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Baukultur trifft Klimaschutz: Kommunen diskutieren Wege zur Umsetzung

| Kammer aktuell
Foto: Aaron Fraeter, LK Göttingen

Wie sich anspruchsvolle Klimaziele mit qualitätvoller Baukultur verbinden lassen, stand im Mittelpunkt einer Fachveranstaltung in Göttingen, bei der rund 40 kommunale Vertreterinnen und Vertreter nach praktikablen Lösungen suchten.

Rund 40 Teilnehmende aus den Kommunen des Landkreises Göttingen kamen am 19. März 2026 in Göttingen zusammen, um sich über Strategien und konkrete Projekte an der Schnittstelle von Baukultur und Klimaschutz auszutauschen. Vertreten waren vor allem Klimaschutzmanagerinnen und -manager, aber auch Bürgermeister sowie Verantwortliche aus Stadtplanung und Bauverwaltung.

Die halbtägige Veranstaltung wurde gemeinsam vom Landkreis Göttingen, der Architektenkammer Niedersachsen und der Energieagentur Region Göttingen organisiert – entsprechend breit war auch die Perspektive auf das Thema.

Zur Begrüßung sprach Heike Klankwarth, Regionalbeauftragte der Architektenkammer Niedersachsen. Sie gab einen Überblick über das Programm, das einen weiten Bogen spannte – von strategischen Ansätzen der Siedlungsentwicklung bis hin zu konkreten Fragen der Sanierung und Energieversorgung – und benannte das Ziel des Fachtages:
„Die heutigen Impulse sind das eine, das andere – und deutlich Wichtigere – ist jedoch der Erfahrungsaustausch untereinander. Keine Kommune soll und kann das Rad neu erfinden. Nutzen Sie den heutigen Tag also unbedingt auch, um sich zu vernetzen.“

Strategische Ortsplanung – ganz konkret

Den ersten fachlichen Impuls setzte die Landschaftsarchitektin Gwendolyn Kusters mit einem Vortrag zur strategischen Siedlungsentwicklung am Beispiel Meyenfeld der Stadt Garbsen in der Region Hannover. Dabei ging es nicht nur um Flächensparen und Klimaanpassung, sondern vor allem darum, weg vom klassischen Bauen auf der grünen Wiese hin zu einer gemeinschaftsbildenden Erschließung unterschiedlichster Baufelder zu gelangen, die das Besondere der bestehenden Ortsstruktur aufnimmt und in qualitätvolle Wohnbebauung übersetzt.

Wesentliche Faktoren bei diesem Planungsprozess seien die vorgeschalteten Beteiligungsverfahren gewesen, die von einem großen Teil der Bevölkerung aktiv angenommen worden seien, berichtete Kusters. Noch sei jedoch offen, ob das vorgestellte Konzept tatsächlich eins zu eins umgesetzt werden könne. Hier komme es darauf an, entsprechende Investoren zu gewinnen – und das sei in der aktuellen wirtschaftlichen Situation im Wohnungsbau nicht einfach, räumte Kusters ein.

In der anschließenden Diskussion wurde schnell klar: Viele der vorgestellten Instrumente stoßen auch im Landkreis Göttingen auf Interesse; gleichzeitig unterscheiden sich die Rahmenbedingungen vor Ort teilweise erheblich.
„Die Frage ist weniger, ob die Konzepte gut sind, sondern wie wir sie an unsere kommunalen Realitäten anpassen“, brachte es ein Teilnehmer auf den Punkt.

Wärmeplanung, Förderung und Beratung

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der kommunalen Wärmeplanung. Kurzbeiträge („Blitzlichter“) aus verschiedenen Kommunen zeigten, wie unterschiedlich der Stand der Umsetzung ist. Ergänzt wurde dies durch Hinweise der Energieagentur zu nächsten Schritten sowie zu Beratungsangeboten.

Besonderes Interesse fand ein zusätzlicher Beitrag zu aktuellen Fördermöglichkeiten für neue Heizungssysteme, insbesondere Wärmepumpen. Hier wurde deutlich, dass es für Kommunen wie für Bürgerinnen und Bürger entscheidend ist, Förderkulissen verständlich aufzubereiten.
„Die Programme sind da – aber sie müssen auch bei den Menschen ankommen“, betonte der Geschäftsführer der Energieagentur Göttingen, Ingo Geestmann.

Sanierung unter Druck: Zwischen Anspruch und Haushaltslage

Im zweiten großen Fachvortrag zeigte die Architektin und BDA-Vorsitzende Tatjana Sabljo anhand konkreter Beispiele, wie nachhaltige Sanierungen kommunaler Nichtwohngebäude auch unter angespannten finanziellen Bedingungen umgesetzt werden können.

Man könne nicht einfach immer weiter abreißen und neu bauen, so ihr Appell. Bestehende Gebäude böten ein großes Potenzial, das auf diese Weise unwiederbringlich verloren ginge. Es sei daher dringend nötig, den Blickwinkel zu ändern und sich zu Beginn einer Planung zunächst mit den Qualitäten des Bestands vertraut zu machen und seine Möglichkeiten auszuloten. Der alleinige Blick auf die kurzfristige Wirtschaftlichkeit reiche dabei bei Weitem nicht mehr aus.

Die Beispiele boten ausreichend Stoff für die anschließende Diskussion, bei der es unter anderem um Zielkonflikte zwischen energetischen Anforderungen, Denkmalschutz und Wirtschaftlichkeit ging.
Ein Teilnehmer fasste es so zusammen: „Wir wissen, was technisch möglich ist – die eigentliche Herausforderung ist, es finanzierbar und politisch tragfähig zu machen.“

Rundgang durch die Ausstellung

Während der Pause bot ein von Gabi von Allwörden geführter Rundgang durch die Ausstellung „Baukultur trifft Klimaschutz – Gute Beispiele“ die ideale Gelegenheit, konkrete Projekte kennenzulernen und ins Gespräch zu kommen.

Die Veranstaltung machte deutlich, dass Baukultur und Klimaschutz längst keine getrennten Themen mehr sind. Vielmehr geht es darum, beides zusammenzudenken – strategisch, planerisch und ganz praktisch vor Ort. Der Austausch in Göttingen hat dafür wichtige Impulse geliefert und gezeigt, wie groß der Bedarf an Vernetzung und Erfahrungsaustausch weiterhin ist.

Hier geht es zu weiteren guten Beispielen für nachhaltiges Umbauen und Sanieren: https://www.aknds.de/planen-bauen/nachhaltiges-bauen/gute-beispiele

Kontakt
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+49 511 28096-35
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