Mit Ingrid Schumann verliert auch die Architektenkammer Niedersachsen eine ganz besondere Persönlichkeit, die unsere Entwicklung über viele Jahre hinweg mitgeprägt hat. Als Frau Schumann ihre Tätigkeit in der Geschäftsstelle aufnahm – Mitte der Siebzigerjahre! – war die Kammer noch eine kleine Organisation im Zooviertel. Frau Schumann begann als Sachbearbeiterin, erkannte aber schon früh, wie wichtig gute Kommunikation und die öffentliche Wahrnehmung für den Berufsstand sind.
Mit Weitblick, großem Engagement und Beharrlichkeit baute sie den Bereich Öffentlichkeitsarbeit Schritt für Schritt auf. Sie entwickelte neue Formate, knüpfte Kontakte und machte die Anliegen der Architektinnen und Architekten einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich – und zu ihrem eigenen Anliegen. So wurde sie zur ersten Referentin für Öffentlichkeitsarbeit – und zur Keimzelle dessen, was heute ein eigenständiger Bereich mit fünf Referentinnen und Referenten sowie zwei Assistentinnen ist. Viele Strukturen, die heute selbstverständlich erscheinen, gehen auf ihre Aufbauarbeit zurück.
Ihr Engagement ging dabei weit über die tägliche Presse- und Öffentlichkeitsarbeit hinaus. Mit großer Sorgfalt und historischem Interesse wirkte sie an Veröffentlichungen der Architektenkammer mit und trug dazu bei, die Geschichte der Kammer und die Entwicklung der Baukultur in Niedersachsen zu dokumentieren und für kommende Generationen festzuhalten. So entstand gemeinsam mit den Autoren Hermann Boockhoff und Jürgen Knotz ein Architekturführer, der 1981 unter dem Titel „Architektur in Hannover seit 1900“ veröffentlicht wurde. Und auch eine Chronik der Architektenkammer Niedersachsen hat sie zusammengestellt, die zwar unveröffentlicht ist, aber bis heute ein wertvolles Arbeitsdokument für die Architektenkammer selbst darstellt.
Ihr Interesse an Architektur und Baukultur blieb weit über ihre aktive Berufstätigkeit hinaus lebendig. Sie war der Architektenkammer immer eng verbunden und gern Gast bei den Veranstaltungen der Kammer oder der Lavesstiftung. Wer ihr dort begegnete, erlebte eine stets aufmerksame Gesprächspartnerin: interessiert, ansprechbar und stets fundiert informiert.
Wir erinnern uns an eine Frau, die nicht das Rampenlicht für sich selbst, sondern immer für die Sache suchte und deren Wirken nachhaltige Spuren hinterlassen hat. Mit ihrer Tatkraft, ihrer Verlässlichkeit und ihrer Zugewandtheit hat sie viele Menschen begleitet und ermutigt. Sie gehörte zu denjenigen, die Institutionen nicht nur verwalten, sondern sie hat diese gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem Architekten Werner Schumann, im Sinne des Wortes „geprägt“.
Wir sind dankbar für das, was Ingrid Schumann für die Architektenkammer Niedersachsen, für die Baukultur und für die Menschen um sie herum getan hat. Ihr Andenken werden wir in Ehren halten.
Robert Marlow

