schritt für Schritt nachhaltig weiterzuentwickeln.

Landkreis Goslar

1. Baukultur als Standortfaktor

Gute Architektur ist kein Luxus, den man sich gönnt, wenn das Geld übrig ist. Sie entscheidet mit darüber, ob Menschen an einem Ort bleiben und ob Unternehmen investieren. In Seesen sehe ich das aktuell an zwei Projekten: der Sanierung der Marktstraße und der Planung für den Bahnhofsvorplatz, der noch nicht gebaut ist. Wie groß der Unterschied sein kann, zeigt bereits das Bahnhofsgebäude selbst. Durch die private Sanierung hat sich der Gesamteindruck des Bahnhofs spürbar verbessert. Es geht dabei nicht um reine Verschönerung, sondern darum, ob eine Innenstadt als funktionierende Mitte wahrgenommen wird. Orte, die gestaltet wirken, werden von Bewohnern und Investoren anders behandelt. Für den Landkreis bedeutet das: Mit dem Welterbe, den historischen Ortskernen und der Harzlandschaft verfügen wir über ein bauliches Kapital, das kein anderer Standort einfach kopieren kann. Wer es beschädigt, vernichtet Werte, die nicht wiederherzustellen sind.

2. Landkreis Goslar 2035

Drei Ziele, an denen ich mich messen lassen will:

Erstens: Der Landkreis soll Vorhaben ermöglichen, nicht ausbremsen. Klare Zuständigkeiten, verbindliche Zeitpläne und spürbar kürzere Verfahren dort, wo wir Einfluss haben.

Zweitens: Die ärztliche und pflegerische Versorgung muss auch in den kleineren Orten gesichert sein. Mit rund 13.500 Pflegebedürftigen und einem Anteil von 28,5 Prozent über 65 Jahren ist das eine zentrale Aufgabe. Gleichzeitig bietet sich die Chance, Telemedizin, altersgerechtes Wohnen und ambulante Angebote hier zu entwickeln und zu erproben, statt fertige Modelle später von außen zu übernehmen.

Drittens: Junge Menschen sollen hier Ausbildung und Arbeit finden. Bei 4.207 offenen Stellen und einer Arbeitslosenquote von 6,9 Prozent (Agentur für Arbeit, Juni 2026) gehört es zu den zentralen Aufgaben unserer Bildungs-, Ausbildungs- und Wirtschaftspolitik, Angebot und Nachfrage besser zusammenzubringen.

3. Wohnen und Flächenentwicklung

Ich halte nichts davon, den Widerspruch zwischen bezahlbarem Wohnraum und sparsamem Flächenverbrauch zu verschleiern. Beide Ziele stehen in Spannung zueinander. Wer das leugnet, meint eines von beiden nicht ernst.

Mein Ansatz folgt einer klaren Reihenfolge: zuerst der Bestand, dann die Innenentwicklung, dann neue Flächen. Der Landkreis verliert Einwohner – zuletzt 937 im Jahr 2024. Daraus folgt aber nicht, dass kein zusätzlicher Wohnraum benötigt würde. Es fehlen vor allem kleinere, barrierefreie und bezahlbare Wohnungen, während an anderen Stellen Häuser leer stehen. Wir haben kein reines Mengenproblem, sondern eines der Qualität, der Verteilung und der Modernisierung. Deshalb muss aktives, interkommunales Leerstandsmanagement vor jeder Neuausweisung stehen – nicht sieben getrennte kommunale Ansätze. Neue Baugebiete gehören dorthin, wo die Infrastruktur bereits vorhanden ist, nicht dorthin, wo gerade eine Fläche frei wird.

4. Bauen im Bestand

Der Bestand macht den größeren und schwierigeren Teil der Aufgabe aus. Sanierung verlangt mehr Planung, mehr Fachwissen und mehr Geduld als der Neubau auf der grünen Wiese. Bei den heutigen Baukosten ist sie ohne Förderung häufig nicht darstellbar.

In Seesen haben wir auf serielles Sanieren gesetzt und über Förderprogramme Mittel in die Ortskerne geholt. Dabei ist mir aufgefallen: Es scheitert selten am Willen der Eigentümer, sondern daran, dass der Weg durch Fördertöpfe und Nachweispflichten zu kompliziert ist. Genau hier müssen wir ansetzen – nicht mit einem weiteren Programm, sondern mit Leuten, die Antragsteller durch das Verfahren begleiten.

Ein verfallender historischer Ortskern kostet am Ende mehr als jede rechtzeitige Sanierung. Nur taucht dieser Schaden in keinem Haushalt auf.

5. Klimaanpassung und Infrastruktur

Ich priorisiere nach Wirkung, nicht nach Programmtiteln. Drei Bereiche stehen für mich vorn:

Die kommunale Wärmeplanung, weil sie entscheidet, ob Eigentümer in den kommenden Jahren richtig oder falsch investieren. Zuständig sind die Städte und Gemeinden. Der Landkreis kann jedoch koordinieren, Fachwissen bündeln und kleinere Kommunen unterstützen, damit die Planungen belastbar und rechtzeitig vorliegen.

Die Starkregenvorsorge, weil wir im Harz wissen, was Wasser in kurzer Zeit anrichten kann, und weil Vorsorge ein Vielfaches der späteren Schadensbeseitigung spart.

Die Mobilität, weil sie über vieles andere entscheidet. Straßen, Bus und Radwege sind keine reinen Kostenstellen, sondern Standortfaktoren. Kein Unternehmen investiert dort, wo Mitarbeiter und Waren schlecht hinkommen, und kein Jugendlicher bleibt in einem Ort, aus dem er abends nicht wegkommt. Infrastruktur will ich danach bewerten, was sie wirtschaftlich zurückbringt: Welche Verbindungen sichern Arbeitsplätze, erschließen Gewerbe und ermöglichen Ausbildung?

6. Zusammenarbeit

Offen gesagt: Die Architektenkammer wird im Landkreis Goslar zu selten einbezogen. Das liegt an uns, nicht an Ihnen.

Drei Dinge würde ich ändern. Erstens würde ich bei gewichtigen Vorhaben wieder ernsthaft über Wettbewerbe sprechen. Sie kosten zunächst, vermeiden aber teure Korrekturen später. Zweitens brauchen die kleinen Gemeinden Zugang zu Planungskompetenz, die sie sich allein nicht leisten können. Hier könnte die Kammer vermitteln. Drittens würde ich einen interkommunalen Gestaltungsbeirat zumindest ernsthaft prüfen – nicht als Verhinderungsinstanz, sondern als frühe Beratung, bevor Planungen so weit fortgeschritten sind, dass Kritik nur noch Streit auslöst.

Was ich dafür anbiete, ist Verlässlichkeit: klare Ansprechpartner und Entscheidungen in vertretbarer Zeit.

7. Vom Bürgermeister zum Landrat

Ich weiß, wie es sich anfühlt, auf der anderen Seite zu sitzen. Als Bürgermeister habe ich Vorhaben angemeldet und dann gewartet, ohne zu erfahren, woran es hängt und wie lange es dauert. Diese Erfahrung nehme ich mit.

Drei Dinge würde ich ändern:

Einen festen Verfahrenslotsen je Vorhaben. Er begleitet das Projekt von der ersten Beratung bis zur Entscheidung und koordiniert die beteiligten Stellen. Die gesetzlichen Zuständigkeiten der Fachämter bleiben unberührt, aber der Bauherr hat einen Namen und eine Nummer statt fünf Ämter nacheinander.

Vollständigkeit der Unterlagen vorab klären. Es muss möglich sein, online zu prüfen, ob die Antragsunterlagen komplett sind, bevor Monate vergehen und dann nachgefordert wird.

Und drittens die Haltung: Der Landkreis ist gegenüber den sieben Städten und Gemeinden Koordinator, nicht nur Aufsichtsbehörde. Wir sind gemeinsam für dieselben Menschen zuständig.

8. Gemeinsam den Harz entwickeln

Interkommunale Zusammenarbeit scheitert selten am Willen, sondern daran, dass sie zusätzliche Arbeit macht und der Nutzen erst später sichtbar wird.

Deshalb würde ich dort beginnen, wo der Vorteil sofort spürbar ist, z.B. bei Beschaffung, IT, Energieverträgen und Fördermitteln. Sieben Gemeinden und der Landkreis, die gemeinsam einkaufen und gemeinsam Anträge stellen, sind stärker als acht, die es einzeln versuchen. Fördermittel gehen uns nicht verloren, weil niemand sie will, sondern weil kleine Verwaltungen die Antragslast nicht stemmen.

Beim Tourismus liegt das Konzept bereits vor. Das Touristische Zukunftskonzept Harz 2035, die Fortschreibung von Harz 2025, nennt die Verlängerung der Aufenthaltsdauer ausdrücklich als Ziel. Es liegt als Entwurf vor, der Beschluss ist für November 2026 vorgesehen. Und es beschreibt unser Problem präzise: Die Gäste kommen häufiger – 1,3 Prozent mehr Ankünfte als 2019 –, bleiben aber kürzer, 3,1 statt 3,4 Nächte (Harz Fact Sheet 2025). Uns fehlt nicht das Konzept, sondern die Umsetzung.

9. Welterbe als Zukunftschance

Das UNESCO-Welterbe mit seinen drei Bestandteilen – Bergwerk Rammelsberg, Altstadt Goslar und Oberharzer Wasserwirtschaft – ist ein Alleinstellungsmerkmal, mit dem wir wirtschaftlich noch nicht gut genug umgehen. Aktuell trägt es noch zu wenig zur Entwicklung bei.

Der Schlüssel liegt für mich nicht in mehr Besuchern, sondern in mehr Wertschöpfung je Besucher. Die Harzregion insgesamt, also über die Landesgrenze hinweg, zählt rund acht Millionen Übernachtungen und 2,3 Milliarden Euro Umsatz im Jahr (Harzer Tourismusverband, 2024). Entscheidend ist, wieviel davon in unserer Region bleibt: längere Saison und Aufenthaltsdauer, regionale Lieferketten, lokale Produkte und Dienstleistungen.

Der Schutz des Bestands ist dabei die Voraussetzung, nicht der Gegensatz. Wer das Welterbe für kurzfristige Nutzung beschädigt, verliert genau das Kapital, von dem er leben will. Das lässt sich vereinbaren, wenn früh und qualifiziert geplant wird – und genau deshalb brauchen wir dabei die planenden Berufe.

10. Prioritäten für die nächsten Jahre

Ich beginne bewusst mit den Zahlen, weil alles andere unseriös wäre.

Der Kreishaushalt 2026 umfasst rund 396,5 Millionen Euro Aufwendungen bei einem Fehlbedarf von 15,8 Millionen. Allein 210,5 Millionen sind Transferaufwendungen. Die freiwilligen Leistungen, über die in Haushaltsdebatten am längsten gestritten wird, machen zusammen rund 4,4 Millionen aus – also 1,1 Prozent. Wer dort kürzt, hat noch nichts saniert. Und wir sind kein Einzelfall: Nach Angaben des Niedersächsischen Landkreistages kann für 2026 kein einziger Landkreis und auch nicht die Region Hannover einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen. Das strukturelle Defizit summiert sich landesweit auf rund 1,365 Milliarden Euro.

Meine Kriterien für Investitionen sind deshalb:

Erstens Pflichtaufgaben und Sicherheit – dazu gehören Schulen und Rettungsdienst.

Zweitens alles, was Folgekosten vermeidet. Eine aufgeschobene Sanierung wird nicht billiger, und eine frühe Hilfe ist günstiger als der Heimplatz, den sie verhindert.

Drittens Investitionen, die wirtschaftlich etwas zurückbringen, weil sie Arbeitsplätze halten oder ermöglichen.

Was ich nicht tun werde: bei Schulen und beruflicher Bildung zuerst zu kürzen. Sie sind unsere wichtigste wirtschaftliche Infrastruktur. Wer heute gut ausgebildet wird, ist morgen die Fachkraft, die unsere Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen brauchen.

Landkreis Göttingen

1. Baukultur als Zukunftsaufgabe

Qualitätsvolle Architektur, gute Stadt und Ortsentwicklung sowie eine verantwortungsvolle Freiraumplanung sind für die Zukunft des Landkreises Göttingen sehr wichtig. Baukultur prägt Identität, Orientierung und Lebensqualität. Sie entscheidet mit darüber, ob Orte lebendig bleiben und sich Menschen mit ihrem Wohnumfeld verbunden fühlen.

2. Landkreis Göttingen 2035

Bis 2035 soll der Landkreis Göttingen ein starker, gut erreichbarer und lebenswerter Landkreis sein, in dem Stadt und Land zusammen gedacht werden. Für meine erste Amtszeit sehe ich drei besondere Ziele: mehr bezahlbaren Wohnraum, schnellere und verlässlichere Planungs- und Genehmigungsverfahren sowie eine bessere Verbindung von Mobilität, Klimaanpassung und regionaler Entwicklung.

3. Wohnen und Flächenentwicklung

Der Wohnraumbedarf ist im Landkreis sehr unterschiedlich. Deshalb braucht es passgenaue Antworten vor Ort. Ich setze auf Innenentwicklung, Nachverdichtung, Umnutzung und die Aktivierung von Leerständen. Gleichzeitig muss Flächenverbrauch begrenzt und der Landschaftsschutz beachtet werden. Doch sind Neubaugebiete gerade im Bereich des Mehrparteienwohnungsbaus in Teilen des Landkreises in und um Göttingen unbedingt vonnöten. All das gelingt nur mit sorgfältiger Regionalplanung und in enger Abstimmung mit den Städten und Gemeinden.

