Klimaschutz und Baukultur
Mit dem Ende Februar 2025 abgeschlossenen und vom Land Niedersachsen (MU und MW) geförderten Projekt „Klimaschutz und Baukultur in Niedersachsen“ konnten bereits zahlreiche Aspekte der Energie- und Ressourcenwende mit dem Blick auf den Gebäudebestand in den Regionen in Niedersachsen diskutiert, angeregt und aufgezeigt werden.

Nachfolgend finden Sie die Kernprodukte aus dem Projekt sowie die laufenden Aktivitäten.
Regionale Netzwerke Klimaschutz und Baukultur
Die 19 landesweiten Workshops, die innerhalb des Projekts durchgeführt wurden, haben aufgezeigt, dass die bisherigen Anstrengungen bei Weitem noch nicht ausreichen, um dem enormen Handlungsdruck, der auf den Themen liegt, zu begegnen und einen Paradigmenwechsel in der Breite umzusetzen.
Um den regionalen Bedarf nach Wissenstransfer und Austausch zu decken, wurden aus dem Projekt heraus regionale Netzwerke gegründet, die sich seit 2024 regemäßig in den folgenden Städten treffen:
- Braunschweig (Region Braunschweig)
- Göttingen (Region Südniedersachsen in Kooperation mit dem Landkreis Göttingen)
- Lüneburg (Region Lüneburg / Heidekreis) und
- Hannover (Region Hannover / Hildesheim)
Die regelmäßigen Treffen sind interdisziplinär und offen konzipiert und werden durch Exkursionen und Baustellenbesuche ergänzt. Alle Termine sind im Veranstaltungskalender zu finden.
Gute Beispiele Klimaschutz und Baukultur in Niedersachsen
Wann ist ein energetisch saniertes Gebäude so gut, dass es in der Breite übertragbar erscheint? Wie perfekt muss es sein, oder darf auch über das berichtet werden, was vielleicht aus bestimmten Gründen (noch) nicht perfekt gelungen ist?
Die Projektdatenbank „Gute Beispiele Klimaschutz und Baukultur“ stellt Projekte aus Niedersachsen und Argumentationshilfen vor. Sie möchte Planenden und ihre Bauherren motivieren und die nachhaltige Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen im Gebäudebestand fördern. Die dargestellten Bestandssanierungen einen sich in folgenden Aspekten:
- energetische Effizienz im Vergleich zum Zustand vor der Sanierung
- Integration (oder Konzeption) von erneuerbaren Energien
- Erhalt der / Schaffung von baukulturellen Aspekte(n) und Bezüge(n) des Gebäudes / Gebäudekomplexes
- Übertragbarkeit der Sanierungslösungen
- Einsatz ökologischer, nachwachsender und / oder wiederverwendeter und / oder recycelter Baustoffe
Ergänzt werden die Projekte durch „Gute Argumente“, also Argumentationshilfen für klassische Fragestellungen rund um die nachhaltige Sanierung.
Sie haben oder kennen ein solches Gutes Beispiel? Die Projektdatenbank soll stetig wachsen – bitte reichen Sie Ihre Beispiele jederzeit ein.
Wanderausstellung „Baukultur trifft Klimaschutz – Gute Beispiele“
Anhand von Achtzehn der in der Projektdatenbank präsentierten Guten Beispiele wurde eine Wanderausstellung konzipiert, die im Juni 2025 im Laveshaus in Hannover erstmalig gezeigt wurde und die in den Jahren 2025 und 2026 durch Niedersachsen tourt.
10 Forderungen für eine Bauwende von Architects for Future (A4F)
Mit einem Impulsvortrag innerhalb der Workshops im Projekt Klimaschutz und Baukultur stellte Architekt Adrian Nägel die zehn Forderungen von Architects for Future (A4F) vor und zeigt auf, welche Stellschrauben für die Bauwende entscheidend sind und welche Maßnahmen Architektinnen und Architekten dafür ergreifen können. Die Vortragsfolien stehen hier zum Download und der Vortrag selbst als Videobeitrag zur Verfügung.
Ein für die Projektlaufzeit eingesetzter Projektbeirat diskutierte seit Dezember 2022 die Themen und Inhalte der einzelnen Projekt-Bausteine, entwickelte erste Ideen und sammelte gute Beispiele.

