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Sparsame Wohnbox

Für Vorschriften gibt es Lösungen. Der Bebauungsplan für dieses Grundstück lässt nur ein Vollgeschoss zu. Dass man trotzdem Platz für eine vierköpfige Familie schaffen und den Wunsch nach einem Flachdach umsetzen kann, zeigt dieses Haus. Aufgrund der Bestimmungen besitzt das Obergeschoss weniger als 70 Prozent der Grundfläche des Erdgeschosses. Diese Vorgabe hat den Entwurf und die Form von Anfang an bestimmt. Das Gebäude gliedert sich in zwei Bereiche. Im Erdgeschoss sind öffentliche Räume, wie z.B. Küche, Wohn- und Esszimmer untergebracht. Im Obergeschoss finden sich die Rückzugsbereiche der Familie.
Das Erdgeschoss ist ein fließender Raum, der durch einen Luftraum bis ins Obergeschoss reicht. Hier ist der Grundriss kleinteilig und birgt die Schlafzimmer der Familienmitglieder. Diese Teilung ist außen durch eine differenzierte Gestaltung der Fassade ablesbar. Das Erdgeschoss ist mit Fassadenplatten verkleidet. Das Obergeschoss sitzt als Holzbox darauf. Während die Gebäudeform mit der Umgebung kontrastiert, ist der Materialwechsel in der Fassade ortstypisch.
Nicht alltäglich ist der energetische Standard des Hauses. Aus verschiedenen Gründen haben sich die Bauherren bewusst entschieden, ein Passivhaus zu bauen. In Holztafelbauweise erstellt, sind in den Wänden und Decken dicke Dämmpakete untergebracht. Weitere Dämmplatten rund ums Haus schützen im Bereich der Holzstützen vor Wärmebrücken. Die Dächer sind extensiv begrünt. Das schützt die Dachhaut vor UV-Strahlen und wirkt sich energetisch positiv aus. Die Fenster sind mit Dreifachverglasung und „Warmer Kante“ ausgestattet. Der Rahmen ist bei einem Fenster das wärmetechnisch ungünstigste Bauteil. Um den Rahmenanteil zu verringern, wurde ein Großteil der Fenster mit einer Festverglasung ausgeführt. Der gesamte Keller, der für Passivhäuser eher untypisch ist, wurde in einen dicken Dämmmantel eingeschlagen. Um möglichst hohe solare Wärmegewinne zu erzielen, öffnet sich das Gebäude nach Süden und Westen und schließt sich nach Norden. Außenliegende Raffstores im Erdgeschoss und Klappläden im Obergeschoss verhindern eine Überhitzung im Sommer. Die Haustechnik ist auf den geringen Heizwärmebedarf des Hauses abgestimmt.
Ein solares Wärmepumpensystem aus einer Kombination von Solarkollektoren, einer Wärmepumpe und einem Latentwärme-/Eisspeicher bildet das Heizungssystem. Mit diesem System wird der gesamte Bedarf an Heizung und Warmwasser abgedeckt. Eine kontrollierte Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung macht aus der Wohnbox in Kombination mit den anderen energetischen Maßnahmen einen echten Sparfuchs.

Fotos: Christian Burmester

 
 

Projektdaten

  • Fertigstellung: April 2010
  • Bruttogeschossfläche: 187 m²
  • Wohnfläche: 162 m²
  • Bruttorauminhalt: 921 m³
  • Kosten brutto (Kostengruppe 300+400) je m² Wohnfläche: 1.715 Euro
  • Energieträger: Solarthermieanlage zur Brauchwassererwärmung und Heizungsunterstützung, Wärmepumpe, Lüftung mit Wärmerückgewinnungsanlage
  • Endenergiebedarf: 7 kWh/(m²a)
  • Primärenergiebedarf: 18 kWh/(m²a)
  • Anforderungswert gemäß EnEV 2009 78 kWh/(m²a) = 77 % unter EnEV

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