4. Bauen im Bestand

Umbau, Nachnutzung und Sanierung werden künftig eine noch größere Rolle spielen. Der Bestand bietet viele Möglichkeiten, die wir stärker nutzen sollten. Wer alte Gebäude erhalten und umnutzen kann, spart Fläche, stärkt Ortskerne und schafft neue Perspektiven für Wohnen, Arbeiten und soziale Infrastruktur. Bei Erweiterungen/Neubauten sollte von den Bestimmungen des Bauturbos Gebrauch gemacht werden. In Bovenden, wo ich insoweit unmittelbar Mitverantwortung als Beigeordneter trage, ist das bereits geübte Praxis. 

5. Klimaanpassung und Infrastruktur

Bei Klimaanpassung, Mobilität, Energieversorgung und resilienter Infrastruktur setze ich auf Prioritäten, die im Alltag der Menschen spürbar sind. Dazu gehören Hochwasserschutz, Schutz vor Starkregen, leistungsfähige Verkehrswege, gute Rad und Fußverbindungen sowie eine verlässliche Wärme und Energieplanung. Klimaanpassung muss in alle größeren Planungen einfließen. Das sind auch Aussagen de im Jahr 2026 vom Kreistag verabschiedeten Klimafolgenanpassungsstrategie.

6. Zusammenarbeit

Die Architektenkammer Niedersachsen kann den Landkreis durch frühzeitigen fachlichen Austausch, durch Hinweise zur Qualität von Planung und Baukultur sowie durch eine konstruktive Begleitung von Projekten stärken. Ein enger Dialog zwischen Verwaltung, Politik, Kammer, Wirtschaft und Wissenschaft ist aus meiner Sicht sehr sinnvoll.

7. Rechtssicherheit und Planung

Als Rechtsanwalt weiß ich, wie wichtig klare Verfahren und verlässliche Rahmenbedingungen sind. Planungs- und Genehmigungsprozesse müssen zügig, transparent und rechtssicher ablaufen. Gleichzeitig braucht es eine frühzeitige und ernst gemeinte Beteiligung der Betroffenen. Beides zusammen schafft Akzeptanz und Vertrauen. Mit der Umstellung auf die Volldigitalisierung in Baugenehmigungsverfahren wird Transparenz nicht nur zu den Architekten, sondern gleichzeitig parallel zu deren Auftraggebern hergestellt.

8. Stadt und Land gemeinsam denken

Der Landkreis Göttingen darf sich nicht auseinanderentwickeln. Das Oberzentrum Göttingen, die Mittelzentren und die ländlichen Räume sind aufeinander angewiesen. Eine abgestimmte Regionalplanung ist deshalb unverzichtbar. Sie hilft, Wohnen, Arbeiten, Versorgung, Mobilität und Freiraumentwicklung sinnvoll miteinander zu verbinden. Durch die Diskussionen zum Teilplan Wind ist sehr viel Zeit für die anderen Themen verloren gegangen. Schon in der bis 2016 laufenden Wahlperiode wollten wir ein Regionales Raumordnungsprogramm aufstellen, das mit Blick auf die Fusion auf den Zeitraum bis 2021 verschoben wurde. Jetzt soll es bis 2031 gelingen.

9. Wissenschaft als Motor regionaler Entwicklung

Mit der Universität Göttingen, der HAWK u.a. sowie den  Forschungseinrichtungen verfügt der Landkreis über ein starkes Potenzial. Dieses Potenzial möchte ich noch besser mit Wirtschaft und Kommunen vernetzen. Davon können nachhaltige Entwicklung, innovative Lösungen und eine hochwertige Baukultur profitieren.

10. Prioritäten setzen

Bei knappen öffentlichen Mitteln müssen Investitionen nach Dringlichkeit, Nutzen und langfristiger Wirkung bewertet werden. Vorrang haben für mich Maßnahmen, die Daseinsvorsorge sichern, viele Menschen erreichen und dauerhaft tragfähig sind. Dazu zählen Bildung, Infrastruktur, Klimaanpassung und eine geordnete Stadt und Gemeindeentwicklung.

1. Baukultur als Zukunftsaufgabe

Welche Bedeutung messen Sie qualitätsvoller Architektur, Stadt- und Ortsentwicklung sowie einer verantwortungsvollen Freiraumplanung für die Zukunft des Landkreises Göttingen bei?

A: Eine sehr große. Mir ist es in der Entwicklung unserer Städte und Orte sehr wichtig, alle Menschen mitzudenken. Beispielsweise junge Menschen haben andere Bedürfnisse als Ältere, gleichzeitig bewegen sich Männer und Frauen unterschiedlich durch öffentliche Räume, aber sie teilen sich alle den gleichen Raum. Ich möchte diese verschiedenen Bedürfnisse mitdenken und Städte und Orte schaffen, in denen sich alle wohlfühlen. Gerade in der Freiraumplanung müssen wir aber nachhaltig vorgehen. Es gilt mehr zu entsiegeln als zu versiegeln, so leisten wir einen wichtigen Teil zum Hitzeschutz und zur Klimaanpassung

2. Landkreis Göttingen 2035

Wie soll sich der Landkreis bis zum Jahr 2035 entwickeln? Welche drei Ziele möchten Sie in einer ersten Amtszeit unbedingt erreichen?

A: Erstens: Wir brauchen eine effektive Klimaanpassung, die auf Hitze und Unwetterereignisse vorbereitet ist. Das schützt Natur und Menschen zugleich und sorgt für lebenswerte Städte und Gemeinden. 

Zweitens: Wir brauchen einen besseren ÖPNV, der Stadt und Land zugänglich macht. Damit verbinden wir Menschen und schaffen ein klimafreundliches Angebot für soziale Teilhabe. 

Drittens: Ich will Begegnungsorte schaffen und erhalten, gerade in der Fläche. Hier kann ein echter Austausch entstehen, wir verbinden Menschen, um Einsamkeit und damit einhergehende Gefahren für unsere Gesellschaft anzugehen. 

3. Wohnen und Flächenentwicklung

Der Wohnraumbedarf unterscheidet sich innerhalb des Landkreises erheblich. Wie möchten Sie bezahlbaren Wohnraum schaffen und zugleich Flächenverbrauch sowie Landschaftsschutz verantwortungsvoll miteinander verbinden?

A: Wir stärken die Kreiswohnbaugesellschaft. Zusammen gilt es gute Konzepte zu entwickeln, die Wohnraum und den Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen besser zu vereinbaren. Hier gilt die Devise: lieber nachverdichten als versiegeln. Und auch gegen Leerstand in den Innenstädten brauchen wir innovative Lösungen, zum Beispiel eine Doppelnutzung von verschiedenen Akteuren, die verschiedene Angebote schaffen und sich Mietkosten teilen oder auch eine Umwidmung von Ladenfläche für andere Nutzungen.

4. Bauen im Bestand

Welche Rolle sollen Umbau, Nachnutzung und Sanierung bestehender Gebäude künftig für die Entwicklung der Städte und Gemeinden im Landkreis spielen?

A: Eine sehr große. Wir brauchen mehr Unterstützung und Beratung für Menschen, die gern in vorhandenen Gebäuden umbauen oder andere Nutzungsformen betreiben wollen. Gerade auch im Fachwerkfünfeck ist Sanierung ein wichtiger Themenbereich. Hier kann auch die lokale Wissenschaft unterstützen - mit der HAWK haben wir hier wichtige Player direkt vor Ort mit Fachwissen zu den Themen Fachwerk, Umbau, Sanierung und Klimaschutz. Die Nutzung von vorhandenen Flächen kann uns vor allem im Wohnraumbedarf helfen. Wenn sinnvoll, sollten sie Neubaugebieten und zusätzlicher Versiegelung vorgezogen werden.

5. Klimaanpassung und Infrastruktur

Welche Prioritäten möchten Sie bei Klimaanpassung, Mobilität, Energieversorgung und einer resilienten Infrastruktur setzen?

A: Klimafolgenanpassung ist eine meiner Prioritäten. Wir müssen Städte und Kommunen so gestalten, dass es Aufenthaltsqualität gibt, dass die Leute gern hinkommen. Gerade in Zeiten enormer Hitzewellen braucht es hier auch bauliche Lösungen: Schattenplätze, Trinkwasserbrunnen, Begrünung. Aber auch gegen Starkregen brauchen wir Lösungen. Hier sollten wir unsere Städte zu Schwammstädten weiter entwickeln.

Auch der Katastrophenschutz und Bevölkerungsschutz ist eine wichtige Aufgabe, die weiter vorangetrieben werden muss.

6. Zusammenarbeit

Wie kann die Architektenkammer Niedersachsen den Landkreis dabei unterstützen, Baukultur, nachhaltige Planung und qualitätsvolles Bauen weiter zu stärken?

A: Hier setze ich auf gemeinsamen Austausch. In der Architektenkammer gibt es großes Fachwissen zu verschiedenen Bereichen - das sollten wir als Politik konstruktiv mit einbinden. Denn nur gemeinsam mit den Expert*innen in den unterschiedlichen Bereichen lassen sich gute Lösungen für unseren Landkreis finden. 

7. Nachhaltigkeit gestalten

Sie beschäftigen sich seit vielen Jahren mit den Themen Mobilität, Klimaschutz und nachhaltige Entwicklung. Wie können diese Ziele aus Ihrer Sicht mit den Anforderungen an bezahlbaren Wohnraum, wirtschaftliche Entwicklung und lebenswerte Städte und Gemeinden in Einklang gebracht werden?

A: Das ist aus meiner Sicht überhaupt kein Widerspruch. Nachhaltige Entwicklung von Städten und Gemeinden schließt die Menschen mit ein - es geht insbesondere auch um soziale Fragen, zum Beispiel um das Themengebiet bezahlbarer Wohnraum.

Gestalten wir unsere Städte und Gemeinden nachhaltig, ist das auch ein großer Pluspunkt für die Lebensqualität vor Ort. Im Sommer kann man sich dann in Innenstädten aufhalten, ohne zu verglühen. Schatteninseln schaffen mehr Aufenthaltsqualität. Auch für die wirtschaftliche Entwicklung müssen wir unsere Innenstädte wieder mehr beleben.

8. Wissenschaft und Innovation

Der Landkreis Göttingen verfügt über herausragende wissenschaftliche Einrichtungen. Welche Chancen sehen Sie darin für nachhaltiges Planen und Bauen sowie für die Entwicklung klimafreundlicher Kommunen?

A: Darin sehe ich immense Chancen. Ich bin in der Grünen Landtagsfraktion wissenschaftspolitische Sprecherin und in der Wissenschaft gut vernetzt. Mit unseren Hochschulen, außeruniversitären Forschungseinrichtungen und Ausgründungen aus den Hochschulen haben wir hier einen großen Standortvorteil und ein immenses Becken an schlauen Köpfen und Ideen. 

Im Bereich nachhaltiges Planen und Bauen möchte ich insbesondere die HAWK nennen, die als starker Partner hier an Projekten mitwirkt. In Duderstadt läuft zum Beispiel gerade eine Forschungsprojekt zu Sanierung im Fachwerk.

9. Mobilität im Flächenland

Gerade im ländlichen Raum entscheidet Mobilität über Teilhabe und Lebensqualität. Wie möchten Sie den öffentlichen Verkehr, Radverkehr und neue Mobilitätsangebote weiterentwickeln, ohne dabei die unterschiedlichen Bedürfnisse der Städte und Gemeinden aus dem Blick zu verlieren?

A: Wir müssen unser Mobilitätskonzept neu aufstellen. Mobilität bedeutet nicht nur von A nach B zu kommen, sondern bedeutet auch soziale Teilhabe. 

Dazu will ich den ÖPNV weiter aufstocken, aber auch auf innovative Lösungen wie on Demand Verkehre setzen. In Nümbrecht in NRW gibt es beispielsweise die Mobilitätsapp Monti. Es gibt über 200 feste Haltepunkte und wenn man beispielsweise zum Arzt in die nächste Stadt will, wählt man dort aus, an welchem Punkt man wann zusteigen möchte und wo man hinwill. Aus all diesen Angaben werden dann Routen berechnet und der Rufbus kommt vorbei und holt Sie ab.

Auch Carsharing Angebote in den Städten gilt es zu unterstützen, wie zum Beispiel in Rosdorf, wo sich kürzlich viele Menschen zusammengetan haben und ein Angebot geschaffen haben. 

Und auch die Mobilitätsvereine im Harz sind ein Baustein eines funktionierenden Mobilitätskonzeptes. Hier kann der Landkreis zum Beispiel unterstützen mit einem gemeinsamen Angebot zur Buchung der Fahrten.

10. Transformation gemeinsam gestalten

Viele Veränderungen – etwa im Bereich Klimaanpassung, Energiewende oder Flächennutzung – stoßen auf unterschiedliche Erwartungen. Wie möchten Sie Bürgerinnen und Bürger, Wirtschaft und Kommunen in diese Transformationsprozesse einbinden, damit tragfähige Lösungen entstehen?

A: Bürgerbeteiligung ist für mich ein wichtiges Anliegen. Ich denke, dass wir selten alleine die besten Lösungen finden, sondern Politik davon lebt im gemeinsamen Austausch zu stehen und zusammen nach den besten Lösungen zu suchen. Das lebe ich auch in meinem Mandat als niedersächsische Landtagsabgeordnete - auch hier muss man gute Kompromisse finden und verschiedene Interessen und Perspektiven in Einklang bringen. 