„Architektinnen und Architekten müssen sich ihrer Verantwortung noch bewusster werden…
... ein weiter so wie bisher können wir uns nicht erlauben. Klima- und Ressourcenschutz müssen mit einem priorisierten Bestandserhalt selbstverständlich werden. Dazu möchten wir mit diesem Projekt beitragen.“
Dipl.-Ing. Architekt Stephan Seeger, Vorsitzender des Projektbeirats Klimaschutz und Baukultur der Architektenkammer Niedersachsen

„Der Klimaschutz als Schutzziel mit höchster Priorität…
...führt dazu, die Baukultur nicht mehr über Ästhetik, historische, städtebauliche, funktionale oder gestalterische Qualitäten zu definieren, sondern über den Umweltschaden und die Wertschätzung des bereits Gebauten - der grauen Energie.“
Dipl.-Ing. Architektin Stefanie von Heeren, Mitglied des Projektbeirats Klimaschutz und Baukultur der Architektenkammer Niedersachsen
„Baukultur ist eine Kultur des Handelns…
... in der Breite des Status Quo ist unsere Baukultur allerdings das Gegenteil von Klimaschutz. Eine gedankenlose Kultur der Verschwendung und Zerstörung: Abreißen und neu bauen. Graue Energie verursachen. Natürliche Ressourcen ausbeuten. Verschwenderische Lebensstile provozieren. Mobilität hervorrufen. CO2 emittieren. Das Zeitalter scheinbar unbegrenzter Verfügbarkeiten ist vorbei. Wir brauchen nicht weniger als eine Postwachstumsmoderne.“
Dipl.-Ing. Architekt Nils Nolting, Partner im Büro CITYFÖRSTER architecture + urbanism, Mitglied des Projektbeirats Klimaschutz und Baukultur

"Mir liegt besonders am Herzen…
... dass wir Architektinnen und Architekten uns mehr bewegen. Das muss im Innen und Außen sichtbar werden. Mehr Sein als Die-Sein. Mehr innere Werte als Fassade. Aus heutiger Dringlichkeitsperspektive brauchen wir neue Lösungen mit mehr Klimaschutz unterm Strich, sowohl in den Baustoffen als auch im Energieverbrauch. Ich bin überzeugt davon, dass die Baukultur dabei nicht auf der Strecke bleibt. Im Gegenteil: lasst uns eine neue Baukultur begründen, eine mit mehr Respekt vor unseren Kindern und Kindeskindern, eine die sich weniger mit Äußerlichkeiten aufhält."
Dipl.-Ing. (FH) Architekt Dirk Scharmer, Lüneburg

„Die Baukultur mit ihrem kulturellen Erbe…
... und der lokalen Identität, trägt dazu bei, die Nachhaltigkeit und die soziale Akzeptanz von Bauprojekten zu fördern. Es muss uns gelingen die baulichen Klimaschutzanforderungen hiermit zu vereinen - es gilt eine neue Kultur des Bauens zu etablieren.“
Dipl.-Ing (FH) Architekt Thomas Hirt, Architekturbüro Thomas Hirt, Hannover, Mitglied des Projektbeirats Klimaschutz und Baukultur
„Der größtmögliche Beitrag zum Klimaschutz…
...liegt meines Erachtens darin, das Potenzial guter Architektur zu erkennen (egal ob Neubau oder Sanierung) und dieses mit geeigneten Maßnahmen entsprechend auszuschöpfen. Die Kriterien guter Architektur (nach Vitruv: Firmitas (Festigkeit), Utilitas (Nützlichkeit) und Venustas (Schönheit)) haben sich im Laufe der Zeit nicht geändert.“
Dipl.-Ing. Architekt Christian Schulte, Schulte|Maron Architekten, Braunschweig, Mitglied des Projektbeirats Klimaschutz und Baukultur

