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Auf der Flucht

| Fachmeldungen

Geflüchtete ukrainische Planerinnen sprechen mit Kammerpräsident Marlow im Laveshaus und suchen Kontakt zu niedersächsischen Kolleginnen und Kollegen – Kammerplattform „Ukraine-Hilfe“ nutzen

Anastasiya Paliy, Robert Marlow, Oleksandra Naryzhna und Niels Sonne-Frederiksen (v.l.n.r.), der half, die beiden Geflohenen in Hannover unterzubringen. Foto: Menz

Mit acht Autos und ihren Freunden und Bekannten fliehen Anastasiya Paliy und Oleksandra Naryzhna Anfang März aus Charkiw. Die im Südosten gelegene und nach Kiew zweigrößte Stadt der Ukraine gilt als bedeutendes Zentrum der Wissenschaft. Naryzhna leitete bis zum letzten Sommer die dortige Kharkiv School of Architecture. „Wir wussten, als die ersten Bomben fielen, wir müssen gehen“, sagt sie in Hannover, froh über die gefundene Sicherheit. Zunächst fliehen sie in den Westen der Ukraine, dann nach Ungarn, wo sich Paliy mit Corona infiziert, bis sie schließlich nach ihrer Freitestung München erreichen. Die acht Fluchtwagen zerstreuen sich über Deutschland hinweg. Paliy und Naryzhna gelangen über Bekannte nach Hannover und finden im gegenwärtig ungenutzten Haus des ehemaligen Stadtbaurats Rudolf Hillebrecht nahe des Maschsees eine Unterkunft.

Dort verfolgen sie die Nachrichten, lieber konzentrieren sie sich aber auf ihr größtes Ziel, eine schnelle Rückkehr in die Heimat. Beide wollen ihr Land mit hochwertigeren und nachhaltigeren Gebäuden wieder aufbauen. Und bis es soweit ist? „We don’t want to sit and wait“, sagt Paliy. Nicht rumsitzen und abwarten, sondern die Zeit in Deutschland nutzen. Paliy und Naryzhna haben sich in der Ukraine mit Stadtplanung, öffentlichen Räumen und Mobilitätsfragen beschäftigt und sich vor allem in der Ausbildung des architektonischen Nachwuchses engagiert. Nun suchen sie Kontakt zu niedersächsischen Architekturbüros, um sich auszutauschen, vielleicht in die Arbeitsprozesse in Deutschland reinzuschnuppern, vor allem aber um Netzwerke aufzubauen, die später hilfreich sein können.

Kammerpräsident Robert Marlow, der die Kolleginnen am 22. März im Laveshaus begrüßt und seine Unterstützung anbietet, will ihr Anliegen zu den Kammermitgliedern tragen. „Es ist eine Chance, für die Geflüchteten Planerinnen aus der Ukraine, aber auch für die hiesigen Büros, wenn sie in Kontakt kommen“, sagt Marlow. „Beide Seiten können voneinander profitieren.“

Kammerplattform Ukraine-Hilfe

Auf der Kammer-Website gibt es unter Mitglieder/Jöbbörse die neue Plattform „Ukraine-Hilfe“. Dort können Geflüchtete ihre Gesuche und Qualifikationen einstellen, niedersächsische Büros und Kammermitglieder wiederum können Angebote machen. Das muss nicht gleich eine Anstellung sein, auch Kooperationen, Wissensaustausch, Netzwerkbildung oder einfach nur Gesprächsangebote können hilfreich sein. Marlow will auch den Kontakt zur Leibniz Universität Hannover herstellen. Paliy freut sich darüber besonders. Sie könne mit ihrem Knowhow sicherlich in einem niedersächsischen Büro arbeiten, sagt sie, aber was sie eigentlich will, ist ihre Arbeit mit den Studierenden fortsetzen. Ob das in der Ukraine in naher Zukunft möglich sein wird, weiß heute niemand. Paliy und Naryzhna aber geben sich kämpferisch und zuversichtlich.

Wer Kontakt zu Anastasiya Paliy und Oleksandra Naryzhna aufnehmen will, kann eine E-Mail schreiben. Nastyapaliyy@gmail.com oder a.naryzhna@gmail.com

Die Plattform Ukraine-Hilfe ist erreichbar unter: www.aknds.de/mitglieder/jobboerse