Für mich ist es besonders wichtig Politik nicht über die Köpfe von Menschen zu machen, sondern mit ihnen: Austauschformate zu organisieren, mehr Begegnungsorte zu schaffen, aber eben auch institutionalisierte Beteiligung zu schaffen. Zum Beispiel auch Beteiligungsformate für junge Menschen, die mir immer wieder berichten, dass sie sich zu häufig abgehängt fühlen.

Landkreis Nienburg

1. Baukultur als Zukunftsaufgabe

Baukultur entscheidet mit darüber, ob sich Menschen mit ihrem Ort identifizieren und ob Investitionen langfristig Bestand haben. Welchen Stellenwert soll die Qualität von Architektur, Landschaftsarchitektur und Städtebau in Ihrer Politik als Landrätin haben?

Baukultur, Architektur und Stadtentwicklung haben fast in meiner ganzen Laufbahn eine große Rolle gespielt, während meiner Zeit in der Bauverwaltung der Stadt und selbstverständlich auch in meiner Amtszeit als Bürgermeister. Die erfolgreichen Stadtsanierungsverfahren in Bad Rehburg und Rehburg mögen dies belegen. Auch im Amt des Landrates wäre das so, auch wenn unmittelbare Stadtentwicklungsprozesse naturgemäß nicht zum Aufgabenportfolio eines Landrates gehören. Grundsätzlich messe ich demzufolge diesen Belangen einen hohen Stellenwert bei, sage aber auch klar und deutlich, dass sie einem Abwägungsprozess zugänglich sein müssen und nicht mit unüberwindbarem Rang in diese einfließen dürfen. 

2. Landkreis Nienburg/Weser 2035

Wie soll sich der Landkreis räumlich in den kommenden zehn Jahren entwickeln? Wo sehen Sie die wichtigsten Schwerpunkte für Städte, Gemeinden und ländliche Räume?

Es wird unvermeidlich sein, Konzentrationsprozesse zu managen ohne abgehängte Dörfer zurückzulassen. Eine kontinuierliche Stärkung der Grundzentren dient auch der Versorgung der dispersen Siedlungsstrukturen. Diesen dann eigene Entwicklungsperspektiven zu geben wird eine Aufgabe sein, eine andere, ihnen annehmbare Zugangsmöglichkeiten zu in den zentralen Orten verfügbaren Angeboten zu ermöglichen. Eine bessere ÖPNV-Versorgung ist hier ein Schlüssel. 

3. Wohnen und Fläche

Auch im ländlichen Raum besteht Bedarf an unterschiedlichen und bezahlbaren Wohnformen. Zugleich soll der Flächenverbrauch begrenzt werden. Wie wollen Sie Wohnraumentwicklung, Innenentwicklung und Flächensparen miteinander verbinden?

So, wie wir es aktuell in Rehburg-Loccum schon machen. Innerörtliche Flächenpotentiale erschließen, auch wenn es aufwendiger ist. Weg von Baugebieten, die nach Ihren Festsetzungen zu Art und Maß der baulichen Nutzung das Einfamilienhaus begünstigen und verdichtetere Bauformen behindern. Und eine große Aufgabe wird darin bestehen, die Bausubstanz der 1950er bis 1980er Jahre nachhaltig nutzbar zu machen. Die sind in aller Regel unattraktiv geschnitten, energetisch eine Katastrophe und häufig mit schadstoffbelasteten Baustoffen errichtet - bieten aber ein erhebliches Potential für bezahlbaren Wohnraum. Serielles Sanieren könnte ein Weg sein. Am Anfang steht jedoch eine Sensibilisierung der Betroffenen für das Thema, denn deren Devise ist häufig: "Für uns reicht es noch ..."

Der Landkreis kann hier nur gemeinsam mit den Trägern der Planungshoheit, den Gemeinden agieren, kann aber wichtige Koordinierungsfunktionen übernehmen. 

4. Bauen im Bestand

Der Gebäudebestand ist eine zentrale Ressource für Klimaschutz und Ortsentwicklung. Wie können Umbau, Umnutzung und Weiterbauen im Bestand gegenüber Abriss und Neubau gestärkt werden?

Ich verweise hierzu auf meine Antwort zu der vorherigen Frage. 

5. Klimaanpassung und Mobilität

Hitze, Starkregen und Hochwasser verändern die Anforderungen an Siedlungen und Landschaften. Gleichzeitig braucht ein ländlicher Landkreis verlässliche Mobilitätsangebote. Welche konkreten Prioritäten setzen Sie bei Klimaanpassung, Freiraumentwicklung und Mobilität?

Das ist eine maximal komplexe Frage, die nicht kurz beantwortet werden kann. Ich versuche es schlagwortartig:

Klimafolgenanpassung durch lokale Projekte und Maßnahmen, die kleinräumig helfen anstatt solche, die sich durch globale Klimabezüge "verheben". Heißt: ein kleiner realisierter Erfolg ist besser, als ein großes angestrebtes, aber unrealistisches Ziel. Oder noch einfacher: Wasserspender und Verschattung, statt SDG-konformes Konzept!

Freiraumentwicklung ist im ländlichen Raum eher nicht ein vordringliches Ziel. Da sollten die vorgenannten Maßnahmen zur Klimafolgenanpassung aber unbedingt ihren Platz finden.

Mobilität - heißt hier öffentliche Mobilität - soll durch einen verdichteten Takt und attraktive Umlaufzeiten auf starken Verkehrsadern ("Backbone-Linien") in Kombination mit On-Demand-Diensten in der Fläche verbessert werden. Ich sehe hier in nicht allzu ferner Zukunft auch autonome Fahrsysteme im Einsatz. 

6. Zusammenarbeit mit den Planungsberufen

Architektinnen und Architekten, Landschaftsarchitektinnen und Landschaftsarchitekten sowie Stadtplanerinnen und Stadtplaner verfügen über erhebliches Know-how für die Entwicklung der Kommunen. Wie stellen Sie sich eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Landkreis, Kommunen und Planungsberufen vor?

Nach meiner Wahrnehmung ist es gar nicht notwendig, die Zusammenarbeit zwischen Kommunen und Planungsberufen strukturell zu stärken. Sie findet kontinuierlich statt und ist absolut gängige und erfolgreiche Praxis. Naturgemäß gibt es hier und da in einzelnen Fällen mal Probleme, im Großen und Ganzen ist die Kooperation aber sehr gut. 

7. Vom Rathaus ins Kreishaus

Sie kennen die kommunale Praxis aus jahrzehntelanger Verwaltungstätigkeit und 15 Jahren als Bürgermeister. Was müsste der Landkreis aus Ihrer Erfahrung verändern, damit Städte und Gemeinden bei Planung, Bauen und Infrastruktur künftig besser unterstützt werden?

Schlanke, effiziente und lösungsorientierte Genehmigungsverfahren sind der wesentliche Beitrag, den eine Landkreisverwaltung für gemeindliche Bauvorhaben leisten kann. Da gilt im Übrigen nichts anderes als für private oder gewerbliche Vorhaben. Das gelingt auch heute unter bestimmten Rahmenbedingungen schon - es systematisch in Genehmigungsprozesse zu implementieren ist mein Ziel. 

8. Innenentwicklung aus praktischer Erfahrung

Rehburg-Loccum hat sich unter Ihrer Verantwortung auch mit der Entwicklung innerörtlicher Flächen beschäftigt. Wie kann der Landkreis die Kommunen dabei unterstützen, Baulücken, Brachen und leerstehende Gebäude stärker zu aktivieren, bevor neue Flächen am Ortsrand in Anspruch genommen werden?

Zum einen gilt das unter der vorherigen Frage Gesagte. Zum anderen hat sich der als gemeinsames Projekt von Landkreis und kreisangehörigen Kommunen entwickelte Kommunale Innenentwicklungsfonds sehr positiv entwickelt und geht zum Jahreswechsel in die zweite Umsetzungsphase. Diesen weiterzuentwickeln und konsequent einzusetzen ist ein Ziel. Der Landkreis übernimmt dabei einerseits die administrative Führung und leistet andererseits einen erhebliche Finanzierungsbeitrag. 

9. Zusammenarbeit statt Kirchturmdenken

Sie haben in Ihrer bisherigen Arbeit immer wieder für Zusammenarbeit über Ortsteilgrenzen hinweg geworben. Auf Kreisebene wird diese Aufgabe noch größer. Bei welchen Themen brauchen die Kommunen aus Ihrer Sicht künftig deutlich mehr interkommunale Zusammenarbeit – etwa bei Wohnen, Gewerbeflächen, Energie, Mobilität oder Daseinsvorsorge?

Ganz klar: Bei allen Themen! Wir sollten einen Automatismus entwickeln, der die Zusammenarbeit zur Grundannahme macht und die "Einzelbearbeitung" nur bei erwiesenen Vorteilen vorsieht. Zu einem solchen Vorgehen zwingt uns nicht nur die miserable Finanzsituation ohne Licht am Ende des Tunnels, sondern insbesondere auch die absehbare demografische Entwicklung und der damit einhergehende Verlust von Fachkräften in den nächsten Jahren. 

10. Vom Pilotprojekt zum regionalen Modell

In Rehburg-Loccum werden unter anderem neue Ansätze zur gemeinschaftlichen Wärmeversorgung erprobt. Welche Rolle sollte der Landkreis übernehmen, um erfolgreiche lokale Projekte beim Klimaschutz, bei der Energieversorgung oder bei neuen Wohnformen schneller auf andere Kommunen zu übertragen?

Er kann als Koordinierungsstelle fungieren, die die gemeindlichen Aktivitäten bündelt. Und er kann mit seiner grundsätzlich größeren Verwaltungskraft bestimmte Querschnittsaufgaben übernehmen. Schließlich kann er wo nötig effiziente Genehmigungsverfahren anbieten und dabei unterstützen, wenn im Rahmen von Experimentierklauseln Neues ausprobiert werden soll.

Landkreis Northeim

1. Baukultur als Zukunftsaufgabe

Welche Bedeutung messen Sie qualitätsvoller Architektur, Stadt- und Ortsentwicklung sowie Freiraumplanung für die Zukunft des Landkreises Northeim bei?

Gute Architektur, sorgfältige Ortsentwicklung und hochwertige Freiraumplanung entscheiden mit darüber, ob Menschen sich wohlfühlen, ob Orte lebendig bleiben und ob wir nachhaltig wirtschaften. Für den Landkreis Northeim bedeutet das: Wir müssen unsere Dörfer und Städte so weiterentwickeln, dass der Alltag der Menschen funktioniert, dass wir klimaresilient werden und zugleich unsere Werte und Traditionen erhalten bleiben. Dabei spielt Baukultur für mich eine wichtige Rolle.

2. Landkreis Northeim 2035

Wie soll sich der Landkreis bis zum Jahr 2035 entwickeln? Welche drei Ziele möchten Sie bis dahin unbedingt erreichen?

Mein Ziel ist es, den Landkreis Northeim gemeinsam mit vielen Engagierten im Kreistag, der Kreisverwaltung, der Wirtschaft und den Vereinen zu einem der familienfreundlichsten Landkreise weit und breit zu entwickeln.

  • Ich stehe für einen wirtschaftlich starken Landkreis Northeim, unsere zukunftsfeste Wirtschaft wird getragen von einem vielfältigen Branchenmix. Wir setzen auf eine Standortpolitik, die Innovationen fördert, Arbeitsplätze sichert und die herausragenden Chancen unserer Heimat stärkt.
  • Die Familien finden hier optimale Bedingungen: Mit besten Bildungseinrichtungen, bezahlbarem Wohnraum in allen Bereichen, Öffis die fahren, einer öffentlichen Ladesäule in jeder Ortschaft und einer ärztlichen Versorgung, die niemanden zurücklässt.
  • Mit mir als Landrat schaffen wir eine Kulturdachmarke für den Landkreis Northeim, die alle kulturellen Angebote unter einer gemeinsamen Identität bündelt und professionell vermarktet. Dabei sollen nicht einzelne Einrichtungen im Mittelpunkt stehen, sondern die gesamte Kulturlandschaft des Landkreises. So wie die Reaktivierung der Waldbühne Northeim gezeigt hat, welches Potenzial Kultur entfalten kann, will ich dieses Potenzial auf den gesamten Landkreis übertragen.

3. Wohnen und Flächenentwicklung

4. Bauen im Bestand

Wie möchten Sie bezahlbaren Wohnraum schaffen und zugleich Flächen sparen sowie die Kulturlandschaft erhalten?

Welche Bedeutung messen Sie der Sanierung und Umnutzung bestehender Gebäude sowie der Revitalisierung historischer Ortskerne bei?

Ich möchte dafür sorgen, dass Wohnen im Landkreis Northeim auch in Zukunft für Menschen jeden Alters bezahlbar bleibt. Dafür möchte ich gemeinsam mit der SPD im Landkreis Northeim den sozialen und kommunalen Wohnungsbau stärken und die Zusammenarbeit zwischen Landkreis, Städten und Gemeinden in diesem Bereich deutlich ausbauen. Zudem setze ich mich dafür ein, ein Wohnheim für Auszubildende und junge Beschäftigte im Landkreis Northeim zu schaffen. Damit sollen junge Leute im Landkreis gehalten werden.

