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Preisträger 2024

CIC – Coppenrath Innovation Centre, Osnabrück

ADRESSE 
Hamburger Straße 24, 49084 Osnabrück

BAUHERRIN 
Ringlokschuppen Osnabrück GmbH, Osnabrück

ENTWURFSVERFASSER 
KRESINGS, Münster – Architekt Kilian Kresing

WEITERE BETEILIGTE 
Ing. Büro Fleddermann GmbH, Osnabrück (Tragwerksplanung) / O&P Projektingenieure GmbH, Ibbenbüren (Technische Gebäudeausrüstung) / Hansen + Partner Ingenieure GmbH, Wuppertal (Bauphysik) / Transsolar Energietechnik GmbH, Stuttgart (Energetik) / BKK Brechler. Kiküm. Klein GmbH, Warendorf (Brandschutz) / MDL Müller Dams Landschaften, Osnabrück (Freianlagen)

FERTIGSTELLUNG 
März 2024

Urteil der Jury

In die Zukunft aus der Tradition

Direkt hinter dem Osnabrücker Hauptbahnhof steht der Lokschuppen im neuen Kleid als stringent und doch spielerisch durchgearbeiteter Umbau eines Wahrzeichens seiner Zeit, das einen deutlichen Impuls und Auftakt für die umliegenden Bebauungen gibt.

Hervorragend gelungen ist die Idee der Freilegung des Tragwerks, das von einer geschichtlichen Nutzung (Lokgarage) zeugt und über den Erhalt einen Teil der Gebäudeemissionen im Bestand durch die Weiternutzung bindet. Die nötigen Eingriffe folgen ihren Funktionen und sind kraftvoll und präzise gesetzt. Ganz selbstverständlich fügen sich die eingestellten, teils zweigeschossigen Brettsperrholz-Kisten in das Raumgefüge ein und sind doch roh und eigenständig als skulpturale und raumbildende Konstruktion wahrnehmbar.

Auf diese Weise kann die Wandlung des Gebäudes von einer Werkzeughalle für Lokomotiven hin zu ganz neuen Möglichkeiten dargestellt werden. Die Außenhülle des Ringlokschuppens wurde erhalten, sorgfältig restauriert und bewahrt seine historische Bedeutung. Im Inneren wurde mit klar gesetzten und deutlich ausformulierten Holzboxen als geschlossene Büroräume sowie sich frei darum anordnenden Multifunktions- und Gemeinschaftsflächen eine attraktive Arbeitsumgebung geschaffen – eine spielerische Situation, bei der klar ablesbar bleibt, was neu und was alt ist. Die Kuben erzeugen eine spannende räumliche Abfolge, die wie gemacht ist für innovatives Arbeiten. Das Bewahren des Bestands und die Bauweise mit Holzelementen minimieren die grauen Emissionen. Guter Wärmeschutz mit minimalen Eingriffen sowie die Nutzung von passiven Maßnahmen auch für die sommerliche Kühlung schaffen ein Wechselspiel von technisch Nötigem, gestalterisch Gewolltem und architektonisch-räumlich Spannendem.

Die puristische, klare Tragkonstruktion bildet einen starken Kontrast zu den vermietbaren Kuben, deren warme Holzästhetik überzeugt. Eine reduzierte, schöne Materialität sowie die durchgehend anschauliche Detaillierung verbinden sich kongenial.

Vielschichtigkeit, Mehrdeutigkeit und Offenheit prägen den besonderen Eindruck dieses Umbaus. So kann das Gebäude selbstbewusst und ganz selbstverständlich zum Ausgangspunkt für ein neues, zukunftsweisendes Quartier werden – mitten in der Stadt und bestens angebunden!

Das Coppenrath Innovation Centre überzeugt durch ein wohlproportioniertes, gleichermaßen selbstverständliches wie funktionales Wechselspiel zwischen Gebäudehülle, Innenräumen und Freiraum. Die abgeschlossenen Büromodule (Holzstrukturen) wie auch die multifunktionalen Flächen stellen sich bewusst vor den Bestand (Betontragstruktur) und lassen ein starkes Bild entstehen: ein neues, innovatives Arbeitsumfeld – mit Strahlkraft darüber hinaus!

STÄDTEBAULICHE QUALITÄTEN
Umnutzung einer denkmalgeschützten Industriebrache auf ehemaligem Güterbahnhofsgelände nahe Hauptbahnhof in der Innenstadt Osnabrücks. Baustein für neuen Bildungs- und Forschungsstandort soll Initial für eine Revitalisierung des Areals sein – mit potentieller Strahlkraft auf die Bildungslandschaft der
Hochschulstadt.

GESTALTUNGSQUALITÄTEN
Erhalt der inneren expressiven Betonkonstruktionen und Struktur, Einbau von Raummodulen aus vorgefertigten Massivholzkonstruktionen – Haus im Haus. Durch die kreissegmentförmige Struktur des ehem. Lokschuppens und die sich rhythmisch wechselnden Holzeinbauten mit Ein- und Ausblicken entsteht ein Wandelgangcharakter, der die Symbiose von Alt und Neu immer wieder neu erlebbar macht.

NUTZUNGSQUALITÄTEN
Besonders nachhaltiger Beitrag zur Revitalisierung und Nachnutzung von historischer Industriearchitektur. Dem Nutzungsmix der Zielgruppen aus Forschung, Bildung und Entwicklung sowie Handwerk und Wirtschaft wird viel Raum für Kreativität, Austausch und Kommunikation geboten und einem „Innovation Centre“ gerecht.

NACHHALTIGKEITSKRITERIEN
Ressourcenschonender Umgang mit Baustoffen, Erhalt der Bausubstanz (graue Energien), modulare Bauweise, Einsatz nachwachsender Rohstoffe, intelligente Nutzung passiver und aktiver Komponenten im Energiekonzept. Mieteinheiten können durch die Moduleinbauten flexibel angepasst werden.

ERLÄUTERUNGEN DER VERFASSER ZU NACHHALTIGKEITSSCHWERPUNKTEN
Bewahren des Bestandes und modulare Bauweise im Innenbereich unter Einsatz nachwachsender Rohstoffe minimieren die graue Energie. Guter Wärmeschutz durch Dämmung der opaken Bauteile, 3- und 2-fach Verglasung mit vorgesetzter Bestandsverglasung, luftdichte Bauweise, optimierte Nachtluftspülung und passive Kühlung. Speichereffekte bei nicht abgehängter Decke und die massiven Stützen sowie außen liegender Sonnenschutz wirken gegen Überhitzung. Fußböden wurden aktiviert, dienen als Flächenheizung oder ermöglichen Kühlung. Unter dem Aspekt der Synergie & Suffizienz werden Technikflächen und der aktive Kühlbedarf durch die Integration in die Architektur minimiert. Im Verbund der Architektur mit dem Wärmepumpensystem entsteht ein ökologisches Vorzeigeprojekt hinsichtlich der Ressourcenschonung.