ZIELE DES STAATSPREISES
Das Land Niedersachsen, vertreten durch das Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Bauen und Digitalisierung, lobt seit 1996 alle zwei Jahre den Staatspreis für Architektur aus, seit 2002 in Zusammenarbeit mit der Architektenkammer Niedersachsen (AKNDS). Der Staatspreis für Architektur wird für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Architektur im Rahmen eines Festaktes in Hannover verliehen.
Es ist der Landesregierung ein besonderes Anliegen, baukulturelle Leistungen in Niedersachsen durch vielfältige Unterstützung in breiter Form anzuregen und zu würdigen. Die Landesinitiative Baukultur hat daher die Stärkung und Weiterentwicklung der Baukultur in Niedersachsen zum Ziel. Der Niedersächsische Staatspreis für Architektur als höchste Architekturauszeichnung des Landes ist zentraler Baustein der Landesinitiative Baukultur.
Der thematisch fokussierte Staatspreis gibt alle zwei Jahre einen Überblick über das aktuelle Baugeschehen im Land. Das Wettbewerbsergebnis und damit die teilnehmenden Projekte werden in Niedersachsen und darüber hinaus präsentiert. Mit der breit angelegten Öffentlichkeitsarbeit, darunter die Internetpräsentation und die Wanderausstellung der ausgezeichneten Arbeiten, schafft der Staatspreis ein Qualitätsbewusstsein und hilft, Maßstäbe dafür zu erarbeiten und zu etablieren.
Der Niedersächsische Staatspreis für Architektur 2024 steht unter dem Titel:
NACHHALTIGES BAUEN FÜR WIRTSCHAFT UND ARBEIT
In krisengeschüttelten Zeiten von Corona und Diskussionen um Klimaschutz und Nachhaltigkeit haben sich die Rahmenbedingungen in Wirtschaft und Arbeit deutlich verändert. Insbesondere die Pandemie beschleunigte Entwicklungen in der Arbeitswelt, die sich zuvor erst angedeutet hatten. Was heute aus dem Homeoffice sowie von mobilen Büros und Arbeitsstätten aus bearbeitet wird, war vor wenigen Jahren noch Zukunftsvision.
Die Auswirkungen dieses transformatorischen Prozesses zeigen sich vielerorts: Immer mehr Büroflächen liegen brach, der stationäre Handel sucht nach neuen Erfolgsrezepten, und in Handwerk und Industrie gelten intelligenten vernetzten und flexiblen Fertigungen die Zukunft.
Die Arbeitswelt ist in Bewegung. Hinzu kommt ein beträchtlicher Fachkräftemangel, der qualifizierte Arbeit zu einem hohen Gut werden lässt. Das stärkt die Beschäftigten und stellt Arbeitgeber vor weitere Herausforderungen. Neue Konzepte und innovative Projekte sind gefragt, um den veränderten Rahmenbedingungen und dem gesellschaftlichen Bewusstsein, Arbeits- und Lebenszeit in einer gesunden Balance zu halten, Rechnung zu tragen.
Zeitgemäße und nachhaltige Architektur übernimmt Werte vermittelnde Funktionen für den Bauherrn und das Unternehmen. Damit wird sie zu einem Identität stiftenden Marketinginstrument für das Unternehmen und mit Blick auf den städtebaulichen Kontext zum Gewinn für die Stadtentwicklung.
Der Staatspreis richtet sein Augenmerk auf Gebäude und Anlagen aus den privatwirtschaftlichen Bereichen Industrie, Gewerbe, Handel und Dienstleistungen. Ebenso gilt das Interesse privaten und öffentlichen Verwaltungsbauten. Erwartet werden Beiträge, die dokumentieren, dass sich moderne Architektur in Niedersachsen nachhaltig und erfolgsorientiert den gesellschaftlichen Herausforderungen stellt. Die Neu-, Um- und Weiterbauten sollten flexible, innovative und zukunftsfähige Planungs- und Nutzungskonzepte aufweisen, ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten, zur Aufwertung ihrer Umgebung beitragen und in ihrer architektonischen und baukulturellen Qualität überzeugen.
