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M + P. Das neue Büro

ADRESSE 
Wilhelmstraße 20, 38100 Braunschweig

BAUHERRIN 
Gattermann Immobilien Projekt GmbH, Braunschweig – Klaus Gattermann

ENTWURFSVERFASSER 
GÖDDE Architekten, Gifhorn – Architekt Dipl.-Ing. Karl-Heinz Gödde, B.Sc. Luzia Gödde, Architektin M.Sc. Lisa Leiter

WEITERE BETEILIGTE 
martens+puller Ingenieurgesellschaft mbH, Braunschweig

FERTIGSTELLUNG 
März 2023

URTEIL DER JURY

Die innerstädtische Lage einer fensterlosen, leer stehenden Halle mit darüber liegender Büroetage begünstigte das Interesse der künftigen Nutzerinnen und Nutzer, das brachgefallene Gebäude in enger Zusammenarbeit mit den Eigentümern und Planerinnen und Planern zu einer lichtdurchfluteten, modernen Arbeitswelt mit attraktiven Arbeitsplätzen umzubauen.

Ehemals für die Nutzung als Serverhalle der Telekom konzipiert, ermöglichte das üppige Raumvolumen der Halle den Einzug einer Galerieebene, aufgelagert auf unbewehrten Betonscheiben.

Die in ihrer Untersicht freigelegte, gestaltprägende Stahlbeton-Kassettendecke über der Halle wurde in Längsachse in einer Breite von 2,50 m aufgeschnitten, um das Tageslicht über Oberlichter tief in das Gebäude führen zu können und zugleich den kommunikativen Austausch der Kolleginnen und Kollegen über alle Ebenen hinweg zu ermöglichen. Die in Teilen durch Bestandsträger reduzierte Raumhöhe auf Galerieebene kann dabei mit dem mittigen Luftraum kompensiert werden.

Die Außenwirksamkeit des Entrees wurde mit einer eingezogenen, großzügigen Öffnung des Erdgeschosses zur Wilhelmstraße ebenfalls an die neue Nutzung als Bürostandort angepasst.

Im Erkennen des Potentials dieser Bestandsimmobilie liegt der eigentlich nachhaltige Ansatz. Der Bestandserhalt des Rohbaus mit 1.100 cbm Beton und 100 t Bewehrungsstahl wirkt sich nachträglich auf die Energiebilanz aus und verhindert die Entsorgung wertvoller gebundener, „goldener Energie“. Verglichen mit einem Neubau, konnte der Austrag von ca. 305 t CO2 mit einfachen baulichen Änderungen eingespart werden. Mit dem ressourcenschonenden Ausbau wurden lediglich 31 t CO2-Austrag hinzugefügt.

Die Auseinandersetzung mit dem Bestandsgebäude mündete im Laufe des Planungsprozesses in einen auf wenige natürliche, haptisch wirksame und sortenrein zu trennende Materialien und Farben minimierten Ressourceneinsatz für das Ausbaukonzept. Die technische Ausstattung wurde reduziert und teilweise sichtbar verlegt. Die vorgesehene Fußbodenheizung kann mit niedriger Aufbauhöhe schnell auf Temperaturwechsel reagieren. Auf eine aktive Kühlung und den Einbau einer Klimaanlage wurde verzichtet.

Nachhaltigkeit und Ästhetik von Alt und Neu gehen bei dieser Revitalisierung eines Bestandsgebäudes Hand in Hand. Die sandgestrahlte, in weiten Teilen sichtbare Stahlbetonkonstruktion verleiht dem Büro eine charmante und zugleich ruppige, würdevoll gealterte Prägung, die zur Akzeptanz und Identifikation der Nutzerinnen und Nutzer mit ihrem Haus wesentlich beiträgt.

STÄDTEBAULICHE QUALITÄTEN

Mit der Umwandlung einer fensterlosen leerstehenden Technik-Halle in ein modernes Bürogebäude konnte ein dysfunktional gewordenes Bestandsgebäude im Zentrum von Braunschweig erhalten und einer neuen Nutzung zugeführt werden. Das rechteckige, dreigeschossige Gebäude gliedert sich in ein Sockelgeschoss mit Gitterrostbehang und einen überkragenden, zweigeschossigen Baukörper mit einer dunklen vertikalen Holzfassade. Zur seitlichen Stadtplatzsituation öffnet sich das Gebäude mit bürotypischen Fensterbändern.

GESTALTUNGSQUALITÄTEN

Die neuen Öffnungen, die gezielten Eingriffe, das Freistellen und Hervorheben der Betonstruktur des ehem. Technikgebäudes schaffen lichtdurchflutete und großzügige Raumsituationen und erhalten den industriellen Charakter des Gebäudes. Die Gestaltung und Materialität, Tages- und Kunst-Lichtführung, die sichtbaren TGA-Installationen können eine besondere Atmosphäre für ein modernes Arbeitsumfeld entwickeln.

NUTZUNGSQUALITÄTEN

Potential erkannt und genutzt – die Eigen- und Besonderheiten des Bestandsbaus verleihen der neuen Nutzung die Großzügigkeit und Unverwechselbarkeit, die zur Akzeptanz und Identifikation der Nutzer beitragen können.

NACHHALTIGKEITSKRITERIEN

Bestandserhalt durch Umnutzung, Speicherung der grauen Energien. Ressourcenschonender Einsatz durch Minimierung. Hohe Energieeffizienz der neuen Gebäudehülle. Frühzeitige Einbindung der Nutzer.

ERLÄUTERUNGEN DER VERFASSER ZU NACHHALTIGKEITSSCHWERPUNKTEN

Schwerpunkt ist die Weiternutzung vorhandener Rohbausubstanz mit der darin gebundenen grauen Energie. Durch einfache bauliche Änderungen und einen möglichst ressourcenschonenden Ausbau konnte der Grundriss der neuen Nutzung angepasst werden. Der Rohbau des Bestandes beinhaltet 1.100 m³ Beton mit 100 t Bewehrung. Das schlägt sich in der Energiebilanz mit 305 t CO2 nieder, die mit der langen Standdauer von 64 Jahren längst abgeschrieben sind. Mit den Einbauten wurden der Immobilie ca. 31 t CO2 hinzugefügt. Gegenüber einem Neubau in gleicher Bauweise konnten 305 t CO2 und gegenüber einem hocheffizienten Neubau in ökologischer Holzbauweise immer noch 160 t CO2 eingespart werden. Ergänzend sorgen PV-Module,
E-Ladesäulen und ein Mobilitätskonzept für nachhaltigkeitswirksame Komponenten.