Gymnasium Langenhagen

ADRESSE
Theodor-Heuss-Straße 51, 30853 Langenhagen
BAUHERRIN
Stadt Langenhagen – Ramona Mellin
ENTWURFSVERFASSER
gernot schulz : architektur gmbH, Köln – Architekt Dipl.-Ing. Prof. Gernot Schulz, Architekt Dipl.-Ing. André Zweering, Architektin Dipl.-Ing. Annegret Kufferath
WEITERE BETEILIGTE
urbanegestalt PartGmbH, Köln – Johannes Böttger Ernst² Architekten AG, Hannover – Andreas Perl
FERTIGSTELLUNG
Januar 2023
URTEIL DER JURY
Der Neubau des 7-zügigen Gymnasiums Langenhagen überzeugt in seinem Umfeld zwischen nördlich und südlich gelegenen Wohngebieten, zwischen freier Landschaft und verkehrlich geprägten Freiräumen. In der Weitläufigkeit des Standorts ist es den Architekten gelungen, eine räumliche Konfiguration für die Schule zu schaffen, die in der besonderen Lage ein beschützendes Raumgefühl für die Nutzerinnen und Nutzer etabliert.
Im Sinne der Flächenoptimierung haben die Architekten die außenliegenden Pausenbereiche geschickt auf dem Dach des Gebäudesockels und Erdgeschosses platziert und damit den Anteil versiegelter Flächen auf dem Gelände stark minimiert. Der auf der Dachfläche gelegene Schulhof wird nördlich durch einen langgestreckten, dreigeschossigen Gebäuderiegel gefasst, während eine großzügige Freitreppe die Pausenfläche in südliche Richtung mit dem grünen umgebenden Außenraum verbindet, in dem wertvoller Baumbestand erhalten werden konnte. Treppe und Pausenhof ergänzen das Gebäude um einen lebendigen freiräumlichen Begegnungs- und Bewegungsraum und ermöglichen kurze und einfache Wege auf dem Campus. In den oberen Geschossen bieten überdachte, umlaufende Loggien allen Schulräumen einen direkten Zugang zu den Außenbereichen und erweitern die Nutzungen der Räume nach außen. Gleichzeitig schützt die bauliche Struktur der Laubengänge die Innenräume vor zu starker Sonneneinstrahlung.
Im Erdgeschoss verbindet eine großzügige, ringförmige Flurzone als ‚Boulevard‘ die gemeinschaftlichen Nutzungen der Schule zum lebendigen, zusammenhängenden Herzstück des Schulgebäudes. Die abwechslungsreichen Raumfolgen sind flexibel bespielbar und bieten Gelegenheiten zum Zusammentreffen, aber auch zum ruhigen Aufenthalt und Rückzug. In die räumliche Sequenz des Boulevards fügt sich auf der Nordseite des Gebäudes der geräumige Eingangshof als Adresse der Schule und gemeinschaftlicher Ort des Ankommens ein. Die klare Gebäudestruktur macht die unterschiedlichen Nutzungsbereiche mit einzelnen Lernhäusern und Sporthallen von außen ablesbar.
Die Konstruktion des Gebäudes als nachhaltiger Holzhybridbau trägt maßgeblich zu dessen ästhetischer Erscheinung bei. In der Kombination aus Stahlbeton- und Holzbau vereinen sich mit flexiblen Grundrissen und Spannweiten einerseits und einem großen Anteil des nachwachsenden, ressourcenschonenden Baustoffs Holz andererseits die Vorteile beider Bauweisen. Sämtliche Fassadenteile sind dabei aus chemisch unbehandelten Holz-Rahmenbauelementen geplant. Im Innenraum schaffen Ausbau- und Möblierungselemente aus Holz ein angenehmes Raumklima. Die Konstruktion der robusten Gebäudestruktur ermöglicht eine sortenreine Demontierbarkeit und potenzielle Rückbaubarkeit des Schulhauses. Die Energieversorgung wird über den Einsatz lokaler und erneuerbarer Energiequellen mit Solaranlagen für eine PV-gestützten Stromversorgung sowie einer Wärmepumpe gewährleistet.
Qualitative Architektur und eine sinnvolle Mischung nachhaltiger und passiver Strategien haben mit dem Neubau des Gymnasiums Langenhagen eine auf allen Ebenen nachhaltige Lernlandschaft im Grünen entstehen lassen, die neue Bauformen, zeitgemäßes Lernen und Ökologie gleichermaßen in den Schulalltag integriert.
STÄDTEBAULICHE QUALITÄTEN
Der Neubau des 7-zügigen Gymnasiums liegt im östlichen Stadtgebiet Langenhagens an der Schnittstelle zwischen südlich und nördlich gelegenen Wohnbezirken und einer durchgrünten Spange mit Flächen für Sport- und Freizeiteinrichtungen. Die L-förmige Grundstruktur entwickelt sich schützend entlang der westlichen Durchgangstraße und der nördlichen Großparkplatzfläche der benachbarten Pferderennsportbahn und öffnet
sich nach Süden und Osten zum ruhigeren und durchgrünten Freiraum.
GESTALTUNGSQUALITÄTEN
Für das umfangreiche und komplexe Raumprogramm mit vielen Nutzungsbereichen wurde eine klare und einfach gegliederte Struktur gefunden, die die unterschiedlichen Nutzungen nach außen ablesbar macht und gute Orientierung bietet. Aus dem großflächigen Sockelgeschoss entwickeln sich einzelne Baukörper als Lernhäuser oder Großsporthallen in die Höhe – dabei ist die Dachfläche als verbindender Außenraum und Pausenhof ein wesentlicher Teil der modernen Lernlandschaft, der überdies mit hohen Nutzungsqualitäten aufwiegen kann. Eine hohe Qualität der Konstruktion und architektonischen Gestaltung zeichnet diesen in einer Holz-Hybrid-Bauweise erstellten Schulkomplex aus.
NUTZUNGSQUALITÄTEN
Mit dem Schulneubau ist eine moderne Bildungslandschaft entstanden, die Schülern und Lehrenden eine lebenswerte Umgebung in einer zeitgemäßen Architektur- und Formensprache bieten kann.
NACHHALTIGKEITSKRITERIEN
Mix nachhaltiger und passiver Strategien: Holzbau, nachwachsende Rohstoffe, hohe Energieeffizienz, Geothermie-Nutzung, PV-Anlage, Dachbegrünung, Bauteilaktivierung…
ERLÄUTERUNGEN DER VERFASSER ZU NACHHALTIGKEITSSCHWERPUNKTEN
Die Energieversorgung ist aus einer PV-gestützten Stromversorgung auf dem Dach des Sporthallengebäudes sichergestellt. Ein Teil der Solarpaneele wird als solarthermische Anlage zur Erzeugung des Warmwassers für die Duschen genutzt. Es wird ein PV-Ertrag von 100 % zur Abdeckung des Stromverbrauchs angestrebt. Sämtliche fassadengebundenen Räume sind natürlich belüftet. Wo es aus Lärmschutzgründen oder Nutzungsintensität erforderlich ist, kommen kontrollierte Lüftungssysteme mit Wärmerückgewinnung und dezentralen Lüftungszentralen auf den Dächern zum Einsatz. Sämtliche Dächer erhalten einen wasserspeichernden Substrataufbau, der für das Mikroklima genutzt wird. Sämtliche Glasflächen erhielten zusätzlich zu den Dachüberständen einen außenliegenden Sonnenschutz aus Aluminium-Horizontallamellen.


