Weiter zum Inhalt

KI, Bestand und Baukultur

| Kammer aktuell

Kammer vor Ort in Hildesheim

Foto: Monty Schön

Die Kulturfabrik Löseke – eine ehemalige Papier- und Keksfabrik zwischen Bahngleisen – bot diesmal den Rahmen für das jüngste „Kammer vor Ort“-Treffen der Architektenkammer Niedersachsen in Hildesheim am 6. Mai. Rund 100 Teilnehmende aus der gesamten Region waren der Einladung gefolgt, um über aktuelle Entwicklungen in Planung, Digitalisierung und Berufspolitik zu diskutieren. „Die Kulturfabrik Löseke ist eine perfekte Location für unsere Veranstaltung – gerade bei den Themen Bauen im Bestand“, begrüßte Regionalbeauftragte Susanne Witt die Gäste. „Bestandserhalt ist längst keine Nische mehr, sondern eine zentrale Zukunftsaufgabe unseres Berufsstandes. Immer nur neu bauen kann nicht die Lösung sein!“, so Witt. Der ehemalige Industriekomplex mache sichtbar, wie identitätsstiftend der kreative Umgang mit vorhandener Bausubstanz sein könne.

KI für Architekturbüros
Im Mittelpunkt des Abends stand der Vortrag von Eric Sturm zum Thema „KI für Architekturbüros“. Mit zahlreichen Praxisbeispielen zeigte der in Architektur erfahrene Kommunikationsexperte, wie Künstliche Intelligenz schon heute Planungs- und Büroprozesse unterstützen kann – von der Texterstellung über Recherche und Dokumentation bis hin zu Visualisierung und Projektorganisation. Besonders eindrücklich demonstrierte Sturm, wie sich Routineaufgaben mithilfe intelligenter Werkzeuge beschleunigen lassen. „KI wird Architektinnen und Architekten nicht ersetzen“, betonte er, „aber sie kann helfen, Zeit für die wirklich kreativen und beratenden Aufgaben zurückzugewinnen.“

Großes Interesse fand dabei die Frage, welche rechtlichen und urheberrechtlichen Herausforderungen sich durch den Einsatz generativer KI ergeben. In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass insbesondere bei Bild- und Entwurfsgeneratoren noch viele Fragen offen sind: Wem gehören KI-generierte Entwürfe? Welche Daten wurden zum Training verwendet? Und wie können Architekturbüros sicherstellen, dass ihre eigenen Arbeiten nicht ungewollt in Trainingsdatenbanken landen? Sturm warb dafür, KI nicht unkritisch, aber offen zu betrachten: Gerade beim Datenschutz und bei der Auswahl europäischer beziehungsweise lokal betriebener Systeme gebe es inzwischen tragfähige Lösungen für einen professionellen Einsatz. 

Einfacher Bauen
Nach dem Ausflug in die digitale Zukunft rückten berufspolitische Themen in den Fokus. Diskutiert wurde unter anderem die Novellierung der NBauO und insbesondere § 85a, dessen Möglichkeiten in der Praxis bislang deutlich weniger genutzt würden als ursprünglich erwartet. Viele Teilnehmende berichteten von Unsicherheiten in der Anwendung und einem weiterhin hohen Abstimmungsbedarf mit Behörden.

Außerdem wurde ARKO vorgestellt, ein genossenschaftlich gedachtes Zukunftsprojekt für die Architektur- und Planungswelt. Die Idee orientiert sich am Erfolgsmodell der DATEV, die Steuerberaterinnen und Steuerberatern eine gemeinsame digitale Infrastruktur bietet. Ziel ist es, eine Infrastruktur aufzubauen, die souveränes und effizientes digitales Arbeiten ermöglicht und gleichzeitig den Schutz sensibler Projektdaten gewährleistet. Geplant seien unter anderem Anwendungen für strukturierte Datenhaltung, transparente Prüf- und Dokumentationsprozesse sowie digitale Werkzeuge für Zusammenarbeit und Qualitätsmanagement, erklärte Robert Marlow. Die könne ein guter Ansatz sein, um die mit Eric Sturm diskutierte Unabhängigkeit und Zukunftsfähigkeit des Berufsstandes auch im digitalen Wandel zu sichern. Weitere Infos: https://www.akh.de/arko

Anknüpfend an die Begrüßung durch Susanne Witt betonte Marlow, dass Architektinnen und Architekten gerade in Zeiten multipler Krisen Haltung zeigen müssten – für Klimaschutz, Nachhaltigkeit und eine verantwortungsvolle Baukultur. „Wir müssen einfacher, ressourcenschonender und intelligenter bauen“, so sein Plädoyer. Dazu gehöre auch, bestehende Normen und Standards kritisch auf ihre tatsächliche Relevanz zu überprüfen und dort abzubauen, wo sie Planen und Bauen unnötig kompliziert und teuer machten. Ein wichtiger Schlüssel für kostengünstigeres und zugleich qualitätsvolles Bauen liege jedoch vor allem in einer guten, gründlichen und frühzeitigen Planung, an der alle Projektbeteiligten gemeinsam mitwirkten, betonte der Kammerpräsident. In der Diskussion wurde allerdings deutlich, dass genau diese intensive Planungsleistung bislang häufig nicht ausreichend honoriert werde – ein Problem, für das es aus Sicht vieler Teilnehmender dringend Lösungen brauche. Positiv bewertet wurde in diesem Zusammenhang der sogenannte „Niedersächsische Weg“, mit dem das Land unter anderem Genehmigungsprozesse vereinfachen, Standards überprüfen und bezahlbares Wohnen erleichtern will. Dieser Ansatz, so der Tenor des Abends, weise in die richtige Richtung.

Das anschließende Get Together in lockerer Atmosphäre, mit feinem Imbiss und kühlen Getränken, bot den Teilnehmenden Gelegenheit für persönliche Gespräche und kollegialen Austausch, der gern genutzt wurde. 

Schonmal vormerken
Die nächsten Stationen für Kammer vor Ort sind Stade am 27. Mai, Göttingen am 28. Oktober und Lingen am 18. November 2026. Alle Informationen finden Sie unter www.aknds.de/mitglieder/kammer-vor-ort

Kontakt
Marlies John
Assistentin und Sachbearbeiterin
+49 511 28096-35
Kontakt
Architektin Dipl.-Ing. Susanne de Vries
Referentin
+49 511 28096-60
Veröffentlicht

Keine „A1-Bescheinigungen“ für Geschäftsreisen mehr

Jetzt bewerben!

Grüne Hausnummer sichern

Auszeichnung für energieeffizientes Sanieren und Bauen sucht gute Beispiele in mehreren Landkreisen Niedersachsens