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Gastvortrag von Prof. Dr. Karin Wilhlem: "Von der Hand zum Typus. Gropius und das Bauhaus Weimar/Dessau"

Forum Baukultur Lüneburg e.V.:

Einladung zum Gastvortrag von Frau Prof. Dr. Karin Wilhlem: "Von der Hand zum Typus. Gropius und das Bauhaus Weimar/Dessau"

am 06.06.2019 um 19 Uhr, Eintritt frei

Ort
Hörsaal 4, Leuphana, Universitätsallee 1, 21335 Lüneburg

 

Die Feier zum 100sten Geburtstages des Bauhauses in diesem Jahr ist mit der Gründung des „Staatlichen Bauhaus Weimar“ 1919 verbunden. Dabei soll eben diese Gründungsphase nochmals im Zentrum der Betrachtung stehen, denn sie fällt in die politökonomischen Krisenjahre der deutschen Industrie- und Arbeitsgesellschaft und musste eben darauf reagieren. Im Umfeld der Revolution wird das Lehrkonzept - wie es Walter Gropius zunächst entwirft – neben den vorgefundenen Ausbildungsstrukturen (Werkstätten), nach Grundlagen dessen suchen, was Arbeit im Allgemeinen und die der künstlerisch-handwerklichen Ausbildung im Besonderen auszeichnet. Hier in Weimar wird er kurzzeitig ein Konzept propagieren, das die werkkünstlerische Ausbildung / Baukunst auf die Dominanz des Handwerks, auf die Erfahrungen des Machens (Poesis) gründet.

Der heute als Hausherr der „Kältezone Funktionalismus“ deklarierte Gropius, hatte bereits 1909/10, also zur Zeit seines Fagus-Werk-Engagements, der AEG unter Emil und Walther Rathenau ein Konzept zur „Gründung einer allgemeinen Hausbaugesellschaft“ vorgestellt und sich damit offensichtlich als Vorreiter des amerikanischen „Fordismus“ im Bauen positioniert. Wenn sich der Bauhausdirektor dann zehn Jahre später in Weimar von dem Projekt einer Ausbildung in Hinblick auf Rationalisierungsanforderungen augenscheinlich verabschiedet, so hat man diese Volte gleichsam als einen dem Zeitgeist geschuldeten Ausrutscher dargestellt, den der Architekt Gropius um 1924 wieder geraderücken wird. Und so liest man, dass das Programm des Dessauer Bauhauses diese, dem expressionistischen Geist geschuldete Weimarer „Panne“ später in der Weiterführung moderner, industrieller Produktivitätsanforderungen korrigieren wird.

Eben das war im Weimarer Bauhaus-Konzept enthalten: das Bedenken und Nachdenken über handwerkliches Wissen und Können. Dass Gropius damit auf die Vorkriegszeit, die Kontakte zu Rathenau, Werkbund, etc. zurückblickte und gleichsam eine politische Kulturkritik in praxi formulierte, um sie für eine neue, qualitätsvolle Massenproduktion einsetzen zu können, soll nochmals behandelt werden. Dabei soll ein kurzer Ausblick auf die zwei anderen Direktoren, Hannes Meyer und Ludwig Mies van der Rohe den Blick auf diese Schule abrunden.