Die bereits gut funktionierenden kommunalen Wohnungsbaugesellschaften sollen dafür gestärkt werden. „Wir wissen aber auch, dass die vorhandenen Strukturen derzeit nicht in jeder Stadt oder Gemeinde Wohnungsangebote machen.

Für mich bedeutet eine aktive kommunale Wohnungspolitik zudem deutlich mehr als die Ausweisung neuer Baugebiete auf der „grünen Wiese“. Ein besonderer Schwerpunkt soll auf bestehenden Gebäuden, Leerständen und der Entwicklung der Ortskerne liegen. Nicht mehr genutzte Immobilien sollen angekauft, saniert und zu
modernem Wohnraum weiterentwickelt werden können. So kann zusätzlicher Wohnraum entstehen, ohne weitere Flächen zu versiegeln. Der sog. Donut-Effekt soll so eingedämmt werden. Gleichzeitig werden gewachsene Ortsstrukturen erhalten und die Zentren der Städte und Ortschaften gestärkt.

Gerade in den kleineren Städten und Ortschaften des Landkreises gibt es ehemalige landwirtschaftliche Gebäude, Hofstellen oder Scheunen, die heute nicht mehr genutzt werden. Eine Stärkung der vorhandenen kommunalen Strukturen könnte solche Immobilien erwerben und gemeinsam mit den jeweiligen Kommunen Konzepte entwickeln, um daraus modernen, barrierefreien und bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.

5. Klimaanpassung und Infrastruktur

Welche Prioritäten möchten Sie bei Mobilität, Energieversorgung, Klimaanpassung und einer resilienten Infrastruktur setzen?

Klimaschutz ist eine globale Aufgabe, die wir lokal lösen müssen. Die SPD im Landkreis Northeim setzt auf eine Energiewende mit Augenmaß, bei der die Bürgerinnen und Bürger nicht nur die Anlagen sehen, sondern auch von den Erträgen profitieren.

  • Wertschöpfung vor Ort: Wir fördern Bürgerenergieparks und die Beteiligung der Kommunen an Wind- und Solarparks. Die Erträge aus erneuerbaren Energien müssen z. B. in unsere Kindergärten, Schulen und Feuerwehren fließen.
  • Mobilmix: Wir brauchen den Mobilmix gerade im ländlichen Bereich, weil das Auto in vielen Bereichen eine Notwendigkeit für die Erreichung des Arbeitsplatzes oder von Grundbedürfnissen darstellt. Wir müssen deshalb die Elektromobilität zielgenau fördern. Das gilt sowohl für die Nutzung regenerative Energien als auch für den dringend notwendigen Ausbau der Ladeinfrastruktur.
  • Energiemix: Wir steuern den Ausbau regenerativer Energien mit Augenmaß über das Regionale Raumordnungsprogramm (RROP). Unser Ziel ist ein Energiemix, der die Akzeptanz der Bürgerinnen und Bürger vor Ort findet und unsere heimische Natur bewahrt, statt eine ungeordnete Verspargelung der Landschaft zuzulassen.
  • Energieautarker Landkreis: Wir unterstützen den Ausbau von Photovoltaik auf öffentlichen Dächern und die Entwicklung regionaler Wärmekonzepte (z. B. Nahwärmenetze in Dörfern).
  • Naturraum schützen: Unser Solling und die Harzausläufer sind wertvolle CO2-Speicher. Wir unterstützen eine klimaresiliente Aufforstung und den Erhalt der biologischen Vielfalt durch die Förderung regionaler Biotopvernetzungen.

7. Neue Impulse für den Landkreis

Sie treten mit dem Anspruch an, den Landkreis strategisch weiterzuentwickeln. Welche Veränderungen möchten Sie in einer ersten Amtszeit anstoßen, die den Landkreis Northeim langfristig stärken?

Siehe Frage 2

8. Zukunft der Innenstädte

Der Landkreis verfügt über zahlreiche historische Stadtkerne und Ortszentren. Welche Strategien halten Sie für notwendig, damit diese auch künftig attraktive Orte zum Wohnen, Arbeiten und Leben bleiben?

Viele unserer Städte und Gemeinden sind Teil der Städtebauförderprogramme, bspw. „Lebendige Zentren“. Ziele der wichtigen Förderung sind die Stärkung des innerörtlichen Wohnens sowie die Verbesserung der Bedingungen für Handel, Gewerbe und Gastronomie. Die Entwicklung einer neuen Aufenthaltsqualität auf
öffentlichen Straßen und Plätzen soll die Attraktivität der Innenstadt für alle Generationen stärken. Zudem sollen die Grundlagen für eine stadtverträgliche Mobilität und ein positives Stadtklima gelegt werden. Ich setze mich für bauliche Maßnahmen zum Erhalt des baukulturellen Erbes, für die Sanierung erhaltenswerter Gebäude und die Modernisierung historischer Ensembles ein.

6. und 9. Zusammenarbeit und Zusammenarbeit als Erfolgsfaktor

Wie kann die Architektenkammer Niedersachsen Sie dabei unterstützen, Baukultur und qualitätsvolles Planen und Bauen im Landkreis Northeim weiter zu stärken?

Die Entwicklung eines Flächenlandkreises gelingt nur im Zusammenspiel von Kreisverwaltung, Städten, Gemeinden, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Wie möchten Sie diese Zusammenarbeit stärken und gemeinsame Entwicklungsziele fördern?

Ich möchte die Zusammenarbeit stärken, indem wir gemeinsame Entwicklungsziele definieren, regionale Netzwerke ausbauen und regelmäßige Dialogformate etablieren. Kreisverwaltung, Städte und Gemeinden, Wirtschaft und Zivilgesellschaft müssen an einem Tisch sitzen. Nur so gelingen eine abgestimmte Flächenentwicklung und eine starke regionale Identität.

10. Prioritäten in schwierigen Zeiten

Die finanziellen Spielräume der öffentlichen Hand bleiben begrenzt. Nach welchen Kriterien würden Sie entscheiden, welche Investitionen in Schulen, Infrastruktur, Klimaanpassung oder Stadt- und Dorfentwicklung Vorrang erhalten?

Solide Finanzen sind kein Selbstzweck. Sie sind die notwendige Voraussetzung dafür, dass unser Landkreis handlungsfähig bleibt und wir kraftvoll in Bildung, Mobilität und soziale Sicherheit investieren können. Mit der SPD stehe ich für eine Haushaltspolitik mit Augenmaß und Weitblick. Und ich weiß, dass starke Städte und Gemeinden eine wichtige Bedingung dafür sind, dass es auch dem Kreishaushalt gut geht.

Investitionen in die Zukunft

  • Wir begreifen den Haushalt als politisches Gestaltungsinstrument. Sparen um jeden Preis führt zu einem Sanierungsstau, dessen Folgen wir bereits heute an vielen Stellen in unserer Infrastruktur spüren. Ein Aufschieben notwendiger Maßnahmen macht die Sanierung in der Zukunft nur noch teurer und bürdet den nächsten Generationen eine unbezahlbare Last auf.
  • Handeln statt Aufschieben: Wir stehen für eine ehrliche Haushaltspolitik. Wir investieren gezielt dort, wo es die Lebensqualität nachhaltig verbessert und den weiteren Verfall verhindert: in die Sanierung unserer Schulen, in moderne Kreisstraßen und in die digitale Infrastruktur.
  • Prioritäten setzen: Wir konzentrieren unsere Mittel auf Projekte mit höchstem Nutzen für die Gemeinschaft. Diese Investitionen sind kein Luxus, sondern Werterhalt für unseren Landkreis als Wohn- und Wirtschaftsstandort.
  • Fördergelder optimal nutzen: Um unsere Eigenmittel zu reduzieren, stärken wir die Kompetenz der Verwaltung, Fördermittel von Bund, Land und EU konsequent abzurufen. Jeder Euro an Fördermitteln entlastet unseren eigenen Haushalt und ermöglicht es uns, den Sanierungsstau aktiv abzubauen.

1. Baukultur als Zukunftsaufgabe

Baukultur ist für mich kein Luxus, sondern ein wesentlicher Bestandteil der Lebensqualität und Zukunftsfähigkeit unseres Landkreises. Die Gestaltung unserer Städte, Dörfer und öffentlichen Räume beeinflusst täglich, wie Menschen leben, arbeiten und sich begegnen. Gute Architektur schafft Identität, stärkt den gesellschaftlichen Zusammenhalt und erhöht die Attraktivität eines Standortes für Familien, Fachkräfte und Unternehmen. Sie ist damit nicht nur eine gestalterische, sondern auch eine wirtschaftliche und soziale Investition.

Gerade im Landkreis Northeim verfügen wir über eine große Vielfalt an historischen Ortskernen, gewachsenen Dorfstrukturen und wertvollen Kulturlandschaften. Diese Qualitäten müssen wir bewahren und gleichzeitig behutsam weiterentwickeln. Mein Ziel ist eine Entwicklung, die Tradition und Moderne miteinander verbindet und den Menschen in den Mittelpunkt stellt.

2. Landkreis Northeim 2035

Mein Ziel ist ein moderner, wirtschaftlich starker und lebenswerter Landkreis.

Bis 2035 möchte ich insbesondere drei Ziele erreichen:

  1. Eine leistungsfähige, digitale und bürgernahe Verwaltung, die Dienstleistungen schneller und einfacher macht.
  2. Zukunftsfähige Infrastruktur mit modernen Schulen, guter medizinischer Versorgung, leistungsfähigen Verkehrsverbindungen und flächendeckendem Breitband.
  3. Einen wirtschaftlich starken Landkreis, der Arbeitsplätze sichert, Innovationen fördert und jungen Menschen Perspektiven vor Ort bietet.

Der Landkreis Northeim soll eine Region sein, in der Menschen gerne leben, arbeiten und ihre Zukunft gestalten.

3. Wohnen und Flächenentwicklung

Die größte Chance liegt in der Nutzung vorhandener Potenziale. Bevor neue Flächen ausgewiesen werden, sollten Baulücken geschlossen, Leerstände aktiviert und innerörtliche Entwicklungsflächen genutzt werden.

Bezahlbarer Wohnraum entsteht nicht nur durch Neubaugebiete. Auch die Umnutzung bestehender Gebäude, die Aktivierung leerstehender Immobilien und generationengerechte Wohnkonzepte können einen wichtigen Beitrag leisten.

Unser Ziel muss sein, Wohnraum zu schaffen und gleichzeitig unsere wertvollen Natur-, Kultur- und Landwirtschaftsflächen zu erhalten.

4. Bauen im Bestand

Der Gebäudebestand ist einer unserer größten Schätze. Jede gelungene Sanierung bewahrt nicht nur ein Stück Geschichte, sondern stärkt auch die Identität einer Gemeinde.

Für mich gilt der Grundsatz: Erhalten, erneuern und weiterentwickeln, bevor neu gebaut wird. Die Umnutzung bestehender Gebäude spart Flächen, vermeidet zusätzlichen Ressourcenverbrauch und kann auch wirtschaftlicher sein als ein kompletter Neubau.

Besonders unsere historischen Ortskerne prägen das Gesicht des Landkreises Northeim. Sie sind Orte der Begegnung, der Kultur und des gesellschaftlichen Lebens. Wenn wir Leerstände aktivieren, Gebäude modernisieren und neue Nutzungen ermöglichen, stärken wir gleichzeitig die Attraktivität unserer Städte und Dörfer.

Gute Bestandssanierung verbindet Nachhaltigkeit, Wirtschaftlichkeit und Heimatverbundenheit. Darin sehe ich eine der zentralen Zukunftsaufgaben für unseren Landkreis.

5. Klimaanpassung und Infrastruktur

Klimaanpassung und Versorgungssicherheit gehören für mich zu den wichtigsten Zukunftsaufgaben.

Priorität haben:

  • eine verlässliche Mobilität im gesamten Landkreis,
  • der Ausbau erneuerbarer Energien,
  • die Nutzung regionaler Potenziale bei Wind- und Solarenergie,
  • die Stärkung der regionalen Energieunabhängigkeit,
  • ein wirksamer Schutz vor den Folgen von Starkregen und Hitze,
  • sowie eine leistungsfähige digitale Infrastruktur.

Dabei müssen ökologische, wirtschaftliche und soziale Aspekte gleichermaßen berücksichtigt werden.

6. Zusammenarbeit

Ich sehe die Architektenkammer Niedersachsen als wichtigen fachlichen Partner.

Sie kann insbesondere dabei unterstützen,

  • Qualitätsstandards sichtbar zu machen,
  • gute Beispiele aus anderen Regionen zu vermitteln,
  • Kommunen fachlich zu beraten,
  • innovative und nachhaltige Planungsansätze aufzuzeigen und
  • den Dialog zwischen Politik, Verwaltung, Planern und Bürgerinnen und Bürgern zu fördern.

Gerade bei komplexen Zukunftsfragen profitieren Politik und Verwaltung von einem frühzeitigen fachlichen Austausch.

7. Schulen schneller sanieren – aber wie?

Moderne Schulen sind eine Investition in die Zukunft unserer Kinder. Deshalb müssen wir Planungs- und Bauprozesse beschleunigen, ohne Abstriche bei Qualität und Nachhaltigkeit zu machen.

Ich möchte die Projektsteuerung professionalisieren, klare Verantwortlichkeiten schaffen, digitale Projektcontrolling-Instrumente einsetzen und Planungsprozesse frühzeitig koordinieren. Verzögerungen entstehen häufig nicht durch fehlendes Geld, sondern durch unklare Zuständigkeiten und mangelnde Transparenz.

