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Gute Beispiele
Foto: Julius Schien
Foto: Philipp Walenta
Gifhorn
NEXUS Gifhorn

Das ehemalige Postgebäude wurde bis auf die Stahlbeton-Skelett-Struktur vollständig entkernt. Der Grundriss erfuhr eine gänzliche Neuorganisation für die Umnutzung als Bank- und Verwaltungsgebäude. Der Innenausbau sowie die Gebäudehülle wurden neu aufgebaut und energetisch auf neuen Stand gebracht. Die Fassadengestaltung lehnt sich an die Bestandserscheinung an und nimmt mit den durchlaufenden Fassadenbändern deren charakteristische Eigenschaften auf. Die vorgehängte hinterlüftete Fassade besteht aus langlebigem eloxiertem Aluminium mit 90 % Recyclinganteil. Als Primärenergiequelle dient ein neues Geothermie-Sondenfeld unterhalb der Parkplatzfläche, wodurch die Heizung des Gebäudes zukünftig ohne fossile Energieträger auskommt. Der Aufbau einer PV-Anlage auf dem Dach unterstreicht die nachhaltige Ausrichtung des Projektes.

Kern-Maßnahmen:

  • Neue Primärenergiequelle, Erneuerung Heizung und Energiekonzept insgesamt
  • Neuaufbau und Dämmung aller Bestandteile der Außenhülle (Fassade, Dach, Sohle)
  • Langlebige, reversible, wartungsarme Konstruktionen innen und außen
  • Behaglichkeit, Nutzerkomfort (öffenbare Fenster trotz Lüftung, Heiz-Kühldecken; kleinteilig steuerbarer, außenliegender Sonnenschutz)

Nutzung
Gewerbe
Bauaufgaben
Umbau / Modernisierung
Konstruktion
Stahlbetonskelett mit STB-Flachdecken/Flachdach (Bestandserhalt); vorgehängte hinterlüftete Fassade
Energetische Maßnahmen der Gebäudehülle
Fenster, Pfosten-Riegelfassaden, Türen erneuert (Uw= 1,0 Wm²K); Fassade erneuert (Uw durchschnittlich 0,34 Wm²K), Dämmstoff i.d.R. Mineralwolle, im Perimeterbereich XPS; Dach erneuert (U=0,15 Wm²K) mit Mineralwolle; Sohle oberseitig gedämmt, (U=0,19 Wm²K) mit XPS im Perimeterbereich und Mineralwolle im Fußbodenaufbau
Energiebedarf vorher (kWh/m²a)
Primärenergieverbrauch: 237,5 kWh/(m²*a) | Endenergie: Wärme (Gas): 119 kWh/(m²*a), Strom: 59 kWh/(m²*a), Summe: 178 kWh/(m²*a)
Energiebedarf nachher (kWh/m²a)
Primärenergie: 51,3 kWh/(m²*a) | Endenergie: 28,5 kWh/(m²*a)
Erneuerbare Energie
Geothermie (Sondenfeld unter dem Parkplatz) und PV-Anlage (auf dem Dach)
Fokusthemen der Nachhaltigkeit
Erneuerbare (Primär-)Energiequellen; langlebige, rückbaubare, wartungsfreie / wartungsarme Konstruktion innen und außen; keine Verbundstoffe; Behaglichkeit; Nutzerkomfort

Schwierigkeiten / was hätte besser gemacht werden können?

Leider ging das Bauvorhaben nicht einher mit der Aufstellung eines Bebauungsplanes, sodass weiter gefasste städtebauliche Maßnahmen für den Standort nicht realisiert werden konnten. Der Fokus lag daher - ohne B-Plan - auf dem nach §34 BauGB Umsetzbaren, was die Sanierung des Bestandes inklusive der Änderung des Staffel- in ein Vollgeschoss war. Konstruktive Schwierigkeiten gab es u.a. bei den Erdarbeiten, bspw. durch alte Öltanks, zahlreiche alte Drainageleitungen etc. Hier war leider nichts dokumentiert, alles musste erkundet werden. Erschwerend war auch die Tatsache, dass die Statik des Bestandsgebäude trotz aller Bemühungen nicht aufgefunden werden konnte. Alle erforderlichen Nachweise mussten somit durch Sondierungen, Aufmaße und umfangreiche Prüfmaßnahmen flankiert werden. Weitere Punkte die wir bei der nächsten Sanierung beachten werden: - Aufnahme einer zweiten 3D-Punktwolke nach Entkernung des Gebäudes, als Basis für die Ausführungsplanung - Konsequenterer Rückbau von nichttragenden Bauteilen bei einer vollständigen Umnutzung/Sanierung


Was hat den Bauherrn / die Bauherrin motiviert oder überzeugt?

Der Standort. Der Bauherr hat hier die Chance gesehen und auch wahrgenommen einen wichtigen Beitrag zur Erneuerung des Stadtbildes am Bahnhof zu leisten. Ihm ist es hierbei gelungen Politik, Behörden und namhafte MieterInnen gleichermaßen zu begeistern und von dem Projekt zu überzeugen. Der Bahnhofsplatz / ZOB / S-Bahnhof Gifhorn wurde in den vergangenen Jahren aufwendig saniert und mit hohen gestalterischen Ansprüchen hergerichtet. Der Ort wird damit seiner Bedeutung als regionaler, sehr betriebsamer Pendlerbahnhof gerecht. Die leerstehende ehemalige Post, direkt an diesen Platz angrenzend, passte nicht mehr in dieses Gesamtbild. Gleichwohl war das Interesse von potenziellen Mietern an dem Objekt in dieser zentralen Lage sehr groß. Es standen auch weitere Nutzungen wie ein Lebensmittelmarkt und Gastronomie zur Debatte. Am Ende sind mit der Sparkasse Celle-Wolfsburg-Gifhorn und dem Katasteramt erfreulicherweise sehr prominente langfristige Mieterinnen zum Zuge gekommen, was eindeutig die Standortqualitäten bestätigt.


Foto: Julius Schien
Foto: Julius Schien
Foto: Julius Schien
Foto: Julius Schien

Adresse
Bahnhofstraße 2
38518 Gifhorn
Bauherr
NEXUS GmbH & Co. Geschlossene Investment-Kommanditgesellschaft
Architekten
Seeberger Walenta Architekten BDA PartG mbB
weitere Planunsgbeteiligte
BEYE Ingenieurbüro GmbH