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Lösungen und Annäherungen für die Integration von wiederverwendeten Baustoffen in den Bauprozess

| Kammer aktuell

Wie lassen sich Bauteile materialgerecht im Kreislauf halten – vom Rückbau über den Entwurf bis zum Wiedereinbau, von der einzelnen Tür bis zur Potenzialanalyse ganzer kommunaler Liegenschaften? Diese Fragen standen am 21. September im Mittelpunkt eines gut besuchten Abends in der Architektenkammer Niedersachsen.

Foto: Gabi von Allwörden

Das Format aus Vortrag und Diskussion traf auf großes Interesse: Viele Fragen aus dem Publikum zeigten, wie konkret sich Planende inzwischen für die Integration wiederverwendeter Baustoffe in den Bauprozess interessieren.

Karen Schäfer und Kimberly Rahn von Baukreisel richteten den Blick zunächst auf den Wert bereits verbauter Materialien. Das interdisziplinäre Team untersucht Möglichkeiten der Wiederverwendung und setzt sie in konkreten Bauprojekten um – von der ausgebauten Tür bis zur Potenzialanalyse kompletter Gebäudebestände.

So können ausgebaute Bauteile unmittelbar neue Funktionen erhalten, während bei größeren Vorhaben systematische Bestands- und Potenzialanalysen erforderlich sind. Dazu werden Bauteilkataloge und digitale Zwillinge erstellt; bei umfangreichen Projekten lassen sich einzelne Bauteile über QR-Codes erfassen und nachverfolgen.

Ein Beispiel für die Wiederverwendung auf Bauteilebene ist das Zersägen vorhandener Betonplatten in quadratische Elemente, die anschließend als gestapelte Punktfundamente eingesetzt werden können. Dadurch lässt sich neuer Beton einsparen – und damit auch ein erheblicher Teil der mit seiner Herstellung verbundenen CO₂-Emissionen. Nach den Erfahrungen von Baukreisel kann eine solche Lösung auch wirtschaftlich mit konventionellen Fundamenten konkurrieren.

Entscheidend bleibt jedoch die Prüfung der vorhandenen Bauteile. Alte Heizkörper werden beispielsweise vor dem Ausbau im laufenden Betrieb thermografiert, um Ablagerungen oder Funktionsbeeinträchtigungen zu erkennen. Tragende Bauteile benötigen in der Regel eine Re-Zertifizierung und die Begleitung durch Tragwerksplanende.

Auch bei Fenstern lohnt sich der Blick auf den Bestand: Das Ergänzen einer dritten Scheibe sowie mitunter eine energetische Ertüchtigung des Rahmens sind ökologisch sinnvoll und können gegenüber einem vollständigen Austausch deutliche Kostenvorteile bieten.

Eine zentrale Herausforderung bleibt die Logistik. Selektiver Rückbau und sorgfältige Bergung benötigen mehr Zeit als ein konventioneller Abbruch, zugleich erwarten Investoren häufig Kostenneutralität. Baukreisel versucht deshalb, Zwischenlager möglichst zu vermeiden und Bauteile direkt im Projekt weiterzuverwenden oder unmittelbar an neue Nutzer weiterzugeben. Hilfreich ist dabei ein wachsendes Netzwerk aus Handwerksbetrieben, Planenden und Tragwerksplanenden mit entsprechender Erfahrung.

In der Diskussion ging es schließlich um die Frage, was sich ändern muss, damit Wiederverwendung nicht Ausnahme bleibt, sondern selbstverständlicher Bestandteil des Bauens wird. Braucht es mehr Bereitschaft, mit bestehenden Unsicherheiten umzugehen? Oder vor allem standardisierte Prüf- und Zertifizierungsverfahren, damit gebrauchte Bauteile in größerem Maßstab marktfähig werden? Der Abend machte deutlich: Für eine breite Anwendung wird es vermutlich beides brauchen.

Die Veranstaltung fand im Rahmen der „Wochen der Wärme“, einer niedersachsenweiten Informations- und Aktivierungskampagne der Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen (KEAN), statt.

Kontakt
Marlies John
Assistentin und Sachbearbeiterin
+49 511 28096-35
Kontakt
Architektin Dipl.-Ing. Susanne de Vries
Referentin
+49 511 28096-60
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