Geschwindigkeit darf jedoch niemals zulasten der Qualität gehen. Wer heute nur auf den günstigsten Preis schaut, zahlt morgen oft doppelt. Gute Schulgebäude müssen flexibel nutzbar, energieeffizient, nachhaltig und pädagogisch durchdacht sein.

Ich bin überzeugt: Gute Architektur ist keine Zusatzleistung, sondern Teil einer wirtschaftlichen Lösung. Ein Gebäude, das über Jahrzehnte funktional, anpassungsfähig und ressourcenschonend genutzt werden kann, ist langfristig die bessere Investition.

8. Digitalisierung auch für schnelleres Bauen?

Digitalisierung bietet große Potenziale für schnellere und transparentere Verfahren.

Dazu gehören insbesondere:

  • digitale Bauanträge,
  • medienbruchfreie Genehmigungsprozesse,
  • digitale Aktenführung,
  • transparente Bearbeitungsstände für Antragsteller,
  • digitale Beteiligungsverfahren und
  • eine bessere Vernetzung der beteiligten Fachbereiche.

Aus meiner beruflichen Erfahrung als Projektleiter weiß ich allerdings auch: Digitalisierung allein löst keine Probleme. Erfolgreiche digitale Prozesse brauchen qualifiziertes Personal, klare Zuständigkeiten und effiziente Abläufe. Technik kann gute Arbeit unterstützen, aber nicht ersetzen.

9. Wirtschaftsentwicklung und Flächenverbrauch

Wir müssen wirtschaftliche Entwicklung stärker regional und interkommunal denken.

Nicht jede Kommune muss für sich allein neue Gewerbeflächen entwickeln. Sinnvoller sind abgestimmte Konzepte, die Standorte nach Verkehrsanbindung, Flächenverfügbarkeit und wirtschaftlichem Nutzen bewerten.

Dadurch können Flächen effizienter genutzt und gleichzeitig unnötige Konkurrenzsituationen vermieden werden.

Wirtschaftswachstum entsteht zudem nicht allein durch neue Flächen. Innovationen, Digitalisierung, Fachkräftegewinnung und gute Rahmenbedingungen für bestehende Unternehmen sind mindestens genauso wichtig.

10. Knappe Kassen – trotzdem gute Architektur?

Als Vorsitzender des Finanzausschusses bin ich überzeugt: Sparen bedeutet nicht, immer die billigste Lösung zu wählen. Verantwortungsvolle Haushaltspolitik bedeutet, die Wirtschaftlichkeit über den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes zu betrachten.

Ein Gebäude begleitet uns häufig über mehrere Generationen. Deshalb müssen Baukosten, Energieverbrauch, Wartungsaufwand, Anpassungsfähigkeit und spätere Nutzungsmöglichkeiten gemeinsam bewertet werden.

Ich werde dort sparen, wo Prozesse ineffizient sind oder unnötige Kosten entstehen. Nicht sparen möchte ich bei Qualität, Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit.

Gute Architektur schafft einen Mehrwert, der weit über die eigentliche Bauaufgabe hinausgeht. Sie senkt langfristig Betriebskosten, verbessert die Nutzbarkeit öffentlicher Gebäude, erhöht die Lebensqualität und stärkt die Attraktivität unserer Städte und Gemeinden.

Deshalb ist gute Architektur kein Luxus. Sie ist ein verantwortungsvoller Umgang mit öffentlichen Mitteln und eine Investition in kommende Generationen.

1. Baukultur als Zukunftsaufgabe

Eine gezielte Stadt- und Ortsentwicklung halte ich gerade im ländlichen Raum für dringend notwendig, damit sich Siedlungsstrukturen nicht durch immer neue Baugebiete in Randlagen weiter auflösen. In unseren historischen Ortskernen braucht es Architektur, die alte Substanz und neue Gebäude so verbindet, dass das Gesamtensemble erhalten bleibt. Die langen Hitzeperioden dieses Sommers haben außerdem gezeigt, dass dicht bebaute Quartiere mehr Freiflächen benötigen, um die Folgen des Klimawandels abzumildern.

2. Landkreis Northeim 2035

Ich möchte, dass unser ländlich geprägter Landkreis bis 2035 eine echte Alternative zum Leben in der Großstadt ist, ohne dass die Menschen dafür spürbare Abstriche machen müssen. Drei Ziele sind mir dafür wichtig. Erstens: Bezahlbarer Wohnraum, eine verlässliche Daseinsvorsorge und unsere vielfältige Natur machen den Landkreis gerade für Familien zur ersten Wahl. Zweitens: Ein starkes Ehrenamt macht uns widerstandsfähig gegenüber Naturkatastrophen und geopolitischen Spannungen, und der Landkreis unterstützt dieses Ehrenamt verlässlich. Drittens: eine Kreisverwaltung, die sich konsequent an den Bedürfnissen der Bürgerinnen und Bürger ausrichtet und Veränderungen nicht nur verwaltet, sondern ermöglicht.

3. Wohnen und Flächenentwicklung

Beim sozialen Wohnungsbau und beim würdevollen Wohnen im Alter braucht es eine stärkere kommunale Rolle, auch wenn die Kassen der Kommunen knapp sind. Der Landkreis sollte deshalb selbst aktiv werden, entweder über eine eigene Wohnungsbaugesellschaft oder gemeinsam mit den Kommunen und der Zivilgesellschaft in einer Genossenschaft. Die Datengrundlage dafür ist bereits vorhanden: Das kreisweite Innenentwicklungskataster erfasst Leerstände, Baulücken und Brachflächen. Ich möchte, dass diese Daten für Kommunen, Planungsbüros und Eigentümer nutzbar werden und daraus konkrete Projekte entstehen. Durch Nachverdichtung, das Schließen von Baulücken und die Umwandlung ungenutzter Gewerbeflächen in Wohnraum lässt sich ein größeres Angebot schaffen, ohne neue Flächen zu verbrauchen und unsere Kulturlandschaft weiter zu zersiedeln.

4. Bauen im Bestand

Eine hohe Bedeutung. Wer im Bestand saniert und umnutzt, versiegelt keine zusätzlichen Flächen und bringt zugleich Leben zurück in Innenstädte und Ortskerne. Unsere Fachwerkstädte und Dörfer haben Substanz, die es lohnt zu erhalten, auch wenn Sanierung oft aufwendiger ist als ein Neubau auf der grünen Wiese. Gerade in Zeiten zunehmender Einsamkeit halte ich lebendige Ortskerne für gesellschaftlich absolut notwendig.

5. Klimaanpassung und Infrastruktur

Erneuerbare Energien sind ein echter Standortvorteil für den ländlichen Raum: Der Strom entsteht direkt vor unserer Haustür, und unsere Siedlungsstruktur macht Verkehrs- und Wärmewende einfacher umsetzbar als in der Großstadt. Der Landkreis sollte Bürgerinnen und Bürger, Energiegenossenschaften und Kommunen deshalb aktiv dabei unterstützen, von dieser Energie auch wirtschaftlich zu profitieren. Bei der Mobilität geht es mir nicht um einen großen Umbau des ÖPNV, sondern darum, Bus und Bahn klüger zu verknüpfen, stillgelegte Haltepunkte zu reaktivieren und die Fläche mit einem modernen Ruftaxi anzubinden. Bei Klimaanpassung und Resilienz setze ich auf einen gut ausgestatteten Katastrophenschutz und ein starkes Ehrenamt, denn Starkregen und Hitze treffen uns schon heute.

6. Zusammenarbeit

Am meisten hilft mir Fachwissen dort, wo Entscheidungen fallen. Konkret kann ich mir drei Dinge vorstellen: Die Kammer unterstützt Landkreis und Kommunen dabei, bei wichtigen Vorhaben Planungswettbewerbe oder einen Gestaltungsbeirat einzusetzen, damit Qualität nicht dem Zufall überlassen bleibt. Sie bringt ihre Erfahrung aus anderen ländlichen Regionen ein, denn viele unserer Fragen zu Bestand, Innenentwicklung und Ortskernen sind anderswo bereits beantwortet. Und sie hilft, Eigentümer und Bauherren im Landkreis für gute Planung zu gewinnen, etwa mit Beratungsangeboten und Veranstaltungen vor Ort.

7. Digitalisierung als Werkzeug guter Planung

Aus meiner Sicht ist es längst überfällig, sämtliche Prozesse ohne Medienbrüche komplett digital anzubieten, daher meine Vision des papierlosen Landkreises. Mit guter Planung und einer ernsthaften Begleitung der Mitarbeitenden halte ich das innerhalb einer Amtszeit für realisierbar. Für Planungsbüros heißt das konkret: ein durchgängig digitaler Bauantrag bei der Kreisbauaufsicht, bei dem der Bearbeitungsstand jederzeit einsehbar ist und Rückfragen nicht per Post kommen. Für die Beteiligung heißt es, Pläne so aufzubereiten, dass Bürgerinnen und Bürger sie verstehen, etwa durch Visualisierungen. Bei Visualisierung, Recherche und Datenanalyse sehe ich zudem großes Potenzial für künstliche Intelligenz, die Fachleute entlastet, nicht ersetzt.

8. Innovation für den ländlichen Raum

Ich sehe hauptsächlich zwei Ansätze. Erstens eine gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit von Landkreis und Kommunen für Wirtschaft, Wohnen und Tourismus, statt dass jeder für sich wirbt. Dabei möchte ich selbst als Botschafter des Landkreises auftreten, gerade in den Kanälen, die junge Familien und Fachkräfte tatsächlich erreichen. Meine eigene Rückkehrgeschichte und mein Unternehmerhintergrund sind dabei kein Marketing, sondern der Beleg, dass es geht. Zweitens benötigt der Landkreis eine eigene Wirtschaftsstrategie, die gemeinsam mit Unternehmen, Kommunen und der Region erarbeitet wird und klar benennt, worauf wir setzen: die Transformation der Zulieferindustrie, Handwerk und Pflege als Fachkräftefelder und die erneuerbaren Energien als Standortvorteil. Wie das gelingen kann, zeigt der Nordwesten Niedersachsens, wo Landkreise, Kammern und Unternehmen seit Jahren als eine Region auftreten.

9. Nachhaltigkeit und wirtschaftliche Entwicklung

Die erneuerbaren Energien zeigen bereits heute, dass die ökologische Form der Energieerzeugung Kosten- und Wettbewerbsvorteile bringt. Ob unsere Region diese Vorteile auch wirklich nutzen kann, hängt allerdings von einer klugen Regulierung des Energiemarktes auf Bundesebene ab. Von neuen Strompreiszonen und dynamischen Netzentgelten würde ein Landkreis, in dem viel Strom aus Wind und Sonne entsteht, wirtschaftlich deutlich profitieren. Auch eine klare Priorisierung der Kreislaufwirtschaft bringt einem rohstoffarmen Land wie Deutschland ökologische und wirtschaftliche Vorteile zugleich, und mit der Abfallwirtschaft hat der Landkreis hier einen eigenen Hebel in der Hand.

10. Moderne Verwaltung als Dienstleister

Drei Dinge möchte ich anstoßen. Erstens Verlässlichkeit: Für die wichtigsten Verfahren, allen voran in der Bauaufsicht, sollen Bearbeitungszeiten gemessen und öffentlich benannt werden. Wer einen Antrag stellt, weiß dann, womit er rechnen kann, und wir sehen selbst, wo es Verbesserungsbedarf gibt. Zweitens feste Ansprechpartner: Ein Vorhaben hat eine Person, die es von Anfang bis Ende begleitet, statt dass Bauherren und Planungsbüros zwischen Ämtern weitergereicht werden. Drittens nachvollziehbare Entscheidungen: Wenn die Verwaltung ablehnt oder Auflagen erteilt, muss der Grund verständlich sein, am besten mit dem Hinweis, was stattdessen möglich ist. All das gelingt nur mit den Mitarbeitenden, nicht gegen sie. Deshalb möchte ich mit klugem Change-Management gemeinsam mit den Mitarbeitenden und externen Experten die Verwaltung der Zukunft entwickeln.

Rotenburg

1. Baukultur: Welche Bedeutung messen Sie einer qualitätsvollen Architektur und Baukultur für die Entwicklung Rotenburgs bei?

Einer qualitätsvollen Architektur und Baukultur kommt aus meiner Sicht große Bedeutung zu, insbesondere in einer Kreisstadt unserer Größenordnung. Sie bildet den Rahmen für unser öffentliches Zusammenleben und transportiert unweigerlich ein örtliches Lebensgefühl. 

Entsprechend ist sie auch als eine gemeinschaftliche Aufgabe, gefördert durch die Stadtverwaltung, anzusehen. In Rotenburg hat sich demgegenüber über viele Jahrzehnte eine bauliche Beliebigkeit ausgebreitet (stark gefördert auch durch eine kleinräumige, größtenteils veraltete Bauleitplanung), die inzwischen dazu führt, dass keiner mehr weiß, was unsere Innenstadt eigentlich ausmacht. Damit fehlt ein wesentlicher positiver Identifikationsfaktor für die Menschen in unserer Stadt. Es stellt sich mitunter auch die Grundfrage: "Was für eine Stadt möchte Rotenburg sein?".

2. Stadtentwicklung: Wo sehen Sie den größten Handlungsbedarf für die Entwicklung Rotenburgs in den kommenden zehn Jahren – und welche Prioritäten würden Sie setzen?

