Sie befinden sich in der Pfadnavigation
Zum Inhalt springen

Aktuell

Raus aus der Grauzone: Vertreterversammlung verabschiedet Leitbild Wettbewerbsverfahren

28.11.2017

Graue Verfahren, schwarze Verfahren, Ideengebote, Workshops, Mehrfachbeauftragungen, Schmuddelverfahren, Planungskonkurrenzen und Gutachterverfahren: Die Kreativität bei der Suche nach dem richtigen Namen scheint manchmal auf Auftraggeberseite wie Teilnehmerseite groß zu sein, wenn es einen Ausdruck zu finden gilt, dass es sich um keinen richtigen Architektenwettbewerb handelt. Aber was ist überhaupt ein „richtiger“ Architektenwettbewerb? Und wie verhält es sich mit all den anderen Verfahrensarten, darf es die überhaupt geben, soll es sie geben, und was bedeutet das für jeden Einzelnen, wenn die Anfrage zur Teilnahme auf dem Tisch liegt?

Leider haben sich die berufsrechtlichen Grenzen des Zulässigen durch die Rechtsprechung der vergangenen Jahre immer weiter von dem entfernt, was die berufspolitischen Zielsetzungen der Architektenkammer sind. In der Folge sind auch die Grenzen zwischen dem, was rechtlich noch vertretbar erscheint und einem klaren Verstoß zunehmend unschärfer geworden. Umso mehr gewinnen die berufspolitischen Zielsetzungen an Bedeutung, die seit jeher Gegenstand der Wettbewerbsberatung sind und die per se auf den registrierten Architektenwettbewerb auf Grundlage der RPW zielen.

Länderübergreifend haben sich die Architektenkammern zum Ziel gesetzt, der Fehlentwicklung weg vom Wettbewerb entgegenzutreten. So fassen einige Länderkammern mittlerweile konsequent und restriktiv nach und ermitteln aktiv, wenn sie von der Teilnahme ihrer Mitglieder an ungeregelten Verfahren erfahren. Die Architektenkammer Niedersachsen vertritt seit Jahren eine eher undogmatische Linie. Um es deutlich zu sagen, ein nicht registriertes Verfahren mit unkonventionellen Verfahrensregeln ist nicht per se zu verteufeln, wenn es dem Vergabe- und Honorarrecht entspricht. Es ist auch längst nicht immer illegal. Aber es ist eben doch berufspolitisch unerwünscht. Möglicherweise hat der pragmatische Umgang mit ungeregelten Wettbewerbsverfahren das Bild entstehen lassen, solche Verfahren würden einem geregelten Wettbewerb gleichgesetzt und die Kammer mache mitunter keinen Unterschied mehr zwischen Mehrfachbeauftragung und Wettbewerb, zwischen ungeregeltem und geregeltem Verfahren. Doch dem ist beileibe nicht so.

Um dies zu verdeutlichen haben Wettbewerbsausschuss, Vorstand und Vertreterversammlung der Architektenkammer Niedersachsen die bundesweite Debatte mit einem „Leitbild Wettbewerbsverfahren“ zum Anlass für eine Positionsbestimmung genutzt – ebenso wie der Bund Deutscher Architekten, der mit einem Boykottaufruf in gleicher Sache den Beleg lieferte, dass dieses Leitbild dringend nötig ist und auch keinen niedersächsischen Alleingang darstellt. So haben die Kammergremien beschlossen, die Linie des BDA inhaltlich zu unterstützen und mit dem verabschiedeten „Leitbild Wettbewerbsverfahren“ den Rahmen gesteckt, wie die Leitlinien der Wettbewerbsberatung aussehen sollen. Dazu gehört auch die Konsequenz, dass insbesondere Ehrenamtsträger der Kammer sich diesem Leitbild verpflichtet sehen. Strittige Fälle mag es in Anbetracht der rechtlichen und politischen Grauzonen auch zukünftig geben, dann aber gilt es, sich bei Wettbewerbsausschuss und Geschäftsstelle rückzuversichern und das „richtige“ weitere Vorgehen abzustimmen. Die Verabschiedung des neuen Leitbildes wird hoffentlich zur Klärung dieses wichtigen Aspekts der Berufsausübung beitragen. Erforderlich hierfür: Der Schulterschluss aller Berufsangehörigen.

Rt

Leitbild_Wettbewerbsverfahren_Beschluss_VV.pdf174 Ki