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Aktuell

Kino im Sprengel in Hannover beschäftigt sich im Juni mit dem Leben in der Stadt

Steigende Mieten, Umwandlung in Eigentumswohnungen und Luxussanierungen waren vor 30 Jahren Anlass zur Gründung der Wohnungsgenossenschaft WOGE Nordstadt eG. Die Nordstadt wurde 1986 formell als Sanierungsgebiet der Stadt Hannover festgelegt. Es bestand die Gefahr des weiteren Verlusts von bezahlbarem Wohnraum und einer weiteren Privatisierung der Wohnungen. Die WOGE sollte als Alternative zu den traditionellen Trägern bezahlbare Mieten langfristig sichern, indem sie für ihre Häuser die Mietpreisentwicklung vom Wohnungsmarkt abgekoppelte. Außerdem wollten die Aktiven genossenschaftliche Wohnkultur fördern und stadtteilspezifische Wohnformen sichern. Heute gehören der WOGE 229 Wohnungen und 13 Gewerbeeinheiten in 28 Gebäuden auf 22 Grundstücken in der Nordstadt.

Die Themen von damals bewegen noc immerh. Aufgrund der aktuellen Entwicklungen auf dem Wohnungsmarkt sind alternative Modelle, die Wohnungen dem Kapitalmarkt entziehen und bezahlbaren Wohnraum langfristig sichern, wichtiger denn je. Eine breite öffentliche Diskussion ist notwendig, um sozial ausgerichtete, alternative Wohnmodelle weiter zu vervielfältigen und bezahlbares und selbstbestimmtes Wohnen zu ermöglichen. Dazu sollen die Filmveranstaltungen zum 30jährigen Bestehen der WOGE anregen.

FR 14.6.   20.30 Uhr
MIETE ESSEN SEELE AUF
von Angelika Levi, D 2016, 54 min., digital; Mitarbeit: Christoph Dreher

Kurztext: Beispiel Kotti & Co in Berlin. Filmveranstaltung zu den Fehlentwicklungen auf dem Wohnungsmarkt und Diskussion alternativer Ansätze. Zum 30-jährigen Jubiläum der WOGE Nordstadt eG.

Im Mai 2012 zimmerten Bewohner der Sozialwohnungen am Kottbusser Tor, mehrheitlich türkischstämmige Nachbarn, aus Europaletten ein Protesthaus zusammen. Sie nannten es "Gecekondu", d.h. "über Nacht erbaut". Mit dieser Besetzung eines öffentlichen Platzes im Zentrum von Kreuzberg begann die Mieterinitiative Kotti & Co einen sichtbaren Widerstand gegen die massive Verdrängung von langjährigen Bewohnern aus der Innenstadt. Die Initiative fordert Mietobergrenzen sowie die Rückführung der Sozialwohnungen in städtisches Eigentum. Menschen mit sehr verschiedenen Biografien und politisch unterschiedlichen Ansichten begannen miteinander zu reden und ihre Geschichten zu teilen. Die Abgrenzungen und Vorurteile wichen einer positiven Verunsicherung, aus Nachbarschaft entstand Freundschaft.

MIETE ESSEN SEELE AUF verknüpft die Wohnungsfrage mit der Geschichte der Migration und betont eine Verbindung von Rassismus und urbaner Verdrängung. Im Film spielt der "Cottbusser Chor" mit, ein radikal postideologischer Chor, arrangiert und musikalisch komponiert von Nicholas Bussmann. Er versteht sich in der Tradition linker Laienchöre, doch die sonst hierarchische Struktur des Chors wird durchbrochen und eine musikalische Fährte gelegt, die das Thema des Films spiegelt: das Verhältnis von Kollektiv und Individuum.

Vorfilm: MITERSOLIDARITÄT von Max Willutzki, BRD 1970, 13 min., Vorfilm, 16mm

Zwischen 1963 und 1974 wurde im Norden Westberlins das Märkische Viertel als Großsiedlung für insgesamt 60.000 Bewohner errichtet. Durch zu hohe Mieten und unzureichende Infrastruktur entstanden schnell soziale Probleme, das ehemalige Vorzeigeprojekt geriet in Verruf. Im Kontext der Studentenbewegung erschien das Märkische Viertel prädestiniert für die Kritik am kapitalistischen Städtebau und seinen Folgen. Der ehemalige dffb-Student und Filmemacher Max Willutzki zog 1969 selbst ins Märkische Viertel und dokumentierte mit Christian Ziewer und anderen die politische Stadtteilarbeit. MIETERSOLIDARITÄT zeigt, wie es dem Arbeitskreis Mieten und Wohnen gelingt, die Zwangsräumung der kinderreichen Arbeiterfamilie Puhle zu verhindern.

Nach dem Film besteht die Möglichkeit zu Diskussion und Austausch.

In Kooperation mit der WOGE Nordstadt und der Initiative Nordstadt Solidarisch.

SA 15.6.   20.30 Uhr
Oberhausen on tour: Stadtleben (Made in Germany 2)

Kurztext: Auswahlprogramm der Kurzfilmtage Oberhausen zum Thema Stadt und Architektur, Filme 2009-2017.

PANDA III von Maximilian Villwock, D 2016, 13 min., digital
Du gegen mich. Wir gegen den Rest der Welt. Wir verstehen uns nicht mehr und doch sehnen wir uns nacheinander. Maximilian Villwock zeigt uns, wie in Berlin bei Nacht aus der Liebe ein Machtkampf wird, wenn das Ego überhandnimmt.