Über das ISEK und die daraus entstanden zwei Sanierungsgebiete sind hierfür viele Vorarbeiten geleistet worden, die jüngst in den Beschluss der Rahmenplanung gemündet sind. Die darin beschriebenen Maßnahmen und die Entwicklung der identifizierten Potentialflächen muss konsequent weiterverfolgt werden, zumal uns die Finanzierung über die Städtebauförderung auch in Zeiten begrenzter kommunaler Finanzen Entwicklungsmöglichkeiten verschafft.

In der Innenstadt müssen wir als Stadt dem Funktionsverlust unserer Stadtmitte entgegenwirken, indem wir ihren Funktionswandel aktiv vorantreiben. Hier ist mit der Einrichtung eines aktiven City- und Wirtschaftsförderungsmanagements ab dem kommenden Jahr bereits ein erster Schritt angestoßen. Darüber hinaus müssen wir insbesondere die Bereiche Neuer Markt und Stadtstreek zu attraktiven und belebten Aufenthaltsflächen fortentwickeln. Die konsequente Entsiegelung und Begrünung beider Bereiche, die Schaffung von Abenteuer- und Wasserspielflächen sowie zu guter letzt auch der Bau eines Soziokulturellen Zentrums auf dem Neuen Markt sind hierfür Schlüsselprojekte.

Begleitend bedarf es einer Neuorganisation der innerstädtischen Verkehrsführung, wobei insbesondere der Umgestaltung der Goethestraße zu einer zentralen Fahrradroute durch die Innenstadt Priorität haben muss. 

Diese könnte so bspw. zum ersten vollständig barrierefreien Shared-Space-Bereich umgestaltet werden, in dem Fußgänger- und Fahrradverkehr Vorrang haben vor einem reinen Anwohner- und Geschäftsverkehr. Andere Städte sind diesen Weg bereits gegangen und haben gezeigt, dass sich die Nutzung des Fahrrads als Alltagsverkehrsmittel so erfolgreich fördern lässt. Fuß- und Fahrradverkehr fördern zudem eine Belebung der Innenstadt und verstärken Gelegenheitskäufe. Hiervon könnte auch der Einzelhandel unserer Innenstadt profitieren. Als Nebeneffekt ergäbe sich zudem sogar eine Entlastung anderer staugefährdeter Straßen.

3. Wohnen und Flächenentwicklung: Wie kann ausreichend Wohnraum entstehen, ohne dabei unnötig neue Flächen zu verbrauchen? Welche Rolle sollen Innenentwicklung, Nachverdichtung und die Umnutzung bestehender Gebäude künftig spielen?

Wir haben in unserer Stadt auch ohne die Schaffung neuer Baugebiete erhebliche Nachverdichtungspotentiale. Allein in der Innenstadt finden sich markante Flächen, wie bspw. entlang der Glockengießerstraße, die im Rahmen einer städtebaulichen Fassung unserer Innenstadt genutzt werden müssen. Hierauf müssen wir als Stadt mit einer proaktiven Überarbeitung unserer Bauleitplanung und einer aktiven Ansprache der Eigentümer durch unseren Sanierungsträger hinarbeiten.

Weiterhin bestehen erhebliche Potentiale durch leerstehenden oder ineffizient genutzten Wohnraum. Während es beim Leerstand zunächst darum gehen muss, überhaupt einen systematischen Überblick zu gewinnen, geht es beim ineffizient genutzten Wohnraum oft um große Häuser oder Wohnungen, die nur noch durch Ein- oder Zweipersonenhaushalte im fortgeschrittenen Alter genutzt werden. Hier mangelt es häufig an alternativem barrierefreiem, kleinräumigerem und bezahlbarem Wohnraum, wodurch sich ungewollt ungeeignete Wohnsituationen verfestigen. Als Stadt sollten wir daher auch selbst den Bau entsprechenden Wohnraums fördern und umsetzen.

4. Bauen im Bestand: Der Erhalt und die Weiterentwicklung bestehender Gebäude gewinnen zunehmend an Bedeutung. Welche Rolle soll das Bauen im Bestand künftig in Rotenburg spielen?

Allein schon die Verpflichtung, neue Flächenversiegelungen zu vermeiden, setzt die Priorität auf die Nutzung bestehender Gebäude und Flächen. 

Hinzu kommt mitunter die Schonung von Ressourcen und der Erhalt bestehender sozialer Zusammenhänge. Für die Stadt selbst ist es essenziell, wirkt es doch auch der fortschreitenden Verlagerung ihrer belebten Bereiche aus dem Kern hin an die Ränder entgegen. Zugleich bedarf es hierfür guter Architektur- und Planungsbüros vor Ort, die individuelle Lösungen entwickeln können. Im besten Fall arbeiten wir als Stadt mit diesen in enger Abstimmung zusammen, um zugleich auch einer weiterhin beliebigen Entwicklung unserer Stadt wirksam vorzubeugen.

5. Freiraum und Klimaanpassung: Wie möchten Sie öffentliche Räume, Grünflächen und Straßen so weiterentwickeln, dass sie sowohl die Aufenthaltsqualität erhöhen als auch zur Klimaanpassung beitragen?

Der Stadt kommt im Bereich der Klimaanpassung eine Vorbildfunktion zu. 

Zugleich bieten eine konsequente Entsiegelung und Begrünung unserer Stadt auch die Chance, zu einem neuen Image unserer Stadt beizutragen. 

Das bedeutet, dass bei allen Maßnahmen, die wir zukünftig umsetzen, eine möglichst geringe Versiegelung, wasserdurchlässige Materialien, eine konsequente Begründung, auch von Fassaden und Dächern, sowie die Einrichtung kleiner Parkbereich als sogenannte Klimaoasen mitgedacht werden müssen. Wichtige Impulse kann und muss auch das frisch verabschiedete Klimaschutzkonzept und die Arbeit unserer Klimaschutzmanagerin geben.

Wo geeignet, sollte Wasser auch durch Zisternen gehalten werden, um im Sommer zur Grünbewässerung genutzt werden zu können. Zum aktiven Hitzeschutz bedarf es auch des Erhalts bestehender kühlender Wasserflächen, wie bspw. dem Stadtstreek. Dieser fällt aufgrund einer starken Versandung am Oberlauf inzwischen im Sommer trocken. Hier ist wasserbautechnisch einzugreifen. Auch müssen größere Stadtbäume dringend über eine Baumschutzsatzung konsequenter geschützt werden.

Ärgerlich ist in diesem Zusammenhang, dass wir in Zeiten angespannter Finanzen die Förderchance im Rahmen des Projektes „Grün-Blauen-Bandes“ als Stadt selbst verspielt haben. Dies darf uns nicht noch einmal passieren.

6. Zusammenarbeit: Wie kann die Architektenkammer Niedersachsen Sie dabei unterstützen, Baukultur, nachhaltige Stadtentwicklung und qualitätsvolles Planen und Bauen in Rotenburg erfolgreich voranzubringen?

In erster Linie durch die Vermittlung des notwendigen Fachwissens, die Bereitstellung ihres fachlichen Netzwerkes und wo sinnvoll auch durch die Moderation komplexer Prozesse. Insbesondere dort, wo es frischer Impulse bedarf, kann externe Expertise zu neuen Sichtweisen und einem besseren Verständnis beitragen. Vielleicht könnte auch in Rotenburg ein erster Einstieg in eine qualitätsvolle Baukultur und Stadtentwicklung durch eine öffentliche Dialogreihe eröffnet werden, die das örtliche politische Denken Stück für Stück verändert.

7. Sie möchten Rotenburg „beleben". Welche drei konkreten Orte würden Sie dabei zuerst verändern?

Für mich sind dies aktuell drei zentrale Orte unserer Innenstadt, die diese zugleich „fassen“: Der Neue Markt, der Stadtstreek sowie die Goethestraße.

8. Sie setzen auf eine stärkere Bürgerbeteiligung. Haben Sie dabei besondere Vorhaben im Blick?

Hier sehe ich grundsätzlich zwei Ebenen. Zum einen müssen wir die Voraussetzungen für einfache, direkte Beteiligungsprozesse deutlich verbessern. Hierfür ist die Einführung einer Stadt-App ein vielversprechendes Mittel. Über diese könnten dann begrenzte Beteiligungsprozesse, wie bspw. die Auswahl neuen Stadtmobiliars oder die Gestaltung einer Spielfläche unkompliziert und leicht handhabbar ausgespielt werden. Zudem könnten auch aktive Hinweise zu Gestaltungsmängeln über diesen Weg leicht zurückgemeldet und ggfs. sogar gleich transparent öffentlich erfasst werden.

Zum anderen ist bei Grundentscheidungen in unserer Stadt über eine aktivere Bürgerbeteiligung nachzudenken. Neben klassischen Workshopformaten ist bspw. an offene Zukunftswerkstätten, oder auch aktive Befragungen im öffentlichen Raum zu denken. In zentralen Fragen könnte im Einzelfall auch eine Einwohnerbefragung Orientierung bei schwierigen Entscheidungsprozessen bieten.

Ein Grundproblem aller Beteiligungsprozesse ist aber heutzutage ein stark ausgeprägtes örtliches Informationsdefizit, welches auch durch die klassischen Informationskanäle nur noch unzureichend geschlossen wird. 

Hier bedarf es grundsätzlicher Überlegungen zwischen klassischen Amtsblatt, moderner Stadt-App und einem digitalen Zwilling unserer Stadt.

9. Welche Bedeutung hat der lokale Einzelhandel für die zukünftige Stadtentwicklung – und welchen Beitrag kann die Gestaltung des öffentlichen Raums dazu leisten?

Der Einzelhandel, insbesondere die eigentümergeführten Geschäfte, haben nach wie vor eine große Bedeutung für unsere Stadtentwicklung. Zusammen mit der Gastronomie und anderen Dienstleistern bilden sie einen zentralen Baustein für eine belebte und soziale Innenstadt. Insofern muss unsere Stadt dem voranschreitenden Leerstand und der Schließung von Geschäften endlich aktiv begegnen. Ein erster Schritt hierfür ist bereits mit der Schaffung eines eigenen städtischen City- und Wirtschaftsförderungsmanagements angestoßen. Unsere Stadt muss hierüber selbst aktiv am Aufbau von Netzwerken zwischen Geschäftsleuten, Immobilieneigentümern, Unternehmen und Vereinen mitwirken und als zentraler Ansprechpartner für potentielle Geschäftsgründer zur Verfügung stehen.

Darüber hinaus muss sich die Innenstadt insgesamt zu einem multifunktionalen Raum wandeln, in dem der Einzelhandel nur noch ein Attraktivitätsfaktor unter mehreren ist. Es braucht zukünftig viele Gründe, in die Innenstadt zu gehen und sich dort auch aufzuhalten. Viele konkrete Punkte hierzu sind bereits in den Antworten auf die vorherigen Fragen benannt worden.

10. Wenn Sie Bürgermeister werden: Welches konkrete Bau-, Stadtentwicklungs- oder Freiraumprojekt möchten Sie innerhalb der ersten drei Amtsjahre auf den Weg bringen?

Hier fokussiere ich ganz bewusst, ohne diesen Punkt abschließend zu beantworten: Eng verknüpft mit dem aktuell beauftragten Mobilitätskonzept ist in den kommenden drei Jahren die Neugestaltung der Goethestraße anzugehen. (siehe Antwort zu Frage Nr. 2) Hieran schließt sich der Funktionserhalt und die gestalterische Neufassung des Stadtstreeks an. Im Bereich um die neue Steintreppe hinter dem Stadtspeicher ist zudem die Erweiterung der begrenzten Grünfläche um die anschließenden Parkflächen Richtung Nödenstraßen zu prüfen, um Raum für die Schaffung einer attraktiven Abenteuer- und Wasserspielfläche zu gewinnen. Zudem sollte die Bebauung entlang der Glockengießerstraße im Sinne einer städtebaulichen Fassung der Innenstadt vorangetrieben werden, vielleicht auch in kommunaler Hand selbst mittels einer Beteiligung an der im Raum stehenden Wohnungsbaugesellschaft des Landkreises oder unsere eigenen Stadtwerke. Sofern sich auf dem Neuen Markt nicht doch eine schnellere Realisierungsperspektive für ein Soziokulturelles Zentrum ergibt, sollte dieser in seiner Mitte unverzüglich entsiegelt und übergangsweise begrünt werden.

1. Baukultur

Welche Bedeutung messen Sie einer qualitätsvollen Architektur und Baukultur für die Entwicklung
Rotenburgs bei?

Ich denke Stadtentwicklung auf der Grundlage des Stadtentwicklungsplanes für die Innenstadt und das
Gebiet Auf dem Loh. Für mich ist Baukultur kein Luxus und keine Geschmacksfrage, sondern ein
wesentlicher Teil verantwortungsvoller Stadtentwicklung. Gebäude, Straßen und Plätze prägen über
Jahrzehnte, wie wir uns in Rotenburg bewegen, begegnen und zuhause fühlen. Gute Architektur muss
deshalb funktional, dauerhaft, barrierefrei und klimagerecht sein. Sie muss zugleich den Maßstab und die
Identität unserer Stadt respektieren.
Rotenburg besitzt ein baukulturelles Erbe, das durch Fachwerkbauten geprägt ist, aber nach dem Krieg
häufig nicht die Wertschätzung erfuhr wie vielleicht heute und wertvolle alte Bausubstanz verloren
gegangen ist. Dadurch fehlt dem gesamten Stadtbild heute eine harmonische Einheitlichkeit im Sinne
einer zusammenhängenden Altstadt. Ich möchte, dass wir ortsbildprägende Gebäude sichern, wie z. B.
das Gebäude der Alten Apotheke am Kopf des Stadtstreeks. Wir sollten neue Vorhaben sorgfältig in ihre
Umgebung einfügen, so wie es der Gebäudekomplex Schrader für mich beispielhaft zeigt, und den
öffentlichen Raum als zusammenhängendes Ganzes betrachten. Bei stadtbildprägenden Projekten halte
ich qualitätssichernde Verfahren wie städtebauliche oder hochbauliche Wettbewerbe für sinnvoll. Die
Entwürfe für ein Kulturzentrum am Neuen Markt zeigen, dass eine fachlich geführte Debatte neue
Perspektiven eröffnen kann und entscheidend das Leben in der Stadt beeinflussen.

