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Aktuell

Unabhängige Planung schafft mehr Qualität beim Bau

Die Architektenkammer Niedersachsen fordert bei der Ausschreibung öffentlicher Bauprojekte einen höheren Stellenwert für die Planung. Beispielsweise stehen derzeit durch die Rückkehr zum neunjährigen Abitur an Gymnasien viele Schulgebäude in Niedersachsen zur Sanierung oder Erweiterung an – in Lüneburg aktuell beispielsweise das Johanneum. Gleiches gilt für Neubauten, wie die derzeit in der Diskussion stehende Arena Lüneburger Heide.

„Ein zunehmender Zeit- und Kostendruck bei der Umsetzung baulicher Maßnahmen führt vermehrt dazu, dass nach vermeintlich einfachen Lösungen aus einer Hand gesucht wird“, kritisiert der Architekt Stephan Seeger, Regionalbeauftragter der Architektenkammer Niedersachsen für den Raum Lüneburg und spricht damit stellvertetend für die Kolleginnen und Kollegen in seiner Region. Bei Schulen aber auch bei vielen anderen alltäglichen Bauaufgaben wie Feuerwehrgebäuden oder Sportanlagen zeige sich immer wieder, dass es sinnvoll sei, die Planungsleistung als essenziellen und ökonomisch relevanten Schritt vorab und unabhängig auszuschreiben. Leider, so bedauert Seeger, werde wieder verstärkt auf Totalunternehmerausschreibungen und ÖPP-Verfahren gesetzt. Diese Verfahren erwiesen sich jedoch zumeist als wirtschaftlich wenig effektiv, äußerst komplex und damit fehleranfällig. „Alles aus einer Hand: das hört sich vermeintlich einfach an, ist aber kein Garant für Kosten- und Termintreue“, so Seeger.Oftmals sei sogar das Gegenteil der Fall, betont der freischaffende Architekt, der sich für transparente und vergleichende Vergabeverfahren einsetzt – vor allem für das bewährte Instrument des Architektenwettbewerbs, mit dem man „gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlägt“, denn dabei würden im schon im Vergabeverfahren Entwurfskonzepte eingereicht und diskutiert. Und das, so Seeger, koste keine unnötige Zeit, wie häufig als Gegenargument ins Feld geführt werde, sondern führe im Gegenteil zu einer deutlichen Zeitersparnis.

„Auch in Lüneburg und umzu zeigen Bauprojekte aus neuerer Zeit, dass sich dieses Verfahren für alle Beteiligten lohnt, wie zum Beispiel der Wettbewerb für einen Nachnutzung und Erweiterungsbau für den denkmalgeschützten Gebäudekomplex der Psychiatrische Klinik – und auch ganz kleine Bauvorhaben sind gut geeignet für ein Wettbewerbsverfahren, erklärt Seeger, wie die Erweiterung der Grundschule in Melbek beweise.

Als Regionalbeauftragter der Region Lüneburg und den Heidekreis steht Stephan Seeger jederzeit für Gespräche zur Verfügung, um beispielsweise über die Zusammenarbeit mit Architekten aufzuklären. „Ich möchte zu einer positiven Zusammenarbeit zwischen öffentlicher Hand und dem Berufsstand der Architekten aufrufen.“ Denn, so Seeger weiter: „Auch bei konventionellen Vergaben ist die zu beobachtende Vergabepraxis oft kritikwürdig. Allzu oft wird etwa die Höhe des Planungshonorars zum alleinigen oder wesentlichen Kriterium gemacht, obwohl das Vergaberecht bei Planungsleistungen Qualitätskriterien wie Leistungsfähigkeit und Fachkunde vorsieht.“

Die Architektenkammer hat über ganz Niedersachsen verteilt Regionalbeauftragte installiert, die als Ansprechpartner vor Ort fungieren. Einen Überblick über die Regionalbeauftragten ist zu finden unter:
www.aknds.de/mitglieder3/kammer/regionalbeauftragte