Weiter zum Inhalt

Konjunkturbelebung mit Architektur und Innovation

| Fachmeldungen

8-Punkte-Plan der Bundesarchitektenkammer

Das schnelle Vorgehen der Politik bei der Bekämpfung der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie ist aus Sicht der Bundesarchitektenkammer (BAK) nachdrücklich zu begrüßen.

Aktuelle Umfragen der BAK zeigen, dass sich Architekten aller Fachrichtungen auf wirtschaftlich schwierige Zeiten einstellen. Stadtplanung, Hochbau, Innen- und Landschaftsarchitektur werden gleichermaßen vor allem von nachgelagerten Effekten betroffen sein. Planungsbüros nehmen vielfach bereits Corona-Hilfsprogramme wie die Möglichkeit zur Kurzarbeit, Zuschuss-Programme und direkte Kredithilfen in Anspruch, was im Einzelfall schwierige Situationen abfedern konnte. Wichtig bleibt allerdings, dass diese Instrumente mindestens bis in den Herbst hinein weiterhin zur Verfügung gestellt werden, da die Hauptauswirkungen auf die Architekten und Planer erst ab der 2. Jahreshälfte zu erwarten sind. Ausdrücklich ist darauf hinzuweisen, dass derzeit vielerorts noch vorhandene Auftragsbestände abgearbeitet werden, die Auftragspolster aber rapide abschmelzen und somit die Folgen der Corona-Krise erst zeitversetzt die Branche treffen werden („Phasenverschiebung der Betroffenheit der Branchen“). Es besteht noch die Chance, die absehbaren Folgen für die Architektur- und Planungsbüros durch geeignete konjunkturpolitische Maßnahmen abzumildern.

Die Corona-Pandemie hat zu einem bislang noch nie da gewesenen zeitgleichen Einbruch auf der Angebots- und Nachfrageseite geführt. Die Krisenbekämpfung hat zunächst richtigerweise bei der Stabilisierung der Unternehmen (Angebotsseite) angesetzt. In der zweiten Phase des politischen Krisenmanagements stehen Bund, Länder und Kommunen, aber auch die EU in der Verantwortung, Nachfrageausfälle, die im gewerblichen und privaten Bereich absehbar sind, durch ein kombiniertes Investitions- und Innovationsprogramm zu kompensieren. Der Planungs- und Bauwirtschaft kommt dabei schon allein aufgrund ihrer volkswirtschaftlichen Bedeutung mit einem Bauvolumen von 430 Mrd. EUR in 2019 ein hoher Stellenwert zu. Der Baubereich bietet sich als Feld der Konjunkturpolitik auch deshalb an, da der Staat als Nachfrager ohnehin eine überproportionale Rolle einnimmt und der Baubereich eine klassische konjunkturelle „Lokomotivfunktion“ übernimmt, bei der die Wertschöpfung mehrheitlich in der Region bzw. im Land bleibt. Im Übrigen ist ein konjunkturpolitisches Engagement aus gemeinwohlorientierter Sicht gerade im Planungs- und Baubereich attraktiv, da ein direkter, dauerhafter Gegenwert geschaffen wird. Es gilt der Grundsatz: „Investitionen“ in die Planung zahlen sich aus. 1 Euro Planung löst überschlägig 10 bis 20 Euro an Investitionsvolumen am Bau aus.

Die kommenden Wochen sollten dafür genutzt werden, um ein konsistentes Konzept für eine Konjunkturpolitik zu erarbeiten. Im Fokus dieses Papier steht daher nicht das Ordnungsrecht, sondern Wege, antizyklisch die gesamtwirtschaftliche Nachfrage zu stimulieren. In diesem Sinne möchte die Bundesarchitektenkammer die nachfolgenden acht Punkte beisteuern, deren Berücksichtigung die Effektivität der Maßnahmen unterstützt aber auch eine nachhaltig volkswirtschaftliche Wirkung sichern soll.

 

8-Punkte-Plan kurz zusammengefasst:

Engpass bei Genehmigungsbehörden beseitigen: Arbeitsfähige Bauverwaltung sicherstellen und durch gezielte Anschubprogramme auf die kommunalen Bauverwaltungen einwirken.

Zusätzliche Mittel inhaltlich sinnvoll einsetzen: Gezielte Konjunkturprogramme für den notwendigen ökologischen Wandel, nachhaltiges Bauen und mehr Baukultur: Den öffentlichen Bauherrn wieder in die Position versetzen, mit seinen Bauten Vorbildcharakter zu zeigen. Ohnehin drängende Herausforderungen anpacken wie Klimawandel, moderne Mobilität, vernetzte Smart Cities, Kommunikations- und Energieinfrastruktur. „Schubladen leeren“:  Schubladenprojekte jetzt umsetzen, um möglichst schnell zusätzliche Bautätigkeit entfalten zu können. Auf Seiten der öffentlichen Infrastruktur besteht ein erheblicher Vorrat an Schubladenprojekten (Hochbau, Straßenbau, Sanierung öffentlicher Infrastruktur, Ersatzinvestitionen etc.).

Vergabeverfahren beschleunigen: Die Einzelvergabe insbesondere von Planungsleistungen (und nicht PPP-Modelle oder die Beauftragung von Generalübernehmern) hat sich insgesamt als stabile, mittelstandfreundliche und qualitätsorientierte Strategie bewährt und sollte daher eine notwenige Bedingung für die Konjunkturpolitik sein.

Direkter öffentlicher Wohnungsbau jetzt erforderlich: Bund, Länder und Kommunen sollten, wo immer möglich, über die eigenen Wohnungsbauunternehmen voranschreiten und jetzt entsprechend große und ambitionierte, volumenstarke Aufträge ausgeben.

Zeit für Experimente: Gezielt neue Ansätze austesten, z. B. im Bereich zirkuläre Wertschöpfung, ressourcenschonendes Bauen, Digitalisierung von Prozessen und Resilienz von Städten. Investive Mittel einsetzen für die Transformation von Städten und stadträumlich relevante Klimaanpassung. Einrichtung eines Innovationsfonds, denn auch nach Abklingen der Corona-Krise werden dauerhafte Effekte für die Bau-, Immobilien-, und Planungsbranchen sowie Stadtentwicklung bestehen bleiben.

Jetzt Qualifikationen ausbauen: Durch gezielte befristete Zuschüsse zu fachspezifischen Fortbildungsmaßnahmen die Qualifikation von Planerinnen und Planern verbessern.

Impulse für private Bauherren verstärken: Abmilderung coronabedingter Finanzierungsengpässe privater und gewerblicher Bauherren. Die existierenden Kredit- und Zuschussprogramme sollten, ggf. zeitlich befristet ausgeweitet werden

Ausgabenprogramme dürfen nicht mit der Gießkanne verteilt werden, sondern schon vor der Corona-Krise bestehende Ziele wie nachhaltiges Bauen und der ökologische Umbau müssen prioritär verfolgt werden. Der Bau- und Planungsbranche kommt eine Schlüsselfunktion als Konjunkturlokomotive zu.

Den ausführlichen 8-Punkte-Plan finden Sie hier.