U_08-1 (future past perfect pt.3) von Carsten Nicolai und Simon Meyer, D 2009, 3 min., digital
In einer ruhigen Herbstnacht in Tokio hält ein Auto vor einer Reihe von Getränkeautomaten. Der Fahrer steigt aus dem Fahrzeug, um sich auf dem Nachhauseweg noch ein Getränk zu besorgen. Als er eine Geldmünze in den Apparat einwirft, beginnt dieser, anstatt wie üblich zu funktionieren, ein seltsames Eigenleben zu entfalten. Konzipiert als dritter Teil der Serie future past perfect handelt der Kurzfilm von der Faszination für Automation, Codes und Musterprozesse.

SCHICHT
von Alex Gerbaulet, D 2015, 28 min., digital
"Schicht" ist zugleich Abrechnung und Spurensuche nach der (eigenen) Vergangenheit. Schicht für Schicht enthüllt der Film das Porträt einer Familie und begibt sich auf einen schwindelerregenden Trip durch die schrumpfende Industriestadt Salzgitter. Zwischen Analyse und Imagination folgt er dem Strom freigelegter Geschichten.

MY CASTLE YOUR CASTLE von Kerstin Honeit, D 2017, 14 min., digital
"My Castle Your Castle" untersucht die Baustelle für den Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses als Ort, an dem nationale Hegemonien sich vermeintlich in identitätsstiftende Architektur verwandeln. Kerstin Honeit lädt Bauarbeiter zum Kaffeekranz für eine groteske Aufführung von Abriss und Aufbau nationalstaatlicher Mythen.

DRIVING AROUND WHERE THE CRESCENTS USED TO BE
. A Script von Marian Mayland, D/Schweiz 2015, 15 min., digital
Der kurze, essayistische Pastiche erinnert an einen abgerissenen Wohnhausblock und die Geschichte eines Stadtviertels in Manchester, indem er dokumentarisches Material mit Ausschnitten aus kulturellen Gegenentwürfen der frühen Techno- und Acidhouse-Szene furios vermischt.

PLEASE SAY SOMETHING von David O´Reilly, D 2009, 10 min., digital
"Please Say Something" animiert die Stadt und zündet ein hintergründiges und zukunftsweisendes Bilderfeuerwerk. In 23 gleichlangen Episoden beschreibt dieser Kurzfilm, der den Goldenen Bären bei der diesjährigen Berlinale gewann, die denkbar schwierige Beziehung zwischen einer Maus und einer Katze.

In Zusammenarbeit mit den Internationalen Kurzfilmtagen Oberhausen

DO 20.6.   20.30 Uhr
BUY BUY ST. PAULI - Über die Kämpfe um die Esso-Häuser in Hamburg
von Irene Bude, Olaf Sobczak und Steffen Jörg, D 2014, 86 min., digital

Zu Gast ist die Filmemacherin Irene Bude und eine Vertreterin der Planbude

Kurztext: Langzeitdokumentation über den Kampf der Bewohner der Esso-Häuser und ihrer Unterstützer gegen den Abriss. 5 Jahre später erfahren wir mehr über den lange währenden Kampf gegen den Abriss der Esso Häuser und die Erfolge im Beteiligungsprozess. Aktuell fällt die Entscheidung über den wegweisenden Bebauungsplan.

"Einfach dokumentieren, was hier tagtäglich passiert und denen, die hier wohnen, eine Stimme geben". Mit diesem Ziel sind die FilmemacherInnen Irene Bude, Olaf Sobczak und Steffen Jörg bereits in ihrem ersten Film EMPIRE ST. PAULI angetreten. In BUY BUY ST. PAULI begleiten sie den Kampf der MieterInnen der Esso-Häuser bis zum Abriss der Häuser am Spielbudenplatz. Unterlegt ist die Dokumentation mit Texten der Hamburger Bands "Die Goldenen Zitronen" und "Schwabinggrad Ballett" sowie der Münchner Gruppe "Chicks on Speed".

"Es ist ein Film, dessen Ende man bereits am Anfang kennt. Das macht ihn aber nicht weniger spannend, ganz im Gegenteil. Mieterversammlungen, Protestszenen, Demonstrationen und Aktionen wechseln sich ab mit einer ganz eigenen Art von Porträts der Menschen aus den Häusern. Und sie sind geschickt ausgesucht. Es ist nur eine gute Handvoll der vielen MieterInnen, die einem durch den Film immer wieder begegnen. Die meisten von ihnen wohnten ihr ganzes Leben auf St. Pauli, viele sind sowas wie Kiez-RenterInnen. Sie lebten von der Reeperbahn, an der Reeperbahn, und sie hatten eines gemeinsam: Sie wollten hier nicht weg." (analyse & kritik)

Nach dem Film besteht die Möglichkeit zu Diskussion und Austausch.

In Kooperation mit der WOGE Nordstadt eG.

Kino im Sprengel
Kino: Klaus-Müller-Kilian-Weg 1 (zuvor: Schaufelder Straße 33)
Büro: Klaus-Müller-Kilian-Weg 2 (zuvor: Schaufelder Straße 30)
30167 Hannover

Tel.:  49 (0)511 / 703814
Fax:   49 (0)511 / 703841
E-Mail: info(at)kino-im-sprengel.de
http://www.kino-im-sprengel.de