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Mehrgenerationenhaus

Das historische Bauernhaus aus dem 19. Jahrhundert bei Uslar wurde für die wachsende Familie langsam zu klein. Es entstanden Überlegungen, neu zu bauen oder das vorhandene Gebäude umzubauen und zu erweitern. Die Bauherren entschieden sich für ein generationenübergreifendes Wohnen, eine Form der Lebens- und Solidargemeinschaft, bei der alle unter einem Dach zusammenleben ohne sich zwangsläufig im Alltag begegnen zu müssen. Die an das Wohnhaus anschließende denkmalgeschützte Fachwerkscheune mit reizvollem Grundstück bot dafür ausreichend Platz. Das historische Gebäude wurde saniert, modernisiert und mit einem Anbau ergänzt, der nun zum Wohnmittelpunkt für die junge Familie wurde.

Zur Straße nach Norden gibt sich das Gebäude klassisch für die Region geschlossen. Nach Süden zum idyllischen Garten und zum Bachlauf aber öffnet es sich mit dem Anbau durch große Glasflächen. Der Neubau wurde mittels vorgefertigter Holzbauelemente innerhalb eines Tages vor Ort zusammengesetzt. Über den Haupteingang von der Straße gelangt man heute in ein hohes Foyer, das durch historisches Sichtfachwerk mit Sandsteinsockel, Sichtestrich-Fußboden und freigelegten Deckenbalken den alten Kern und ursprünglichen Charakter des Hauses offenbart. Über eine Stufe führt der Zugang zum Anbau. Eine moderne Stahltreppe bildet den Aufgang zu den Wohnbereichen im Obergeschoss. Eltern- und Kindertrakt sind hier durch einen Brückensteg miteinander verbunden.

Der Neu- und Anbau musste wegen der Nähe zum Fließgewässer leicht angehoben werden und lehnt als Riegel direkt an die historische Scheune. Diese Gestaltung folgt zum einen den von den Bauherren gewünschten Funktionen, zum anderen ist er nach dem Sonneneinfallswinkel konzipiert, um möglichst viel Licht und Sonne in das neue Haus fluten zu lassen. Das leicht auskragende Dach über der Wohnterrasse spendet in den Sommermonaten Schatten. Der offene Wohn-, Ess- und Kochbereich mit seinen großen Panoramafenstern macht die Räume mit ihren offenen Grundrissen hell und profitiert von solaren Energiegewinnen.

Außen, wie auch im Innenbereich wurde auf natürliche Baumaterialien gesetzt. Für die Wohnbereiche kamen warme, behagliche Töne und Materialien wie Lehm und natürlich geöltes Eichenparkett zum Einsatz, bei der Fassade Lärchenholz und Glas.

Aufgrund der hocheffizienten Wärmedämmung, die 30 Prozent unter den Anforderungen der Energieeinsparverordnung (EnEV) liegt, kann auf fossile Brennstoffe verzichtet werden. Eine moderne Wärmepumpe, in Verbindung mit Fußbodenheizung, versorgt das Mehrgenerationenhaus. Hightech und Lowtech, eine Mischung aus historischer Bausubstanz und zeitgenössischer Architektur, bilden ein geschlossenes Konzept.

Pläne und Skizzen können Sie hier (PDF) einsehen.

Fotos: Martin Henze
 
 
 

Projektdaten

  • Bauherren: Torsten Bauer und Dinah Stollwerck-Bauer
  • Ort: Bundesstraße 31, Uslar Ot Bollensen
  • Architekten: Steingräber. architektur
  • Fertigstellung: März 2012
  • Bruttogeschossfläche: 430 m²
  • Wohnfläche: 184 m²
  • Bruttorauminhalt: Bestand: ca. 1.100 m³, Neubau: ca. 360 m³
  • Konstruktion: Bestand: Fachwerk, Neubau: Holzrahmenbauweise
  • Energieträger: Luft-Wasser-Wärmepumpe
  • Primärenergiebedarf: 79,9 kWh/m²a
  • Endenergiebedarf: 30,7 kWh/m²a

       

      »Innovative, flexible Umbauten, die sich den ändernden Wohn- und Lebensbedingungen von Menschen in ihren verschiedenen Lebenssituationen anpassen, unter einem Dach zu vereinen, das ist ein Stück Zukunft. Nicht nur für uns Architekten, sondern auch für unsere Gesellschaft.«


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