2. Stadtentwicklung

Wo sehen Sie den größten Handlungsbedarf für die Entwicklung Rotenburgs in den kommenden zehn
Jahren – und welche Prioritäten würden Sie setzen?

Der größte Handlungsbedarf liegt für mich in einer integrierten Entwicklung der Innenstadt. Sie muss
wieder stärker Wohnort, Handelsort, Kulturort und Begegnungsraum zugleich sein, um lebendig zu
wirken. Leerstände dürfen wir nicht einfach hinnehmen. Wir müssen Eigentümerinnen und Eigentümer,
Gewerbetreibende, Kulturschaffende und Bürgerschaft zusammenbringen, neue Nutzungen ermöglichen
und die Aufenthaltsqualität deutlich verbessern. Eine zentrale Wirtschaftsförderung aus dem Rathaus
muss diese Entwicklung bündeln.
Meine erste Priorität ist bezahlbarer und barrierefreier Wohnraum, auch durch die Aktivierung
bestehender Gebäude und innerstädtischer Freiflächen vor allem entlang der Glockengießerstraße und
zwischen Amtsgericht und Burgstraße. Zweitens möchte ich öffentliche Räume und Wege klimagerecht,
barrierefrei und sicher weiterentwickeln. Dazu lege ich eine Priorität auf den Platz Auf dem Loh, der für
mich als Tiefgarage die Parkplatzsituation Richtung Krankenhaus entspannen könnte und mit einer
Grünfläche trotzdem Raum für Verweilen und Miteinander geben kann. Hier kann mit dem gelegentlichen Jahrmarkt und den Anliegern Kreismusikschule und Moschee ein neuer innerstädtischer Treffpunkt
entstehen. Drittens müssen wir die kulturelle und soziale Infrastruktur stärken, insbesondere am Neuen
Markt. Viertens braucht Rotenburg eine moderne, digital handlungsfähige Verwaltung und ein
professionelles Fördermittelmanagement, damit gute Konzepte nicht liegen bleiben. Dabei gilt:
Angesichts begrenzter Haushaltsmittel müssen wir priorisieren, Förderprogramme konsequent nutzen
und Maßnahmen so verbinden, dass sie gleichzeitig Wohnen, Klima, Mobilität und Zusammenhalt
verbessern.

3. Wohnen und Flächenentwicklung

Wie kann ausreichend Wohnraum entstehen, ohne dabei unnötig neue Flächen zu verbrauchen?

Welche Rolle sollen Innenentwicklung, Nachverdichtung und die Umnutzung bestehender Gebäude
künftig spielen?

Wohnen darf kein Luxus sein. Gerade nicht in Rotenburg mit einem hohen Anteil sozialer Berufstätigen in
der Stadtgesellschaft. Deshalb will ich wie oben beschrieben zuerst die Potenziale nutzen, die innerhalb
der bestehenden Stadt bereits vorhanden sind. Auch eine maßvolle Nachverdichtung in den früheren
Siedlungsgebieten kann zusätzlichen Wohnraum schaffen, wenn dabei Freiraumqualität, Stadtklima,
Barrierefreiheit, soziale Infrastruktur und das Ortsbild mitgedacht werden.
Die Innenstadt bietet konkrete Potenziale, etwa in ungeordneten Innenhöfen, auf heute versiegelten
Parkplatzflächen, neben den beiden oben beschriebenen Bereichen beispielsweise auch in der
Rathausgasse. Bei Neubauvorhaben möchte ich die kommunalen Steuerungsmöglichkeiten nutzen, damit
ein verlässlicher Anteil bezahlbaren Mietwohnraums entsteht. Die Stadt sollte Eigentümerinnen und
Eigentümer beraten und Anreize für die Mobilisierung ungenutzten Wohnraums setzen. Neue
Außenflächen dürfen erst dann in Anspruch genommen werden, wenn Innenentwicklungspotenziale
systematisch erfasst und realistisch bewertet worden sind.

4. Bauen im Bestand

Der Erhalt und die Weiterentwicklung bestehender Gebäude gewinnen zunehmend an Bedeutung.
Welche Rolle soll das Bauen im Bestand künftig in Rotenburg spielen?

Das Bauen im Bestand soll in Rotenburg einen deutlich höheren Stellenwert erhalten. Bestehende
Gebäude enthalten nicht nur gebundene Energie und Baustoffe, sondern häufig auch Geschichte,
Identität und gewachsene soziale Beziehungen. Deshalb sollte vor Abriss und Neubau grundsätzlich
geprüft werden, ob Sanierung, Umbau, Aufstockung oder Umnutzung funktional, wirtschaftlich und
ökologisch sinnvoll sind. Das gilt für mich in der Innenstadt, aber auch in den Siedlungshäusern, die häufig
große Gärten besitzen.
Das passt zu meinem Ziel, Leerstände als Chance zu begreifen. Ehemalige Handels- oder Büroflächen
können je nach Lage Raum für Wohnen, Kultur, Dienstleistungen oder neue Arbeitsformen bieten. Die
Stadt kann diesen Prozess durch Bauberatung, eine aktive Leerstandserfassung, die Vermittlung von
Fördermöglichkeiten und zügige Abstimmungen zwischen Eigentümerschaft, Planung und
Genehmigungsbehörden unterstützen, angeknüpft an die Wirtschaftsförderung im Rathaus. Bei
ortsbildprägenden Gebäuden müssen energetische Ertüchtigung, Barrierefreiheit und der Erhalt gestalterischer Qualitäten gemeinsam geplant werden. Bestandserhalt darf dabei nicht bedeuten,
unzureichende Grundrisse oder schlechte energetische Standards festzuschreiben; es geht um eine
qualitätsvolle Bestandsentwicklung.

5. Freiraum und Klimaanpassung

Wie möchten Sie öffentliche Räume, Grünflächen und Straßen so weiterentwickeln, dass sie sowohl die
Aufenthaltsqualität erhöhen als auch zur Klimaanpassung beitragen?

Rotenburgs Lage an Wümme, Wiedau und Rodau ist eine besondere Stärke. Diese grüne und blaue
Infrastruktur müssen wir zugleich schützen und dort besser erlebbar machen, wo Natur- und
Hochwasserschutz dies zulassen. In der bebauten Stadt möchte ich versiegelte und überhitzte Bereiche
schrittweise umgestalten: mit Entsiegelung, mehr Schatten, klimaresilienten Bäumen und Sträuchern,
begrünten Dächern und Fassaden sowie Flächen, die Regenwasser aufnehmen und zurückhalten können.
Freiraumplanung sollte mehrere Aufgaben verbinden. Ein Platz kann Begegnungsort, Kulturfläche,
Spielraum und bei Starkregen zugleich Retentionsraum sein. Straßenräume müssen nicht allein
Verkehrsflächen sein, sondern sichere, barrierefreie und gut gestaltete Aufenthaltsräume. Für den Neuen
Markt, den Pferdemarkt, den Kirchhof und die Verbindungen zwischen Innenstadt und Niederungen
braucht es jeweils passende Lösungen. Mir ist wichtig, dass hochwertiges Grün nicht vom Wohnort oder
Einkommen abhängt. Klimaanpassung ist deshalb auch eine Frage der Umweltgerechtigkeit und der
Lebensqualität für Kinder, ältere Menschen und Menschen mit Behinderungen.

6. Zusammenarbeit

Wie kann die Architektenkammer Niedersachsen Sie dabei unterstützen, Baukultur, nachhaltige
Stadtentwicklung und qualitätsvolles Planen und Bauen in Rotenburg erfolgreich voranzubringen?

Ich wünsche mir die Architektenkammer als unabhängige fachliche Partnerin. Sie kann Rotenburg dabei
unterstützen, für wichtige Vorhaben geeignete Wettbewerbs- und Vergabeverfahren zu entwickeln, klare
Qualitätskriterien zu formulieren und frühzeitig interdisziplinäre Expertise aus Architektur, Stadtplanung,
Landschaftsarchitektur und Innenarchitektur einzubeziehen.
Besonders hilfreich wären fachliche Werkstätten zu konkreten Rotenburger Aufgaben, etwa zur Zukunft
des Neuen Marktes, zur Bestandsentwicklung und zur klimaangepassten Gestaltung öffentlicher Räume.
Auch bei der Frage, ob ein Gestaltungsbeirat oder ein vergleichbares beratendes Format für ausgewählte
stadtbildprägende Projekte sinnvoll ist, wünsche ich mir Beratung. Darüber hinaus kann die Kammer gute
Beispiele aus anderen Mittelstädten vermitteln und dabei helfen, Baukultur öffentlich verständlich zu
machen, etwa durch Ausstellungen, Stadtspaziergänge oder Formate mit Schulen. So verbinden wir
fachliche Qualität mit Bürgerbeteiligung, statt beides gegeneinander auszuspielen.

7. Bürgernähe

Sie sprechen häufig von Bürgernähe. Wie möchten Sie die Menschen frühzeitig in wichtige
Stadtentwicklungs- und Bauprojekte einbeziehen?

Ich möchte Beteiligung beginnen, bevor die wesentlichen Entscheidungen gefallen sind. Die Menschen
sollen nicht erst einen fertigen Entwurf kommentieren, sondern bereits bei Zielen, Nutzungsideen und
Varianten mitwirken können. Für größere Vorhaben würde ich deshalb frühzeitig einen verständlichen
Projektfahrplan veröffentlichen: Was steht fest, was ist offen, wer entscheidet wann und wie werden
Hinweise abgewogen?
Ich setze auf einen Methodenmix aus öffentlichen Werkstätten, Stadtteilgesprächen, aufsuchenden
Formaten, digitalen Dialogmöglichkeiten und gut erreichbaren Sprechstunden. Kinder und Jugendliche,
Menschen mit Behinderungen, ältere Menschen, Zugewanderte sowie unmittelbar betroffene
Anwohnerinnen und Anwohner müssen gezielt angesprochen werden, damit nicht nur die ohnehin gut
organisierten Stimmen gehört werden. Zu glaubwürdiger Beteiligung gehört außerdem eine
Rückmeldung: Die Verwaltung muss transparent erklären, welche Vorschläge übernommen wurden,
welche nicht und aus welchen fachlichen oder rechtlichen Gründen. Beteiligung ersetzt nicht die
demokratische Entscheidung, verbessert aber ihre Grundlage und Akzeptanz.

8. Digitalisierung

Wo sehen Sie Chancen für schnellere und transparentere Planungs- und Genehmigungsprozesse?

Digitalisierung ist für mich ein übergeordnetes Arbeitsfeld. Bei Planungs- und Genehmigungsprozessen
geht es nicht nur darum, Papierformulare ins Internet zu stellen. Wir brauchen durchgängige digitale
Verfahren, klare Zuständigkeiten und einen verlässlichen Überblick über den Bearbeitungsstand.
Antragstellende und Planungsbüros sollten Unterlagen digital einreichen, fehlende Nachweise früh
erkennen und den Verfahrensstand nachvollziehen können. Innerhalb der Verwaltung müssen beteiligte
Fachstellen auf einer gemeinsamen, rechtssicheren Datengrundlage arbeiten, damit parallele Prüfungen
möglich werden und Rückfragen nicht mehrfach erfolgen. Für Bauleitplanverfahren sollten
Planunterlagen, Verfahrensschritte, Beteiligungsfristen und Abwägungsergebnisse übersichtlich online
auffindbar sein. Sinnvoll sind zudem digitale Vorbesprechungen bei komplexen Vorhaben und
standardisierte Checklisten. Digitalisierung allein löst jedoch keine Personal- oder Organisationsprobleme.
Sie muss mit klaren Prozessen, Qualifizierung und persönlicher Erreichbarkeit verbunden werden. Wer
digitale Angebote nicht nutzen kann, darf nicht ausgeschlossen werden.

9. Öffentliche Räume und Zusammenhalt

Welchen Beitrag können öffentliche Plätze, Parks und Freiräume für den gesellschaftlichen
Zusammenhalt in Rotenburg leisten?

Öffentliche Räume sind die gemeinsamen Wohnzimmer einer Stadt. Dort begegnen sich Menschen, die
sich sonst vielleicht nie treffen würden. Gut gestaltete Plätze, Parks und Freiräume schaffen deshalb nicht
nur Aufenthaltsqualität, sondern auch Teilhabe, Sicherheit und Zugehörigkeit.
Für mich müssen diese Räume barrierefrei, sicher und ohne Konsumzwang nutzbar sein. Sie sollen Kindern
Bewegung ermöglichen, Jugendlichen eigene Aufenthaltsmöglichkeiten bieten, älteren Menschen
Sitzgelegenheiten und Schatten geben und Raum für Kultur, Vereine, Märkte und nachbarschaftliche
Aktivitäten öffnen. Genau deshalb unterstütze ich Kultur im öffentlichen Raum und niedrigschwellige
Angebote für alle Generationen, wie vielleicht durch die Institutionen am Platz Auf dem Loh. Der Neue
Markt, der Pferdemarkt, der Kirchhof, das Umfeld des Heimathauses und die Niederungen haben
unterschiedliche Stärken. Wir sollten sie als verbundenes Netz von Begegnungsorten entwickeln. Wenn
Gestaltung, Pflege und Programm gemeinsam gedacht werden, stärkt der öffentliche Raum das
Miteinander und macht Vielfalt im Alltag sichtbar.

