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Studierendenhaus der TU Braunschweig, Braunschweig

ADRESSE 
Pockelsstraße 1, 38106 Braunschweig

BAUHERRIN 
Technische Universität Braunschweig, Geschäftsbereich 3 – Gebäudemanagement Abtl. 35 – Hochbau, Instandhaltung, 38106 Braunschweig – Bettina Nöhren

ENTWURFSVERFASSER 
Architekten Gustav Düsing und Max Hacke, Berlin

WEITERE BETEILIGTE 
knippershelbig GmbH, Stuttgart – Thorsten Helbig (Tragwerksplanung) / iwb Ingenieure Generalplanung GmbH & Co. KG, Braunschweig – Jan Laubach (Baumanagement, Vergabe und Bauleitung) / energydesign braunschweig GmbH, Braunschweig – Thomas Wilken (TGA & Bauphysik)

FERTIGSTELLUNG 
Dezember 2022

URTEIL DER JURY

Insgesamt 160 Arbeitsplätze stehen im Studierendenhaus Braunschweig auf dem Campus der Technischen Universität zur Verfügung. Der Entwurf von Gustav Düsing und Max Hacke ging als Sieger aus einem Wettbewerb hervor, initiiert durch den ehemaligen Hochschulprofessor Volker Staab unter den wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Fakultät Architektur.

Das Gebäude präsentiert sich als filigraner, zweigeschossiger Pavillon mit weit auskragendem Dach und geschickt platzierten Außenumläufen, um auf einfache, konstruktive Art einen natürlichen Sonnenschutz zu gewährleisten und gleichzeitig die innen liegenden Arbeitsflächen in den Außenraum zu erweitern. Einläufige Treppen verbinden die zwei Arbeitsebenen, die mit Hilfe eines feinen, weißen Stahlgestänges aus 10 cm breiten Quadratprofilen und angeordnet um einen massiven Kern realisiert wurden.

Bei diesem Einraumgebäude wurde mit mehreren konstruktiven Maßnahmen besonderer Wert auf die Akustik gelegt. Einzig markante-gelbe Vorhänge bilden Raumtrennungen und Nischen in einem sonst offenen, transparenten und lichtdurchfluteten Raum, der zur Interaktion und Begegnung einlädt. Das dahinter liegende tragwerksplanerische Konzept basiert auf einem kartesischen Raumraster, welches durch die weißen Stäbe und verbindende Knoten generiert wird. Dabei werden alle Verbindungen geschraubt, sind selbsterklärend erweiterbar oder rückbaubar und entsprechen vollends einem kreislaufbasierten Denken und Bauen.

Auch setzen die Planer auf wenige technische Anlagen, mechanische Be- und Entlüftungsöffnungen, ein großes Dachoberlicht, und die in die Konstruktion integrierten Kabelführungen entsprechen dem Konzept des Einfachen. Gekühlt wird das Gebäude im Sommer mithilfe einer Erdsonde, die im Winter benötigte Wärme wird durch die Fernwärme der Stadt Braunschweig bereitgestellt, die zu einem erheblichen Anteil (nach Angaben der Architekten zu ca. 80 %) aus regenerativen Quellen erzeugt wird.

Die Herangehensweise des Wettbewerbs zur Förderung junger Talente, die Umsetzung auf dem Universitätsgelände als Pavillon zwischen städtischem Kontext und Grünraum sowie das räumliche und funktionale Erlebnis der Raumstruktur zeigen wichtige Wege eines zukünftigen, nachhaltigen Bauens auf, das sich aus gesellschaftlich wie auch technisch relevanten Fragestellungen ergibt. Das Miteinander- und das gemeinsame Voneinander-Lernen stehen im Vordergrund dieser Architektur, fördern das Kollektiv und ermöglichen den Austausch, den unsere demokratische Gesellschaft benötigt und der sie zusammenhält.

STÄDTEBAULICHE QUALITÄTEN

Das Gebäude in seiner zurückhaltend quadratischen Grundform bildet eine gelungene städtebauliche Ergänzung am Universitätsstandort der Stadt Braunschweig. Allseitig transparent gehalten, wird die unmittelbare Lage an der Oker genutzt, und es entstehen attraktive Einblicke und Ausblicke nach Süden und Westen zum Fluss hin.

GESTALTUNGSQUALITÄTEN

Die sehr klar strukturierte Stahl-Holzhybridkonstruktion steht in ihrer Filigranität in der Tradition einer qualitätvoll und konsequent modernen Architektur und lässt an Mies van der Rohe und Richard Neutra denken. Die komplett verglasten Fassaden erzeugen in Verbindung mit den eingestellten, warm-gelben Vorhängen und Farbakzentuierungen einen überzeugenden Eindruck von lebensfroher Leichtigkeit.

NUTZUNGSQUALITÄTEN

Die Durchlässigkeit und Flexibilität des Grundrisses erzeugt eine Offenheit, die wünschen lässt, dass sie sich fördernd auf einen freien, erkundenden Blick der studentischen Nutzerinnen und Nutzer auswirkt; sie bildet eine gelungene Kulisse für deren Experimentierfreude.

NACHHALTIGKEITSKRITERIEN

Umfänglicher Einsatz rückbaubarer Materialien. Einfaches Bauen und Umnutzungsfähigkeit als ursächliches Prinzip der Moderne sind hier rundum überzeugend und zeitgemäß umgesetzt.

ERLÄUTERUNGEN DER VERFASSER ZU NACHHALTIGKEITSSCHWERPUNKTEN

Die innovative Stahl-Holzhybridkonstruktion wurde modular und demontierbar geplant und leistet somit einen Beitrag zum aktuellen Diskurs der Kreislaufwirtschaft. Das enge Stützenraster und die schlanke Bauweise erlauben eine einfache Montage und De-Montage. So kann das Gebäude umfunktioniert werden oder an einem anderen Ort in einer anderen Form wieder aufgebaut werden und folgt so auch dem Prinzip des „Materiallager der Zukunft“, indem nicht nur Gebäudematerialien wiederverwendet werden können sondern ganze Bauteile im Sinne des „zirkulären Bauens“ neue Verwendung finden. Das energetische Konzept basiert auf einer Fernwärmeversorgung aus 80 % regenerativen Energiequellen in Kombination mit einer Geothermieanlage für die passive Kühlung des Gebäudes über eine wassergeführte Fußbodenheizung.