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Keine Angst vor KI!

| Kammer aktuell

Kammer vor Ort in Stade

Foto: Katharina Göbel-Groß

Die Seminarturnhalle in Stade, ein für die Region typischer Backsteinbau aus dem Jahr 1863, liebevoll renoviert und ehrenamtlich als Veranstaltungslocation betrieben, bot einen schönen Rahmen für das jüngste „Kammer vor Ort“-Treffen der Architektenkammer Niedersachsen in Stade am 27. Mai. Bei herrlichem Sommerwetter waren rund 65 Teilnehmende aus der gesamten Region der Einladung gefolgt, um über aktuelle Entwicklungen in Planung, Digitalisierung und Berufspolitik zu diskutieren. 

KI für Architekturbüros
Im Mittelpunkt des Abends stand der Vortrag von Eric Sturm zum Thema „KI für Architekturbüros“. Mit zahlreichen Praxisbeispielen zeigte der in Architektur erfahrene Kommunikationsexperte, wie Künstliche Intelligenz schon heute Planungs- und Büroprozesse unterstützen kann – von der Texterstellung über Recherche und Dokumentation bis hin zu Visualisierung und Projektorganisation. Besonders eindrücklich demonstrierte Sturm, wie sich Routineaufgaben mithilfe intelligenter Werkzeuge beschleunigen lassen. „KI wird Architektinnen und Architekten nicht ersetzen“, betonte er, „aber sie kann helfen, Zeit für die wirklich kreativen und beratenden Aufgaben zurückzugewinnen.“ Besonders beeindruckend: Die sich quasi wöchentlich optimierten Möglichkeiten der Bildgenerierung – von der einfachen Skizze bis hin zu sprachgesteuerten Renderings. Sogar eine Baustellenüberwachung mit KI-gesteuerter Auswertung sei mittlerweile möglich. Besonders kleine Start-ups seien in diesen Nischen innovativ und es lohne sich in jedem Fall, sich mit diesen Tools auseinanderzusetzen, so Eric Sturm. „Diese Technologie wird uns begleiten und immer mehr in unseren beruflichen und privaten Alltag Einzug halten. Es wird nicht gelingen, sich dagegen zu wehren“, so Sturms Überzeugung. Generell plädierte er dafür, sich möglichst offen und mit Neugierde an diese Instrumente heranzutasten und sie immer wieder auszuprobieren, was durch kostenfreie Probeabos problemlos möglich sei. 

Zu viele Vorgaben 
Nach dem Ausflug in die digitale Zukunft rückten berufspolitische Themen in den Fokus. Moderiert von Dr. Mathias Meyer, dem Hauptgeschäftsführer der Kammer Niedersachsen, kamen Kammerpräsident Robert Marlow und die Regionalbeauftrage Kerstin Oesterling mit den Teilnehmenden in den Austausch. Diskutiert wurde unter anderem die Novellierung der NBauO und insbesondere § 85a, dessen Möglichkeiten in der Praxis bislang deutlich weniger genutzt würden als ursprünglich erwartet. Die Teilnehmenden berichteten von Unsicherheiten in der Anwendung und einem weiterhin hohen Abstimmungsbedarf mit Behörden. Es gebe zu viele neue Regelungen, "sodass man teilweise gar nicht mehr hinterherkommt, was nun gilt und was nicht“, brachte es ein Teilnehmer auf den Punkt.

Einfacher bauen!
„Wir müssen einfacher, ressourcenschonender und intelligenter bauen“, so Robert Marlow. Dazu gehöre auch, bestehende Normen und Standards kritisch auf ihre tatsächliche Relevanz zu überprüfen und dort abzubauen, wo sie Planen und Bauen unnötig kompliziert und teuer machten. Ein wichtiger Schlüssel für kostengünstigeres und zugleich qualitätsvolles Bauen liege jedoch vor allem in einer guten, gründlichen und frühzeitigen Planung, an der alle Projektbeteiligten gemeinsam mitwirkten, betonte der Kammerpräsident. Hierzu sei der sogenannte „Niedersächsische Weg“, mit dem das Land unter anderem Genehmigungsprozesse vereinfachen, Standards überprüfen und bezahlbares Wohnen erleichtern will, ein Schritt in die richtige Richtung. 

Unabhängigkeit bei der Datenhaltung 
Außerdem wurde ARKO vorgestellt, ein genossenschaftlich gedachtes Zukunftsprojekt für die Architektur- und Planungswelt. Die Idee orientiert sich am Erfolgsmodell der DATEV, die Steuerberaterinnen und Steuerberatern eine gemeinsame digitale Infrastruktur bietet. Ziel ist es, eine Infrastruktur aufzubauen, die souveränes und effizientes digitales Arbeiten ermöglicht und gleichzeitig den Schutz sensibler Projektdaten gewährleistet. Geplant seien unter anderem Anwendungen für strukturierte Datenhaltung, transparente Prüf- und Dokumentationsprozesse sowie digitale Werkzeuge für Zusammenarbeit und Qualitätsmanagement, erklärte Robert Marlow: Ein geeigneter Ansatz, um die Unabhängigkeit und Zukunftsfähigkeit des Berufsstandes auch im digitalen Wandel zu sichern. Weitere Infos: https://www.akh.de/arko

Das anschließende Get-together in lockerer Atmosphäre, mit kleinem Imbiss und kühlen Getränken, bot den Teilnehmenden Gelegenheit für persönliche Gespräche und kollegialen Austausch, der gern genutzt wurde. 

Schon mal vormerken
Die nächsten Stationen für Kammer vor Ort sind Göttingen am 28. Oktober und Lingen am 18. November 2026. Alle Informationen finden Sie unter www.aknds.de/mitglieder/kammer-vor-ort

Kontakt
Marlies John
Assistentin und Sachbearbeiterin
+49 511 28096-35
Kontakt
Architektin Dipl.-Ing. Susanne de Vries
Referentin
+49 511 28096-60

IFLA-Pavillon in Wenzhou

Ein Treffpunkt, um über Lebensqualität, Klimaanpassung und Biodiversität zu sprechen
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