10. Erste Amtszeit

Welche konkrete städtebauliche Maßnahme möchten Sie innerhalb der ersten zwei Jahre Ihrer
Amtszeit sichtbar umsetzen?

Ich möchte innerhalb der ersten zwei Jahre die Entwicklung des heute vernachlässigten Bereichs südlich
des Ronolulu zu einer barrierefreien Freizeit- und Begegnungsfläche sichtbar auf den Weg bringen. Meine
öffentlich vorgestellte Idee einer naturnah gestalteten Adventure-Golf-Anlage ist dafür ein konkreter
Vorschlag, aber kein bereits beschlossener Plan.
Am Anfang müssen eine belastbare Standort- und Machbarkeitsprüfung, Natur- und Hochwasserschutz,
Erschließung, Kosten und Betrieb stehen. Das städtische Entwicklungskonzept benennt genau diesen
Bereich als Potenzial für ein neues Spiel- und Freiraumangebot und für eine bessere Verbindung zwischen
Niederungen und Innenstadt. Mein Ziel für die ersten zwei Jahre wäre deshalb ein transparent
beschlossenes, fachlich qualifiziertes Konzept und, sofern die Prüfungen positiv ausfallen und die
Finanzierung gesichert ist, ein erster sichtbarer Bauabschnitt. Sollte sich die konkrete Adventure-Golf-Idee
als nicht tragfähig erweisen, bleibt das städtebauliche Ziel bestehen: aus einer ungenutzten Fläche einen
attraktiven, inklusiven und natursensiblen Begegnungsort zu machen.
Weitere Projekte sind ein Kulturzentrum am Neuen Markt und die Entwicklung des Platzes Auf dem Loh
in städtischer Verantwortung und die Entwicklung von Wohnraum vorwiegend mit privaten Partnern.

1. Baukultur

Welche Bedeutung messen Sie einer qualitätsvollen Architektur und Baukultur für die Entwicklung Rotenburgs bei?

Eine sehr große. Gute Architektur prägt eine Stadt über Jahrzehnte und manchmal über Generationen. Deshalb darf es beim Bauen nicht nur darum gehen, möglichst schnell Quadratmeter zu schaffen. Gebäude, Plätze und Straßen müssen funktionieren, wirtschaftlich sein und gleichzeitig zum jeweiligen Ort passen.
Für Rotenburg wünsche ich mir eine Baukultur, die unsere Identität aufnimmt und trotzdem moderne Architektur zulässt. Gerade an wichtigen Stellen der Innenstadt sollte die Stadt einen hohen Qualitätsanspruch haben. Baukultur bedeutet für mich aber nicht, alles bis ins letzte Detail vorzuschreiben. Es geht um gute Lösungen, gute Beratung und einen vernünftigen Dialog zwischen Bauherren, Architekten, Politik und Verwaltung.

2. Stadtentwicklung

Wo sehen Sie den größten Handlungsbedarf für die Entwicklung Rotenburgs in den kommenden zehn Jahren – und welche Prioritäten würden Sie setzen?

Den größten Handlungsbedarf sehe ich in der Innenstadt, beim Wohnraum und bei der Frage, wie wir Rotenburg als attraktiven Wohn-, Einkaufs- und Wirtschaftsstandort weiterentwickeln.
Meine Prioritäten wären deshalb: eine lebendige Innenstadt mit mehr Aufenthaltsqualität und einer guten Erreichbarkeit, ausreichender und bezahlbarer Wohnraum für unterschiedliche Lebensphasen, eine leistungsfähige Infrastruktur und eine Stadtentwicklung, die Wirtschaft, Klimaanpassung und Lebensqualität miteinander verbindet.
Dabei sollten wir uns nicht in einzelnen Projekten verlieren. Wir brauchen ein klares Bild davon, wie Rotenburg 2035 aussehen soll, und müssen dann Schritt für Schritt darauf hinarbeiten.

3. Wohnen und Flächenentwicklung

Wie kann ausreichend Wohnraum entstehen, ohne dabei unnötig neue Flächen zu verbrauchen? Welche Rolle sollen Innenentwicklung, Nachverdichtung und die Umnutzung bestehender Gebäude künftig spielen?

Innenentwicklung muss künftig einen deutlich höheren Stellenwert bekommen. Bevor wir neue Flächen am Stadtrand ausweisen, sollten wir schauen, welche Grundstücke, Baulücken und Gebäude innerhalb der bestehenden Stadt besser genutzt werden können.
Nachverdichtung kann dabei sinnvoll sein, muss aber zum jeweiligen Quartier passen. Nicht jedes Grundstück muss maximal bebaut werden. Gleichzeitig gibt es Bereiche, in denen zusätzliche Wohnungen sehr gut vorstellbar sind.
Besonders interessant finde ich die Umnutzung bestehender Immobilien. Leerstehende Geschäftsflächen, größere Einfamilienhäuser oder ehemalige Gewerbeobjekte können teilweise neue Nutzungen aufnehmen. Trotzdem werden wir auch neue Bauflächen benötigen. Entscheidend ist deshalb für mich kein Entweder-oder, sondern eine kluge Mischung aus Innenentwicklung und maßvoller Außenentwicklung.

4. Bauen im Bestand

Der Erhalt und die Weiterentwicklung bestehender Gebäude gewinnen zunehmend an Bedeutung. Welche Rolle soll das Bauen im Bestand künftig in Rotenburg spielen?

Eine wesentlich größere als bisher. Das Gebäude, das bereits steht, muss nicht noch einmal gebaut werden. Darin steckt ein erheblicher wirtschaftlicher und ökologischer Wert.
Allerdings darf Bestandsschutz nicht bedeuten, dass Gebäude unveränderbar werden. Wir müssen Umbauten, energetische Sanierungen, Aufstockungen und neue Nutzungen ermöglichen. Manchmal ist der Erhalt eines Gebäudes die beste Lösung, manchmal ein Teilumbau und manchmal auch ein Neubau.
Ich wünsche mir deshalb eine Verwaltung, die Eigentümern frühzeitig zeigt, was möglich ist, statt zunächst aufzuzählen, was alles nicht geht. Gerade bei schwierigen Bestandsimmobilien kann eine gute Beratung entscheidend sein.

5. Freiraum und Klimaanpassung

Wie möchten Sie öffentliche Räume, Grünflächen und Straßen so weiterentwickeln, dass sie sowohl die Aufenthaltsqualität erhöhen als auch zur Klimaanpassung beitragen?

Klimaanpassung wird für Städte immer wichtiger. Dabei können viele Maßnahmen gleichzeitig die Lebensqualität verbessern. Mehr Bäume, Schatten, Grünflächen und wasserdurchlässige Bereiche helfen an heißen Tagen und bei Starkregen und machen Straßen und Plätze zugleich attraktiver.
Für Rotenburg bedeutet das für mich nicht, überall möglichst viel Fläche zu entsiegeln. Innenstadt, Verkehr, Parkplätze, Veranstaltungen und Einzelhandel brauchen ebenfalls Raum. Wir müssen deshalb sehr konkret schauen, was an welchem Ort sinnvoll ist.
Gerade bei ohnehin anstehenden Straßen- und Platzsanierungen sollten Klimaanpassung, Begrünung und Aufenthaltsqualität grundsätzlich mitgedacht werden. Das ist meistens wirtschaftlicher, als solche Maßnahmen später nachzurüsten.

6. Zusammenarbeit

Wie kann die Architektenkammer Niedersachsen Sie dabei unterstützen, Baukultur, nachhaltige Stadtentwicklung und qualitätsvolles Planen und Bauen in Rotenburg erfolgreich voranzubringen?

Ich wünsche mir einen regelmäßigen fachlichen Austausch. Die Architektenkammer verfügt über viel Erfahrung aus anderen Städten und Kommunen. Davon können wir profitieren.
Das können Beratungen zu wichtigen Stadtentwicklungsprojekten sein, Hinweise zu Wettbewerben und Konzeptverfahren oder Veranstaltungen, bei denen wir gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern über Stadtentwicklung diskutieren.
Besonders interessant finde ich Beispiele aus vergleichbaren Mittelstädten. Wir müssen in Rotenburg nicht jede Lösung neu erfinden. Wenn etwas anderswo gut funktioniert, sollten wir uns anschauen, ob wir daraus lernen können.

7. „Der Möglichmacher“

Wie stellen Sie sicher, dass Tempo und Pragmatismus nicht zulasten der Baukultur gehen?

Möglichmachen bedeutet für mich nicht, jeden Wunsch möglichst schnell durchzuwinken. Es bedeutet, gemeinsam nach einer guten Lösung zu suchen.
Gute Planung und Tempo widersprechen sich auch nicht automatisch. Oft verlieren Projekte Zeit durch unklare Zuständigkeiten, späte Abstimmungen oder immer neue Anforderungen. Wenn Bauherren, Planer und Verwaltung früh miteinander sprechen und die Rahmenbedingungen klar sind, können Verfahren gleichzeitig schneller und besser werden.
Mein Anspruch wäre deshalb: früh beraten, verbindlich entscheiden und dann konsequent umsetzen. Qualität entsteht nicht durch möglichst lange Verfahren, sondern durch gute Planung.

8. Neue Innenstadt

Sie sprechen von einer neuen Innenstadt. Wie soll das Zentrum Rotenburgs im Jahr 2035 aussehen?

Ich wünsche mir 2035 eine Innenstadt, in der wieder deutlich mehr Leben stattfindet. Eine Innenstadt mit Handel und Gastronomie, aber genauso mit Wohnen, Dienstleistungen, Kultur und Veranstaltungen.
Die Fußgängerzone und die angrenzenden Straßen sollten grüner und attraktiver sein, gleichzeitig aber gut erreichbar bleiben. Wir brauchen Orte, an denen Menschen sich gerne aufhalten, Außengastronomie, Spielmöglichkeiten, Sitzgelegenheiten und Veranstaltungen.
Auch Wohnen wird für die Innenstadt wichtiger werden. Menschen, die dort leben, bringen Frequenz und Leben in das Zentrum.
Mein Ziel ist keine museale Innenstadt, sondern ein lebendiges Zentrum. Eine Stadtmitte, in der man nicht nur etwas erledigt, sondern gerne noch eine Stunde länger bleibt.

9. Erfahrungen aus der Dorfentwicklung

Welche Erfahrungen aus der Dorfentwicklung möchten Sie auf die Entwicklung der Gesamtstadt übertragen?

Vor allem drei Dinge: gemeinsam ein Zielbild entwickeln, die Menschen früh beteiligen und anschließend auch tatsächlich etwas umsetzen.
In der Dorfentwicklung erlebt man sehr deutlich, wie viel Wissen bei den Menschen vor Ort vorhanden ist. Sie kennen Probleme und Möglichkeiten häufig sehr genau. Gleichzeitig braucht es einen strukturierten Prozess und manchmal auch externe Fachleute, um aus vielen Ideen ein gemeinsames Konzept zu machen.
Diese Erfahrung würde ich gerne stärker auf die Gesamtstadt übertragen. Stadtentwicklung sollte nicht ausschließlich im Rathaus entstehen. Verwaltung, Politik, Fachplaner, Wirtschaft und Bürgerschaft müssen gemeinsam daran arbeiten.
Und mir ist wichtig: Beteiligung darf kein Selbstzweck sein. Wer Menschen nach ihren Ideen fragt, sollte anschließend auch zeigen, was daraus geworden ist.

10. Umnutzung statt Neubau

Wo sehen Sie das größte Potenzial, bestehende Gebäude oder Flächen umzunutzen, anstatt neu zu bauen?

Das größte Potenzial sehe ich in der Innenstadt und auf bereits bebauten oder versiegelten Flächen.
Wir werden in den kommenden Jahren erleben, dass sich Einzelhandel, Arbeiten und Wohnen weiter verändern. Deshalb müssen wir bei leerstehenden oder untergenutzten Immobilien viel flexibler über neue Nutzungen nachdenken. Aus früheren Verkaufsflächen können beispielsweise Wohnungen, Büros, Dienstleistungen oder gastronomische Angebote entstehen.
Auch größere Parkplatz-, Gewerbe- und Bestandsflächen sollten wir daraufhin untersuchen, ob dort durch Aufstockung, Ergänzungsbauten oder eine neue Nutzung zusätzlicher Raum geschaffen werden kann.
Mein Grundsatz ist dabei: Erst schauen, welche Möglichkeiten im Bestand und auf bereits genutzten Flächen vorhanden sind. Wenn dort keine vernünftige Lösung möglich ist, müssen wir selbstverständlich auch über neue Flächen sprechen.
Rotenburg muss weiter wachsen und sich verändern können. Entscheidend ist, dass wir mit unseren Flächen verantwortungsvoll umgehen und gleichzeitig Entwicklung ermöglichen.

Kontakt
Katharina Göbel-Groß
Referentin
+49 511 28096-73