Am Donnerstag, 24. September 2026, nur drei Tage vor der Stichwahl, brachte die Architektenkammer Niedersachsen die beiden verbliebenen Kandidaten für das Bürgermeisteramt der Stadt Stade an einen Tisch. Der Ratssaal war mit rund 50 interessierten Gästen gut gefüllt. Nach der Begrüßung durch den Ersten Stadtrat Lars Kolk diskutieren Kai Koeser (SPD) und Arne Kramer (CDU) im Historischen Rathaus über die künftige Entwicklung Stades. Moderiert wurde das Gespräch von Kerstin Oesterling, Stadtplanerin und Architektin sowie Regionalbeauftragte der Architektenkammer Niedersachsen für die Region Elbe-Weser.
Die Veranstaltung fand begleitend zur Wanderausstellung „Baukultur trifft Klimaschutz – Gute Beispiele“ statt, die vier Wochen im Historischen Rathaus Station gemacht hat. Die Ausstellung, die auch den Hintergrund für das Gespräch bildete, setzt einen deutlichen Akzent auf das Weiterbauen im Bestand sowie die nachhaltige energetische Sanierung.
Der Umgang mit der historischen Bausubstanz Stades gab dann auch den Einstieg ins Gespräch. Stade lebt von seiner lebendigen Altstadt und vom kleinstädtischen Charakter, den es nach Kai Koeser trotz erforderlichem Wachstum zu erhalten gilt. Dabei soll kein „Museum“ entstehen, sondern die Stadt muss sich an geeigneten Stellen auch erneuern dürfen. Nachverdichtungspotenziale sehen beide Kandidaten in der Nachnutzung von Gebäudebeständen, in einer maßvollen Verdichtung, z. B. auch von eingeschossigen Supermärkten.
Herr Kramer setzte in seinem Wahlprogramm stark auf Wirtschaft, Infrastruktur und neue Entwicklungsmöglichkeiten. Aufgrund des nur begrenzten Entwicklungsraumes konkurrieren die Nutzungen Wohnungsbau, Gewerbe, Verkehr und Freiraum um die begrenzten Flächen. Der Wohnraumbedarf sei in Stade als Kommune mit angespanntem Wohnungsmarkt nicht von der Hand zu weisen. Aufgrund der demographischen Entwicklung werden mehr, aber dafür kleinere und vor allem bezahlbare Wohnungen benötigt. Werden diese zur Verfügung gestellt, dann würden ggf. mehr Menschen ihre zu groß gewordenen Einfamilienhäuser eintauschen und diese Familien zur Verfügung stellen. Das Einfamilienhaus ist weiterhin eine begehrte und auch regional geprägte Wohnform. Die Entstehung reiner Einfamilienhaussiedlungen sehen beide Kandidaten in Stade allerdings nicht. Sie setzen auf bauliche und auch soziale Mischung.
Konkrete Projekte, die einen besonderen Schwerpunkt der städtebaulichen Veränderung bilden, waren für Herrn Kramer das Altländer Viertel mit all seinen sozialen Herausforderungen. Herr Koeser benannte die Umgestaltung des Pferdemarktes als eine der zentralen Aufgaben, stellte aber zugleich klar, dass dieser zukünftig nicht in Konkurrenz zum gut funktionierenden Stadthafen stehen darf.
Der Pferdemarkt wird als öffentlicher Raum mit dem aktuell größten Handlungsbedarf beschrieben. Wenn ein Platz gleichzeitig Parkraum, Veranstaltungsort, Grünfläche, Aufenthaltsraum und Verkehrsfläche sein soll, funktioniert am Ende häufig nichts davon richtig. Diskutiert wurde daher, welche Nutzungen dort künftig Vorrang haben sollen und mit welchen Planungsverfahren eine Neugestaltung entwickelt werden könnte.
Prioritäten sehen beide Kandidaten in einer Verbesserung der Aufenthaltsqualität und Ausbau als Begegnungs- und Veranstaltungsort. Der ÖPNV-Anschluss wird an dieser zentralen Stelle weiterhin verortet, während der ruhende Verkehr eher in den angrenzenden Parkhäusern gesehen wird.
Nach einer guten Stunde wurde den anwesenden Bürgerinnen und Bürgern das Wort erteilt, die mit ihren vielfältigen Anregungen und Ideen für einen angeregten Ausklang der Veranstaltung sorgten. Beteiligungsprozesse unter Berücksichtigung auch der vulnerablen Gruppen, Sicherheit und Sauberkeit im öffentlichen Raum, Stadtplanung nicht nur auf die Innenstadtprojekte beziehen, sondern Wege z. B. zum Bahnhof und Anbindungen mitdenken, Grün in der Stadt – dies sind nur einige Stichworte, die genannt wurden, bevor Kai Koeser und Arne Kramer sich auf den Weg zu einem Folgetermin machen mussten.
Anmerkung der Redaktion:
Die Stichwahl am 27. September gewann SPD-Kandidat Kai Koeser mit 55,9 % der Stimmen vor Arne Kramer (CDU), der auf 44,1 % der Stimmen kam.


