Ausgezeichnet wurde damit das gemeinsame Werk der beiden Architekten, die mit ihrem Rotterdamer Büro Atelier Kempe Thill seit mehr als zwei Jahrzehnten eine eigenständige Position in der europäischen Architektur vertreten haben.
Die Reihe der Preisträgerinnen und Preisträger ist nicht lang. Seit Hans Scharoun 1964 als Erster ausgezeichnet wurde, ist der Große BDA-Preis in seiner 62-jährigen Geschichte erst 20-mal vergeben worden. Zu den bisherigen Preisträgern gehören Ludwig Mies van der Rohe, Egon Eiermann, Frei Otto, Oswald Mathias Ungers, Peter Zumthor, Anne Lacaton und Jean-Philippe Vassal sowie Inken und Hinrich Baller. Seit 2011 wird der Preis im Drei-Jahres-Rhythmus vergeben.
Kempe und Thill lernten sich während ihres Studiums an der TU Dresden kennen und gründeten im Jahr 2000 ihr gemeinsames Büro in Rotterdam. Von dort aus entstand ein Werk, das sich über zahlreiche europäische Länder erstreckt und besonders im Wohnungsbau eine prägnante Haltung entwickelt hat. Ihre Architektur sucht nicht den spektakulären Einzelauftritt, sondern arbeitet mit klaren Strukturen, großen Öffnungen, sorgfältig gesetzten Proportionen und einem sehr bewussten Umgang mit Konstruktion, Material und Kosten.
Gerade diese Verbindung von gestalterischem Anspruch und wirtschaftlicher Disziplin kennzeichnet viele ihrer Projekte. Kempe und Thill haben früh untersucht, wie sich unter engen finanziellen und normativen Bedingungen räumliche Qualität erreichen lässt. Fragen, die heute unter Stichworten wie einfaches Bauen, Gebäudetyp-e oder ressourcenschonende Standards breit diskutiert werden, gehörten bei ihnen schon lange zum Entwurfsalltag.
Zum gemeinsamen Werk zählen Wohnungsbauten ebenso wie Kultur-, Bildungs- und Umbauprojekte, darunter die Jugendherberge in Prora, das Parlament der Deutschsprachigen Gemeinschaft in Eupen und der Wintercircus in Gent. Die Bandbreite zeigt, dass die architektonischen Prinzipien des Büros nicht an einen bestimmten Bautyp gebunden sind.
Für Hannover hatte die Preisverleihung einen besonderen Bezug. André Kempe und Oliver Thill lehrten seit 2020 an der Leibniz Universität Hannover und prägten dort in der Abteilung Entwerfen und Ressourcen auch die Architekturausbildung. Oliver Thill starb im März 2026. André Kempe nahm den Preis im Sprengel Museum für das gemeinsame Werk entgegen.


