Hannover/Göttingen: Die Stadt Göttingen erhält den Bauherrenpreis 2026 der Architektenkammer Niedersachsen. Die feierliche Preisverleihung an die scheidende Oberbürgermeisterin Petra Broistedt und den Stadtbaurat Frithjof Look fand im Beisein von mehr als 60 geladenen Gästen im Kunsthaus Göttingen am 26. Oktober 2026 statt, die Laudatio hielt Wirtschafts- und Bauminister Grant Hendrik Tonne.
Mit der Auszeichnung würdigt die Kammer eine Stadt, die seit vielen Jahren auf qualitätvolle Planungsverfahren, Architekturwettbewerbe und eine frühzeitige Einbindung der Öffentlichkeit setzt und Stadtentwicklung als aktive Gestaltungsaufgabe versteht. Das gilt für kommunale Vorhaben ebenso wie für bedeutende private Projekte.
„Gute Baukultur zeigt sich nicht erst am fertigen Gebäude oder Platz. Entscheidend ist schon der Weg dorthin“, davon ist Robert Marlow, der Präsident der Architektenkammer Niedersachsen überzeugt. „Göttingen zeigt, dass transparente Verfahren, Beteiligung und der offene Wettbewerb um die beste Lösung zu besseren Ergebnissen führen. Besonders bemerkenswert ist, dass die Stadt auch schwierigen Diskussionen nicht ausweicht – im Gegenteil: Der Mut zu Wettbewerb und Beteiligung zeichnet sie aus“, würdigte er in seiner Begrüßungsrede.
Zu den zahlreichen Wettbewerbsverfahren der vergangenen Jahre gehören unter anderem die Freianlagenplanungen für das Groner Tor, den Wochenmarkt, den Cheltenhampark und den Waageplatz, die städtebauliche Entwicklung am Langen Rekesweg sowie der Wettbewerb für die Kita Ernst-Fahlbusch-Straße. Auch bei privaten Vorhaben setzt sich die Stadt für qualitätssichernde Verfahren ein, etwa beim Nikolausberger Weg, dem Wohnquartier Obere Mühle und der Entwicklung des Weender Tors.
Gerade das Weender Tor steht beispielhaft für die Göttinger Planungskultur. Nach intensiven öffentlichen Diskussionen wurde das Verfahren neu aufgestellt, die Öffentlichkeit einbezogen und ein Wettbewerb durchgeführt. Unterschiedliche Positionen konnten so in die Aufgabenstellung einfließen und verschiedene Lösungen miteinander verglichen werden.
Oberbürgermeisterin Petra Broistedt sieht in der Auszeichnung eine Anerkennung dieses dialogorientierten Weges: „Wir machen Politik für die Menschen in unserer Stadt. Stadtentwicklung ist dabei ein wesentliches Element. Deshalb haben wir in den letzten Jahren einen Paradigmenwechsel vollzogen: Mehr Wettbewerbe, mehr Beteiligung. Wir nehmen unterschiedliche Sichtweisen ernst und beziehen die Göttingerinnen und Göttinger frühzeitig ein.“, unterstrich sie bei ihrer Dankesrede. „Natürlich macht das Entscheidungen nicht immer einfacher. Aber gerade bei wichtigen Projekten lohnt es sich, intensiv um die beste Lösung zu ringen.“
Für Stadtbaurat Frithjof Look gehören gute Verfahren und gute Ergebnisse unmittelbar zusammen: „Wir wollen Stadtentwicklung nicht nur verwalten, sondern aktiv mit der Stadtgesellschaft gestalten. Die Erfahrung habe gezeigt, Wettbewerbe und eine transparente Beteiligung ermöglichen es uns, Alternativen zu vergleichen und für Orte Lösungen zu finden, auf die wir nur zusammen kommen.“
In seiner Laudatio betonte der Wirtschafts- und Bauminister Grant Hendrik Tonne die Bedeutung der Gestaltungsspielräume, die die Politik den Bauherren und Planenden schaffen müsse. „Die Rahmenbedingungen dürfen nicht einengen, sondern sie müssen Raum schaffen für eigene Verantwortung, aus der gute Gestaltung und letztlich gute Baukultur für die Menschen vor Ort entstehen können.“
Hintergrund
Der Bauherrenpreis der Architektenkammer Niedersachsen wird seit 2014 alle zwei Jahre vergeben. Er würdigt öffentliche und private Bauherren, die mit vorbildlichen Verfahren, hoher gestalterischer und planerischer Qualität und besonderem Engagement zur Baukultur beitragen.
Bisherige Preisträger sind die Stadt Wolfsburg, die Landeshauptstadt Hannover, das Bistum Osnabrück, die Stadt Goslar, der Landkreis Cloppenburg und Gundlach Bau und Immobilien. 2026 geht die Auszeichnung an die Stadt Göttingen.
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