Mit dem Niedersächsischen Staatspreis für Architektur 2024 werden herausragende architektonische Leistungen in den Bereichen Wirtschaft und Arbeit gewürdigt. Da ihre Umsetzung ohne verantwortungsvolle und risikobereite Bauherren nicht realisierbar ist, werden sowohl Entwurfsverfasserinnen und Entwurfsverfasser als auch Bauherrinnen und Bauherren ausgezeichnet.
TEILNAHMEBEDINGUNGEN
Zugelassen sind hervorragende, bereits realisierte Objekte, die aus städtebaulicher, architektonischer oder / und landschaftsplanerischer Sicht die Ziele beispielhaft erfüllen. Die eingereichten Maßnahmen müssen zwischen dem 01.01.2019 und dem 05.04.2024 in Niedersachsen fertig gestellt worden sein. Teilnahmeberechtigt sind Entwurfsverfasserinnen und Entwurfsverfasser, Bauherrinnen und Bauherren. Jede Person kann sich mit einem oder mehreren Objekten um den Staatspreis bewerben. Ausgeschlossen sind Objekte, die bereits bei einer der vergangenen Auslobungen des Staatspreises eingereicht wurden.
BEWERTUNGSKRITERIEN
Die Bewertungskriterien kommen in Abhängigkeit der im Einzelfall vorliegenden Merkmale zur Anwendung.
Städtebauliche Qualitäten
- Stadträumliche und stadtgestalterische Qualität
- Umsetzung klimaschutzorientierter städtebaulicher Aspekte
- Berücksichtigung integrativer Aufgaben des gesellschaftlichen Zusammenlebens
- Besondere konzeptionelle, identitätsstiftende Überlegungen
- Strahlkraft auf andere Bereiche der Umgebung / Stadtgesellschaft
Gestaltungsqualitäten
- Qualität der architektonischen Gestaltung: Konstruktion, Proportion, Raumbild
- Funktionalität und Gebrauchstauglichkeit
- Bedarfsgerechte Flexibilität und Variabilität
- Innovationsgehalt
- Gestalterische Wertigkeit / Detailausbildung
Nutzungsqualitäten
- Bezug zum Standort / Identifikation
- Ressourcenschonung sowie wirtschaftlicher Einsatz von Materialien (Nachhaltigkeit)
- Energieeffizienz
- Erweiterbarkeit und Entwicklungsfähigkeit / Flexibilität
- Akzeptanz bei Nutzerinnen und Nutzern / Nutzerwert
- Vorbildhafte Lebenszyklusbetrachtung
Nachhaltigkeitskriterien
- Klimaschutz, Ökologie und Ressourcenschutz
- Kreislaufgerechtes Bauen
- Suffizienz
- Klimaresilienz
- Einbindung der Nutzerinnen und Nutzer in den Planungsprozess / Partizipation
- soziale Teilhabe
Jury
Die Jury wird vom Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Bauen und Digitalisierung in Abstimmung mit der Architektenkammer Niedersachsen benannt. Die oder der Vorsitzende wird zu Beginn der ersten Sitzung gewählt. Jedes Mitglied hat eine Stimme, im Falle der Stimmengleichheit hat die oder der Vorsitzende zwei Stimmen. Alle Entscheidungen werden mit einfacher Mehrheit getroffen.
Besetzung der Jury
- je eine Vertreterin oder ein Vertreter der im Niedersächsischen Landtag vertretenen Fraktionen
- Vertreterin oder Vertreter des Ministeriums für Wirtschaft, Verkehr, Bauen und Digitalisierung
- Vertreterin oder Vertreter der Architektenkammer Niedersachsen
- Vertreterin oder Vertreter der Arbeitsgemeinschaft der kommunalen Spitzenverbände Niedersachsens
- Vertreterinnen oder Vertreter mit Bezug zum jeweiligen Staatspreis-Thema
- Vertreterin oder Vertreter Architektur Hochschule / Wissenschaft
- drei Vertreterinnen oder Vertreter aus den Bereichen Architektur, Landschaftsarchitektur
und Stadtplanung
Auszeichnungen
Der Staatspreis besteht aus einer Urkunde und einer Plakette. Alle nominierten Objekte werden mit einer Urkunde ausgezeichnet. Alle Auszeichnungen werden im Rahmen eines feierlichen Festakts verliehen.