Weiter zum Inhalt

Franziska Klose: GROßSTADTPFLANZEN

| Kammer aktuell

Gespräch und Ausstellungsrundgang im Rahmen der ArchitekturZeit

Foto: AKNDS

Mit einer ebenso ungewöhnlichen wie inspirierenden Perspektive auf die Stadt eröffnete die Architektenkammer Niedersachsen am Mittwoch, 24. Juni, ihre Veranstaltung „Ausstellungsrundgang und Gespräch: Großstadtpflanzen“. Sie fand im Rahmen der „ArchitekturZeit“ im Vorfeld des Tags der Architektur statt. Im Mittelpunkt stand die aktuelle Ausstellung „Großstadtpflanzen“ der Leipziger Künstlerin Franziska Klose, die bis Anfang Juli in der Kammer zu sehen war und einen spannenden Bezug zur Fachrichtung Landschaftsarchitektur herstellte.

Gemeinsam mit Moderator Björn van Herck, Landschaftsarchitekt im Büro chora blau sowie Vorsitzender des BDLA Niedersachsen und Bremen, und Stefan Becker, Geschäftsführer der SHannoverStiftung, sprach Klose über ihre künstlerische Arbeit und die teilweise großformatigen Fotografien der Ausstellung. Becker erläuterte das Stipendium „Hannover Shots“, mit dem die SHannoverStiftung alle zwei Jahre einer Fotografin/einem Fotografen aus Deutschland ermöglicht, ein eigenes, Hannover bezogenes Projekt in der Landeshauptstadt zu verwirklichen, und dabei neue und vielschichtige Blicke auf die Stadt zu werfen und in einer Ausstellung den hier Lebenden zu spiegeln. Im Rahmen dieses Stipendiums war Klose 2024 in Hannover unterwegs und entwickelte ein ungewöhnliches Porträt der Stadt – nicht über deren Architektur oder ihre Menschen, sondern über die Pflanzen. Wo stehen sie, wie gehen die Hannoveraner mit ihnen um, wie organisieren sie sie? 

Dabei fotografiert die Künstlerin Pflanzen nie zufällig vor, sondern immer im Kontext eines thematischen Projekts. Sie sucht bewusst unterschiedliche urbane Räume auf – von Parks und Kleingärten über Balkone, Verkehrsinseln und Brachen.

Bei einer Führung durch die Ausstellung erläuterte Klose immer wieder einzelne Fotografien und die darauf gezeigten Pflanzen sowie Hintergründe zu der Situation. Die Anlage der Herrenhäuser Gärten und ihre Orangerie erzählen davon, dass exotische Pflanzen zur Barockzeit extra eingeführt, in Gewächshäusern gezogen und als Statussymbol oder Studienobjekt gezüchtet wurden. Die Schrebergärten gehorchen bestimmten Moden – etwa der Aufzucht von Salat in ausrangierten Rohren oder den Blumenkohl zu einem Bäumchen wachsen und blühen zu lassen. Und in Detroit fand sie in Gärten „alte Bekannte“ aus Europa, die dort als „Neophyt“ gelten, aber inzwischen auch dort heimisch geworden sind. 

An sich selber hat Franziska Klose festgestellt: Wer Pflanzen kennt und ihre Namen oder auch Geschichte weiß, baut leichter eine Beziehung zu ihnen auf – sie werden einem nicht mehr gleichgültig. Diese emotionale Verbindung könne den Blick auf die Natur nachhaltig verändern. Ihr Plädoyer: zugewachsene Brachen öfter als Parks begreifen und der Natur mehr Raum zum Wachsen lassen, statt einmal Gewachsenes zu entfernen und mit Aufwand und viel Geld Neues extra anzulegen.

Dass Pflanzen weit mehr über ihre Umgebung verraten, ergänzten die zahlreich anwesenden Landschaftsarchitekten mit beeindruckendem Fachwissen. So erläuterte Dr. Paul Tontsch (Ackermann Tontsch Landschaftsarchitekten) das Phänomen der sogenannten Zeigerpflanzen. Oder, warum Mohn nach Erdarbeiten plötzlich großflächig erscheint? „Archiv des Bodens – der Mohn war da schon drin“, erklärte er. Im zweiten Jahr verschwindet er meist wieder. 

Auch Klose lenkte den Blick immer wieder auf die Anpassungsfähigkeit der Pflanzenwelt. Ihr Lieblingsmotiv ist ein Olivenbaum am Weidendamm, den sie seit Jahren fotografisch begleitet. „Seitdem ich ihn vor zwei Jahren fotografiert habe, ist er – ich habe ihn besucht – stark gewachsen“, berichtete sie. Pflanzen existierten schließlich schon deutlich länger auf der Erde als der Mensch. Von ihnen könne man vieles lernen – etwa Toleranz. Denn, so Klose: „In der freien Natur existieren keine Monokulturen.“

Die lebhafte Diskussion, die immer wieder durch Fragen und Beiträge aus dem Publikum bereichert wurde, dauerte trotz hochsommerlicher Temperaturen rund zweieinhalb Stunden – deutlich länger als geplant – und klang bei kühlen Getränken aus. Wir freuen uns, dass das facettenreiche Thema Stadt, Natur und Landschaftsarchitektur so gut ankam. Wer weiß, vielleicht ist das Verständnis für das Stadtgrün in Hannover bei den Anwesenden ebenso erfolgreich gewachsen, wie der Olivenbaum am Weidendamm?

Kontakt
Marlies John
Assistentin und Sachbearbeiterin
+49 511 28096-35
Kontakt
Architektin Dipl.-Ing. Susanne de Vries
Referentin
+49 511 28096-60
Jetzt bewerben!

Grüne Hausnummer würdigt energieeffiziente Gebäude in der Region Hannover – Bewerbungsphase läuft seit 15. Juli 2026

Bundesarchitektenkammer informiert

Hitzeschutz für eine starke Wirtschaft

Gemeinschaftsaufgabe Klimaanpassung ermöglicht flächendeckenden Hitzeschutz