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Bahnhofschule, Hildesheim

ADRESSE 
Kaiserstraße 43/45, 31134 Hildesheim

BAUHERRIN 
Kaiser KG Vermietungsgesellschaft

ENTWURFSVERFASSER 
Guder Hoffend Architekten, Hannover – Architekt Dipl.-Ing. Stephan Guder

WEITERE BETEILIGTE 
Dietze Akustik und Bauphysik, Hildesheim – Guido Dietze / Britta Zeyher Tragwerksplanung, Hildesheim – Britta Zeyher / Gruner Deutschland GmbH, Hamburg – Manuel Tiedemann

FERTIGSTELLUNG 
Januar 2023

URTEIL DER JURY

Die um 1900 erbaute Bahnhofschule Hildesheim gehört zum nördlichen Hildesheimer Stadterweiterungsgebiet in der Nähe des Stadtzentrums von Hildesheim. Städtebaulich nimmt sie mit ihrer Eckposition an der Kaiserstraße (B1) und der Lüntzelstraße einen herausgehobenen Platz ein. Die Fassaden stehen straßenbegleitend spitzwinklig zueinander. Charakteristisch wirkt das an die Eckfassade platzierte Eingangsportal mit Ziergiebel, durch das ursprünglich die Erschließung beider Gebäudeflügel erfolgte. Die Fassade ist durch die Fensterformate, die spitzbogigen Blendnischen, die Ziegelziersetzungen unter Verwendung von Formsteinen und vier Strebepfeiler vertikal strukturiert.

Hildesheim wurde im Zweiten Weltkrieg zu 75 % zerstört. Daher kommt den noch erhaltenen historischen Gebäuden ein hoher Stellenwert für die Identität der Stadt zu. Nicht nur auf die vielen Hildesheimer Kinder, die hier zur Schule gegangen sind, sollte der Mauerwerksbau baukulturell identitätsstiftend wirken, sondern auch auf alle Bewohnerinnen und Bewohner des Quartiers. Dieses denkmalgeschützte Gebäude verlangte unter dem Aspekt einer denkmalgerechten Sanierung und nachhaltigen Nutzung eine besondere Betrachtung und Umsetzung. Durch die Wiedernutzung des Gebäudes im Bestand wird eine weitere Bodenversiegelung an anderer Stelle vermieden, und es entsteht eben nicht ein weiteres Verwaltungsgebäude „auf der grünen Wiese“. Im Sinne des nachhaltigen Umgangs mit Baumaterialien werden diese im Gegensatz zu einem Neubau statt einem Altbau bei einem Umbau gespart und Abfall reduziert.

STÄDTEBAULICHE QUALITÄTEN

Denkmalgeschützes ehem. Schulgebäude in der Innenstadt von Hildesheim, damit Erhalt eines ortsbildprägenden und identitätsstiftenden, historisch gewachsenen Stadtbausteins mit neuer Büro-Nutzung. Aufwertung durch Teil-Rekonstruktion und Erweiterung. Hoher denkmalpflegerischer Anspruch und Umgang, der
nach außen mit Vorbildcharakter wirken kann.

GESTALTUNGSQUALITÄTEN

Hoher Gestaltungsanspruch und sensible Umsetzung der denkmalpflegerischen Bausubstanz, Fokus auf weitgehenden Erhalt und Wiederverwendung historischer Bausubstanz und Baustoffe, bis hin zu Reproduktionen nach historischem Vorbild und Rekonstruktion des ortsbildprägenden Südgiebels.

NUTZUNGSQUALITÄTEN

Erweiterung mit zusätzlicher Erschließung verbessert die Nutzbarkeit und Flexibilität der Grundrisse. Die modernen und barrierefreien Büroräume, gepaart mit den herausgestellten Qualitäten eines modernisierten Altbaus sowie eines hochwertigen Ausbaus, stellen ein vielfältiges und interessantes Arbeitsumfeld dar, die Umnutzung und die hohe Gestaltungsqualität versprechen einen langfristigen und nachhaltigen Erhalt des historischen Gebäudes.

NACHHALTIGKEITSKRITERIEN

Überführung in eine langfristige zukunftsfähige Nutzung. Erhalt historischer Baustoffe und Bausubstanz, Teil-Rekonstruktion – graue Energien. Nachhaltigkeit durch hohe Gestaltungsqualität, Robustheit der Strukturen und alterungsfähiger Baustoffe und hochwertigem Ausbau.

ERLÄUTERUNGEN DER VERFASSER ZU NACHHALTIGKEITSSCHWERPUNKTEN

Die Bahnhofschule in Hildesheim setzt besonders auf Nachhaltigkeit durch den Erhalt der bestehenden Baustoffe und Bauelemente. Die historische Backsteinfassade wurde partiell überarbeitet und zum Teil durch gereinigte Bestandssteine aus regionalen Abbruchgebäuden der gleichen Bauzeit ergänzt. Die Verfugung der Backsteine erfolgte in Anlehnung an die bauzeitliche Ausführung mit Trass-Kalkmörtel. Sämtliche Fenster wurden durch Holzfenster mit der historischen Aufteilung ersetzt. Die Ton-Dachziegel des Gebäuderiegels entlang der Kaiserstraße wurden zurückgebaut und zur Sanierung der Dachflächen in der Lüntzelstraße genutzt. Ziel ist eine hohe und beständige Lebensdauer des Gebäudes. Ein weiterer Punkt ist die Umstellung der Wärmeerzeugung von der Gasheizung zu Fernwärme.